Interview mit Filmemacher Markus Fiedler: "Die dunkle Seite der Wikipedia"

Bildquelle: KenFM
Bildquelle: KenFM
Die Wikipedia ist für viele inzwischen alltägliches Nachschlagwerk. Doch ist sie das auch zu Recht? Ist sie seriös und überparteilich, klärt sachlich über verschiedene Standpunkte auf? Nein, meint der Filmemacher Markus Fiedler, dessen Dokumentarfilm „Die dunkle Seite der Wikipedia“ soeben erschien.

Jens Wernicke: Herr Fiedler, Ende Oktober wurde Ihr Dokumentarfilm „Die dunkle Seite der Wikipedia“ veröffentlicht. Wie kam es zu dem Film und was ist „dunkel“ an der Wikipedia?

Markus Fiedler: Die Entstehung des Films geht auf zwei Ereignisse zurück. Zunächst auf ein Gespräch mit meiner Kollegin, die Geschichte unterrichtet und die die Wikipedia klar als nicht zitierfähige Quelle einordnete, wohingegen ich selbst meinen Schülern im Fach Biologie die Wikipedia als teils hervorragende Quelle immer empfohlen habe. Dieses Gespräch machte mich nachdenklich.

Und dann habe ich im Januar 2015 das Video eines Vortrags des Historikers Dr. Daniele Ganser auf YouTube gesehen, in dem es um NATO-Geheimarmeen ging. Als ich deswegen mehr über Dr. Ganser auf Wikipedia erfahren wollte, las ich dort:

„Er greift Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 auf und stellt sie als diskutable wissenschaftliche Erklärungen dar.“

Der Begriff „Verschwörungstheorie“ ist dabei vollkommen unsachlich und diffamiert Dr. Ganser als Spinner. Als ich daher versuchte, mit meinem langjährig ungenutzten Wikipediakonto eine Korrektur dieses Satzes zu erwirken, geschah Seltsames: Obwohl ich einen sachlich formulierten Text in die Diskussion zum Artikel Ganser eingestellt hatte, in dem ich auf die genannte und einige weitere Unzulänglichkeiten des Wikipedia-Artikels einging, wurde ich unter fadenscheinigen Begründungen umgehend als Vandale gemeldet und danach recht schnell von einem Admin mit dem Kommentar „beratungsresistenter Meta-Account“ gesperrt. Dieses Vorgehen in der Wikipedia war vollkommen regelwidrig und wurde aber auch, wie ich dann herausfand, bereits inflationär bei anderen Benutzern praktiziert. Und zwar ausschließlich bei solchen, die im Ganser-Artikel mehr Sachlichkeit einforderten und nicht über ein langjährig genutztes Wikipedia-Konto verfügten.

Logo des Online-Lexions Wikipedia

Es roch förmlich nach einer ideologisch motivierten Absprache der beteiligten Sichter und Administratoren in der Wikipedia. Also sprach ich mich meinerseits mit meinem Bekannten Frank-Michael Speer ab und wir fingen an zu recherchieren. Denn das Thema ist aus drei Gründen wichtig:

1. Als Anhänger und Verfechter der Creative-Commons-Bewegung liegt mir persönlich sehr viel an kostenlosen und urheberrechtsfreien Lern- und Lehrinhalten. Denn sie sind auch für solche Personen verfügbar, die sich die Anschaffung teurer Bücher nicht leisten können. Wikipedia als kostenlose Wissensquelle ist hier aber anscheinend auf dem besten Wege, sich als glaubhafte Quelle zu verabschieden, zumindest was die Artikel anbelangt, die sich mit der aktuellen Politik und dem Zeitgeschehen beschäftigen.

2. Hier wird durch die Wikipedia offensichtlich gezielt Rufmord betrieben. Wie sich sehr schnell herausstellte, richten sich diese Rufmordkampagnen dabei nicht nur gegen Dr. Ganser, sondern gegen viele verschiedene Personen, die sich gegen Krieg und gegen die NATO-Geopolitik positionieren. Hier wollten wir einen Beitrag zum Eindämmen dieses Treibens leisten.

3. Die Öffentlichkeit muss darüber informiert werden, dass Wikipedia in großen Teilen eben nicht objektiv ist. Denn liest man in den üblichen Leitmedien etwas zur Wikipedia, so werden fast ausschließlich positive Seiten des Onlinelexikons hervorgehoben. Wenn man von Angriffen auf die Objektivität der Wikipedia liest, dann werden immer nur von den Wikipedianern erfolgreich abgewehrte Angriffe von außen thematisiert, nämlich beispielsweise solche von PR- Agenturen und verschiedenen Politikern. Weitgehend verschwiegen hingegen wird das Problem, dass in der Wikipedia selbst offensichtlich Strukturen existieren, die die Sachlichkeit des Mediums insgesamt massiv bedrohen. Insofern haben die Leitmedien diesbezüglich auf ganzer Linie versagt und es bedarf hier anscheinend einer Berichterstattung, die nicht von ihnen kommt.

Jens Wernicke: Das heißt, die Wikipedia reproduziert öffentliche Demagogie. Inwiefern denn genau? Und welche Folgen zeitigt das?

Markus Fiedler: Ja. Das Wort Verschwörungstheorie etwa wird offensichtlich immer wieder gerne von Machteliten benutzt, um unliebsame Gegner zu diskreditieren. Nach 9/11 waren „outrageous conspiracy theories“ wieder schwer in Mode. George W. Bush führte diesen Begriff in seiner Rede vor den Vereinten Nationen am 10. November 2001 ein und betitelte damit alles, was die Attentate vom 11. September 2001 kritisch hinterfragte. Die Leitmedien haben diesen Begriff dann wie gleichgeschaltet übernommen und eine dringend notwendige Untersuchung der Anschläge vom 11. September 2001 blieb aus. Offensichtlich hat der vollkommen unsachliche Begriff Verschwörungstheorie nun auch schon seit einigen Jahren Einzug in die Wikipedia gefunden und wird dort als Ideologiekeule verwandt.

