Snowden mahnt: “Dropbox und Co sind Feinde der Privatsphäre“

Quelle: Youtube Screenshot von The New Yorker
Quelle: Youtube Screenshot von The New Yorker
Edward Snowden hat Dropbox und ähnliche Dienste scharf attackiert und sie als „Feinde der Privatsphäre“ bezeichnet. Er mahnt die Nutzer des Internets die unverschlüsselte Kommunikation nicht weiter zu benutzen und ihre Einstellungen der Privatsphäre anzupassen, um es Regierungen zu erschweren sie auszuspionieren.

„Wir sind keine Bürger mehr, wir haben keine Führung mehr. Wir sind Untertanen und haben Herrscher,“ sagte Snowden dem The New Yorker Magazin in einem umfassenden einstündigen Interview

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Interview

"Es gibt nicht genügend Investitionen in Sicherheitsforschung, in das Verständnis wie Metadaten besser geschützt werden können und warum das heute nötiger ist als gestern", so Snowden weiter.

Der Whistleblower glaubt, ein Irrtum der Behörden wie sie die Individualrechte ansehen, liegt darin, die Menschen auf diese Rechte per Voreinstellung verzichten zu lassen. Snowden betont, dass der Moment in dem man gezwungen wird offenzulegen, dass man nichts zu verbergen hat, der Moment ist, in dem das Recht auf Privatsphäre kein Recht mehr ist – weil man es effektiv aufgibt.

„Wenn man sagt: ‚Ich habe nicht zu verbergen‘, dann sagt man gleichzeitig: ‚Mir ist dieses Recht egal.‘ Man sagt: ‚Ich habe dieses Recht nicht, weil ich an einem Punkt angelangt bin, wo ich es rechtfertigen muss.‘ Gesetze funktionieren eigentlich so, dass die Regierung ein Eindringen in jemandes Rechte rechtfertigen muss – man muss nicht rechtfertigen müssen, warum man Redefreiheit braucht.“
In einer solchen Situation wird es als akzeptabel empfunden, in einer Welt zu leben, in der niemand mehr an Privatsphäre als solcher interessiert ist – eine Welt wo Facebook, Google und Dropbox allgegenwärtig sind und wo es nahezu keinen Schutz gegen unberechtigte Verwendung der Informationen gibt, die man dort hinzufügt.

Besonders empfiehlt Snowden den Internetznutzern Dropbox „loszuwerden.“ Solche Dienste fordern nur zum Verschlüsseln der Nutzerdaten während des Transfers und bei Speicherung auf den Servern auf. Andere Dienste, die Snowden stattdessen empfiehlt, wie SpiderOak, verschlüsseln die Informationen auch während es auf dem eigenen Rechner ist.

„Wir sprechen davon Programme loszuwerden, die feindlich gegenüber der Privatsphäre sind,“ so Snowden.

Das gleiche gelte für soziale Netzwerke wie Facebook und Google. Snowden sagt, sie wären „gefährlich“ und schlägt vor, dass die Leute andere Dienste verwenden sollten, über die man verschlüsselte Nachrichten versenden kann, wie zum Beispiel RedPhone oder SilentCircle.

Die Argumentation, dass Verschlüsselung die Sicherheitsbemühungen im Kampf gegen Terroristen behindere, hat Schwachstellen. Sogar von einem rein rechtlichen Standpunkt her gesehen, erklärt Snowden, denn man könne einerseits die Verschlüsselung beibehalten und die relevanten Behörden könnten private Informationen von Telefon- und Internetanbietern bei Bedarf anfordern.

Außerdem wird die Neigung für enge, geheime Zusammenarbeit mit der Regierung einige Firmen Geld und Arbeitsplätze kosten, fügte Snowden hinzu. Wer will schon ein Telefon von einer Firma kaufen, die Hintertüren für Drittparteien einbaut, um an die persönlichen Informationen zu kommen?

„Die gleichen Rechte, die wir geerbt haben, sollen unsere Kinder genauso erben,“ so Snowden weiter.

„Aber am Ende müssen wir daran denken, dass politische Reformen in den USA dieses Problem nicht global lösen werden. [Alle] Regierungen werden ihre eigenen nationalen Gesetze machen. Das können schreckliche Regierungen sein, deshalb muss man sichere Kommunikation benutzen. Der echte Schlüssel ist, dass Firmen die mit der Regierung zusammenarbeiten und ihre Produkte und Dienste kompromittieren, es nicht verdienen, dass man ihnen seine Daten anvertraut. Denn wenn sie es für eine Regierung machen, dann machen sie es auch für eine andere Regierung,“ warnte Snowden im Interview.

Damit Konsumenten das Vertrauen in die von ihnen genutzten Dienste behalten können, müssen sie das Prinzip von Privatsphäre kämpfen, sagte er und fügte hinzu: „Ich spreche jeden Tag mit Computerwissenschaftlern und Kryptographen um gemeinsam auf Lösungen zu kommen“ wie Metadaten mehr gewürdigt und als jedermanns Privatsache angesehen werden.

“Es gibt Lösungen, es gibt Entwicklungen – wir müssen sie verfolgen und auf sie hin arbeiten,“ sagte Snowden. „Und wir müssen betonen, dass dieser Aufwand es wert ist.“

Edward Snowden lebt zur Zeit in Russland, er hatte dort Asyl vor der Strafverfolgung der USA erhalten. Seit kurzem ist er auch wieder mit seiner langjährige Freundin Lindsay Mills vereint.

„Ich habe der [US-] Regierung immer wieder in Verhandlungen gesagt, nun ja, wenn sie mir eine offene Verhandlung, eine faire Verhandlung wie Dan Ellsberg sie hatte, anbieten würden, und ich vor der Jury mein Plädoyer halten darf, dass ich es gerne tun würde,“ so Snowden. „Aber bis jetzt haben sie das abgelehnt.“

 

Eine Doku über sein Leben erscheint am 24. Oktober 2014. Hier der Trailer:

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