Russische Zustände? Femen-Aktivistin drohen 3 Jahre Haft wegen Nacktauftritt im Kölner Dom

Quelle: Ruptly
Quelle: Ruptly
Am ersten Weihnachtsfeiertag 2013 sprang die Hamburger Femen-Aktivistin Josephine Witt halbnackt und mit "I am God" auf ihren Brüsten auf den Altar des Kölner Domes und sprengte so die Messfeier. Heute beginnt der Prozess vor dem Amtsgericht Köln. Zeugen sind keine geladen. Ihr drohen bis zu drei Jahre Haft. Doch im Gegensatz zum Fall der Pussy Riot, interveniert weder Amnesty International noch titeln deutsche Zeitungen "Merkel die Despotin".

Der offizielle Tatvorwurf lautet „Störung der Religionsausübung“. Nach Paragraf 167, Absatz 1 des Strafgesetzbuchs drohen einer Person, die „den Gottesdienst oder eine gottesdienstliche Handlung einer im Inland bestehenden Kirche oder anderen Religionsgesellschaft absichtlich und in grober Weise stört“ eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.

Die Femen-Aktivistin begründete ihren Protest mit der aus ihrer Sicht „sexistischen und patriarchalischen“ Haltung des Kölner Kardinals Joachim Meisner, der 25 Jahre an der Spitze des Erzbistums stand. Meisner ist mittlerweile 80 Jahre alt und im Ruhestand.

Dompropst Norbert Feldhoff, Hausherr des Kölner Doms, sagte gegenüber der Bildzeitung, dass er es richtig findet, dass Witt sich nun vor einem deutschen Gericht verantworten muss. Die nackte schreiende Frau auf dem Altar habe, seinen Angaben nach, Kinder und Jugendliche traumatisiert: „Ein Messdiener hatte mehrere Wochen Angst zum Dienst zu kommen und wollte nur noch bei den Eltern schlafen.“

Für die Femen-Aktivistin wäre es nicht der erste Gefängnisaufenthalt. Im Juni 2013 hatte sie in Tunesien gegen die Inhaftierung einer Femen-Kollegin demonstriert, wofür sie bereits 29 Tage im Gefängnis verbringen musste.

Was auffallend ist in diesem Fall, ist die Reaktion der deutschen Medien. Während im ähnlich gelagerten Fall der russischen Punkband Pussy Riot (Muschi-Krawall) die deutsche und internationale Medienlandschaft massiv Russland und den russischen Präsidenten kritisierten („Der russische Despot“) und Amnesty International umgehend die Festnahme kritisierte sowie die sofortige Freilassung der Bandmitglieder forderte, blieben ähnliche Reaktionen bei der Hamburger Femen-Aktivistin bisher aus.

Weder intervenierte Amnesty noch sprach eine deutsche Zeitung von Merkel als „Despotin“.

Nachtrag: Das Amtsgericht in Köln hat mittlerweile bekannt gegeben, dass die Femen-Aktivistin Josephine Witt wegen Störung der Religionsausübung zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro verurteilt wurden ist. Von einer Gefängnisstrafe wurde abgesehen.