Russland öffnet Streitkräfte für ausländische Freiwillige

Quelle: Vitaly V. Kuzmin/ CC BY-SA 3.0
Quelle: Vitaly V. Kuzmin/ CC BY-SA 3.0
Der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, hat ein Dekret unterzeichnet, das es ausländischen Staatsangehörigen erlaubt, in Einheiten der russischen Armee oder des Innenministeriums zu dienen. Das Dekret ist Teil des Modernisierungsplans für die Streitkräfte Russlands und soll vor allem Einwanderern aus den zentralasiatischen Republiken eine bessere Perspektive bieten.

Unter der Voraussetzung, dass sie die russische Sprache beherrschen und keine Einträge im polizeilichen Führungszeugnis aufweisen, können künftig ausländische Staatsangehörige zwischen 18 und 30 Jahren Fünfjahresverträge mit der russischen Armee abschließen.

Mittels des Dekrets soll es künftig vor allem jungen Männern aus den früheren Sowjetrepubliken Zentralasiens und anderen Regionen, aus denen Menschen als Arbeitskräfte in die Russische Föderation kommen, ermöglichen als Soldaten zu dienen. Dies würde ihnen den Zugang zu besserer Bezahlung und den Sozialleistungen für Militärangehörige ermöglichen.

Russland verfügt unter anderem in Tadschikistan und Armenien über Militärbasen, darüber hinaus auch in den abtrünnigen Regionen Transnistrien (Moldawien) sowie Abchasien und Südossetien (Georgien).

Zusätzlich erlaubt das Dekret den Dienst von Ausländern in den nationalen Feuerwehrverbänden und jenen des Innenministeriums, die unter anderem für die Herstellung der Ordnung im Fall von Unruhen und die Bekämpfung von Aufständen zuständig sind.

Hintergrund des Dekrets ist das Bemühen Russlands um eine Steigerung der Anzahl an Berufssoldaten in der Armee, die mit Plänen zur weiträumigen Modernisierung und besseren waffentechnischen Ausstattung einhergeht.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu zufolge besteht die russische Armee zur Hälfte – mit etwa 500.000 Soldaten – aus Zeitsoldaten, deren Verträge bis 2022 laufen. Der hohe Anteil an Zeitsoldaten ist ein Erbe aus der Sowjetära.

Die Praxis, ausländischen Staatsangehörigen die Möglichkeit zu geben, in den Streitkräften des eigenen Landes zu dienen, geht auf die Zeit des Römischen Reiches zurück. Die Beweggründe sind meist entweder ideologische Verbundenheit, Abenteurertum oder schlicht die Chance, durch die Erlangung der Staatsangehörigkeit dieses Staates über den Militärdienst Sicherheit und soziale Absicherung zu erlangen.

In Kriegszeiten ist die Einbindung ausländischer Freiwilliger üblicher als in Friedenszeiten. Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele. Frankreich unterhält beispielsweise seit 1920 die Légion Étrangère (Fremdenlegion), in der Freiwillige aus 136 Nationen regulären Dienst als Zeitsoldaten in den Streitkräften des Landes leisten. Im Sinne des Völkerrechts gelten sie als reguläre Soldaten der französischen Armee.

In der israelischen Armee besteht das Sar-El-Programm, in dem Nichtisraelis unabhängig von der Herkunft für einige Wochen unbewaffneten Dienst bei den Streitkräften leisten können.

In den USA sind ausländische Armeefreiwillige in Friedenszeiten unüblich. Es verpflichten sich jedoch vor allem zahlreiche in den USA lebende lateinamerikanische Freiwillige für den Dienst im U.S. Marine Corps, um im Anschluss daran die US-amerikanische Staatsangehörigkeit zu erlangen.