Lawrow: Wir haben die Unabhängigkeit der EU von den USA überschätzt

Quelle: Screenshot France24
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In einem Interview mit dem französischen Fernsehsender France24 hat der russische Außenminister Sergei Lawrow die EU für ihre devote Haltung gegenüber den USA kritisiert und Sanktionen als „Zeichen politischer Schwäche“ bezeichnet. Das derzeitige Verhalten der NATO nannte er „infantil“. Zudem sprach er sich für die "territoriale Integrität" der Ukraine aus.

Gefragt nach der aktuellen wirtschaftlichen Situation sagte er:

„Russland wird nicht nur überleben, sondern gestärkt aus dieser Krise hervorkommen. Wir sind bereits durch viel stärkere Krisen gegangen, und jedes Mal waren wir danach stärker als zuvor.“

Lawrow sparte in dem Interview nicht mit deutlichen Worten hinsichtlich der vom Westen verhängten Sanktionen:

„Natürlich schmerzen uns die Sanktionen, aber ich glaube nicht, dass die Sanktionen der Europäischen Union helfen werden. Die Vereinigten Staaten haben der EU die Sanktionen aufgedrängt, und ehrlich gesagt, haben wir die Unabhängigkeit der EU von den USA überschätzt.“
Zudem betonte er:
„Sanktionen sind ein Zeichen von Schwäche und nicht ein Instrument ernsthafter Politik.“
Bezüglich der Fragen zu den neu verhängten US-Sanktionen durch den sogenannten „Ukraine-Freedom Support Act“ und ob er glaubt, dass die USA versuchen einen Regime-Change in Moskau durchzuführen, antwortete der russische Außenminister:
„Ich habe schwerwiegende Gründe zu glauben, dass dies der Fall ist. Und wenn Sie sich den US-Kongress anschauen, 80 Prozent der Senatoren haben die USA noch nie verlassen, ich bin also nicht überrascht über die dort vorherrschende Russophobie.“
Hinsichtlich der Zukunft der Ukraine betonte er, dass Russland ganz klar die territoriale Einheit der Ukraine unterstützt:
 „Das [die Zukunft der Ukraine] müssen die Ukrainer selbst entscheiden. Wir schlagen weder eine Föderalisierung noch eine Autonomie vor."
Lawrow äußerte sich auch zur russischen Haltung gegenüber der NATO. Diese hätte laut Lawrow alle „Kommunikationsverbindungen mit Russland gekappt“ und sei dabei näher an die russische Grenze gerückt. Gleichzeitig verlange die NATO aber weiterhin,  dass Russland für sie weiterhin afghanische Piloten ausbilde.

„Dieses Verhalten ist sehr infantil – aber was sollen wir machen? Manchmal wollen große Jungs Spiele spielen“, so der Außenminister.

Auf die Abschlussfrage des Interviewers, was er zur Suspendierung der Lieferung der zwei französischen Hubschrauberträger an Russland zu sagen hat, antwortete er nur, dass er nicht ein Abkommen kommentieren wird, bei dem es „um einen unterschriebenen, rechtskräftigen Vertrag und damit die Würde der französischen Nation geht.“

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