US-Drohnenbilanz: 28 tote Zivilisten pro ermordetem "Terroristen"

Quelle: RT
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Das sogenannte „gezielte Töten“ mittels US-Drohnen kostet im Durchschnitt 28 unschuldigen Zivilisten das Leben. Dies geht aus einem Report der Menschenrechtsorganisation „Reprieve“ hervor. Dunkelziffer liegt wahrscheinlich noch viel höher.

Die NGO mit Sitzen in London und New York, gab am 24. November die neuesten Statistiken über Kollateralschäden bei amerikanischen Drohnenangriffen in Afghanistan, Pakistan, Somalia und Yemen bekannt, die vom Bureau of Investigative Journalism zusammengestellt wurden.

Die Statistiken zeugen von einem ungeheuren Missverhältnis: Bei 41 Versuchen Anführer von "Terrorgruppen" zu töten, kamen mindestens 1.147 Zivilisten,  hauptsächlich Familien und Kinder ums Leben.

„Drohnenangriffe wurden der US-Amerikanischen Öffentlichkeit als präzise verkauft. Aber sie sind nur so präzise wie die Informationen, auf deren Grundlage sie eingesetzt werden. An Informationen über einen 'Bösewicht,' den die USA jagt, wegen denen 28 unbekannte Menschen sterben, darunter Frauen und Kinder, ist nichts präzise,“ so Jennifer Gibson, die die Studie von Reprieve leitete.

Im letzten Jahrzehnt mit immer intensiveren Drohnenangriffen gegen Länder, denen Washington nicht einmal den Krieg erklärt hatte, wurden tausende Zivilisten getötet – ein Fakt, den die USA konsequent abstreitet.

„Die einzigen Menschen, auf die wir nach gründlicher Prüfung Drohnen abfeuern, sind Terroristen auf dem höchsten Level. Wir feuern nicht einfach von Drohnen auf jemanden und denken, dass sie Terroristen sind,“ zitiert die britische Zeitung The Guardian den US-Außenminister John Kerry bei einem BBC Forum im Jahr 2013.

Doch die Statistiken sprechen für sich: Man opferte Duzende, manchmal sogar Hunderte Leben um einen einzigen al-Qaida oder Taliban Kriegsherren zu eliminieren.

In den letzten acht Jahren gab es diverse Anläufe einen al-Quaida-Anführer namens Ayman Zawahiri zu töten. Drohnen haben sich als uneffektiv erwiesen – der Mann lebt noch. In zwei bekannten Versuchen im Jahr 2006, wurden über 100 Menschen getötet, darunter 76 Kinder.

Während Zawahiris Name einigen Amerikanern noch bekannt vorkommt, kann das von Qari Hussain nicht behauptet werden. Er war ein früherer Vize-Kommandeur der pakistanischen Taliban.

Von 2008 bis 2010 gab es sechs Versuche diesen Mann zu ermorden, bevor er durch einen amerikanischen Drohnenangriff ums Leben kam. Aber auch in diesem Fall gab es enorme Kollateralschäden: Bei dem Angriff wurden 128 weitere Personen getötet,  13 davon waren Kinder.

Die meisten Terrorverdächtigen wurden in Pakistan ins Visier genommen. Die  Drohnenjagd auf 24 Terroristenanführer führte zum Tod von 874 Zivilisten, ein Fünftel davon Kinder. Von den eigentlichen Ziepersonen wurden nur sechs tatsächlich getötet.

Das bringt die Relation von getöteten mutmaßlichen  Terroristen zu Zivilisten in Pakistan auf 1:36.

 Proteste gegen Drohnen in Pakistan / Quelle: Ruptly
Proteste gegen Drohnen in Pakistan / Quelle: Ruptly

 

Im Jemen gab 33 bestätigte Drohnentötungen von namentlich genannten "Zielen". Dabei starben aber insgesamt 947 Menschen bei den Attacken.

Die Statistiken von Reprieve decken keine weiteren Arten von Drohnenangriffen. Diese zählen nur die sogenannten „Signatur-Angriffe“ gegen Menschengruppen deren Aktivitäten als „verdächtig“ eingestuft wurden.

Die normalerweise konservative Denkfabrik des US Council on Foreign Relations (Rat für auswärtige Beziehungen) schätzt, dass in Afghanistan und Irak allein um die 500 Drohnen-„Signatur-Luftangriffe“ 3.674 Menschen getötet haben.

Alle Drohnenangriffe der CIA oder der Joint Special Operations Command Central (JSOC), einer Kommandoeinrichtung der US-Streitkräfte für Verbundoperationen mehrerer Spezialeinheiten, werden unter strenger Geheimhaltung ausgeführt. Jegliche geleakte Information wird nur anonym herausgegeben. Das bedeutet, dass die von Reprieve gesammelten Daten alles andere als vollständig sind.

„Präsident Obama muss dem Amerikanischen Volk ehrlich die menschlichen Kosten dieses Programms offenlegen,“ fordert Reprieves Sprecherin Jennifer Gibson im Guardian. „Wenn seine Regierung nicht einmal weiß, wer in den Leichentüchern landet, jedes Mal, wenn ein Angriff daneben geht, dann klingen seine Behauptungen über die Präzision dieses Programms nach absolutem Unsinn. Das Risiko, dass wir in Wahrheit noch weniger Sicherheit [vor Terroristen] haben, scheint sehr real,“ so Gibson.