Besonders gerne werden dabei Personen angegriffen, die sich in neuerlichen Friedensbewegungen zusammenfinden und beispielsweise gegen eine aggressive NATO-Politik in der Ukraine demonstrieren. So wurde beispielsweise Ken Jebsen als neu-rechter Verschwörungstheoretiker bezeichnet. In verschiedenen hochgradig manipulativen Beiträgen der Leitmedien, unter anderem vom 3sat-Magazin Kulturzeit vom 19. Mai 2014, wurde er zudem als Spinner dargestellt. Und das ist nur ein Beispiel unter vielen.

Diese grauenhafte Berichterstattung, die man sachlich korrekt nur noch als Propaganda bezeichnen kann, setzt sich dabei bis heute fort. Neuerdings werden sogar Kabarettisten als „Antisemiten“ verunglimpft weil sie Banken und Kapitalismus kritisieren etc. pp.

Diese Hetze prasselt inzwischen anhand von Begriffen wie „neu-rechts“, „Verschwörungstheoretiker“ und „Antisemit“ in ständiger Dauerschleife bezüglich der Friedensbewegung auf uns ein. Und ganz offensichtlich werden immer mal wieder bei Friedensdemonstrationen auftauchende Personen, die tatsächlich rechtsextremes Gedankengut verbreiten, dabei sehr geschickt ins Bild gesetzt, um die breite Mehrheit der Demonstranten aus der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft mit derlei Behauptungen in Verbindung zu setzen, sie sozusagen in Sippenhaft zu nehmen und pauschal als rechtsextrem abzuurteilen. Dadurch wird von ihrem eigentlichen Anliegen „Frieden“ geschickt abgelenkt. Keiner redet mehr über die aggressive NATO-Politik in der Ukraine. Stattdessen lautet die Fragestellung für die Masse der Bevölkerung nunmehr: Sind die alle rechtsextrem?

Zuletzt wurde beispielswiese bekannt, dass die Autorin Katrin McClean, die sich in der Friedensbewegung in Hamburg stark engagiert und kritische Artikel publiziert, im Wikipedia-Artikel zu ihrer Person ebenfalls ins rechtsextreme Lager gerückt wird, obwohl diese Attribuierung vollkommen unsinnig ist. Es wurde ihr unter anderem fehlende Abgrenzung nach rechts vorgeworfen. Das wurde dann damit begründet, dass sie auf einer Bühne gesprochen habe, auf der Stunden zuvor jemand rechtes Gedankengut verbreitet habe. Merke also: Bevor man irgendwo spricht, erst die Bühne ab- und dann neu aufbauen, denn dann ist man auch nachweislich der erste Sprecher auf dieser Bühne – und sich am besten mit der Historie des Ortes beschäftigen, denn es könnte früher ja mal der Falsche von hier aus irgendwas vertreten haben.

Eigentlich müsste den Mediennutzern ja ohnehin auffallen, dass die Wörter „rechtsradikal“ und „Friedensbewegung“ schwerlich zusammenpassen, aber die Leitmedien, und allen voran auch die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, verbreiten derartigen Unfug dennoch rund um die Uhr. Und die Begrifflichkeiten, die hier durch die Presse und Rundfunkmedien verbreitet werden, findet man dann fast gleichlautend in der Wikipedia zu verschiedensten Personen wieder. Denn Wikipedia nutzt in Artikeln zu den Friedensaktivisten die Leitmedien wie Spiegel, FAZ, taz usw. als „reputable“ Quellen. Vollkommen absurd wird das dann, wenn diese Wikipedia-Artikel ihrerseits wiederum Einzug in die Berichterstattung der Leitmedien finden. Dann entsteht eine selbstreferentielle Feedbackschleife, die gröbsten Nonsens produziert. Durch die Literaturverweise wird dann aber in der Wikipedia der Anschein erweckt, dass hier wissenschaftlich gearbeitet würde, was nachweislich nicht der Fall ist. Im Dokumentarfilm „Die Dunkle Seite der Wikipedia“ gehen wir auf genau solche Literaturquellen ein und decken an einem Beispielartikel der Wikipedia zahlreiche Mängel an vielen dieser Quellen auf.

Jens Wernicke: Linke werden also auch bei der Wikipedia als Rechte inszeniert und eine spezifische Form von Gesellschaftskritik diffamiert? Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke hat, wenn auch nicht zum Komplex Wikipedia, so aber doch zu Methode und Vorgehen, unlängst ja ein Buch geschrieben, in dem er einen immer weiter um sich greifenden Rufmord gegen Linke konstatiert. Der Wahnsinn scheint also Methode zu haben…

Die Zustände in der deutschen Linken nehmen teils orwell'sche Ausmaße an. Bildquelle: politicalmediareview.org

Markus Fiedler: Ja. Offensichtlich geht es darum, die Öffentlichkeit von der Friedensbewegung abzulenken bzw. dem Zuschauer zu empfehlen, nicht mit den „Schmuddelkindern“ zu spielen. Auffällig ist dabei, dass sich die Journalisten der Leitmedien durch die Bank einig sind, dass die Friedensbewegungen in ihren verschiedenen Ausprägungen Unrecht hätten und im politischen Spektrum weitestgehend rechts außen einzuordnen seien.

Nach meinem Empfinden ist so eine Meinungsgleichheit ohne Absprachen und Steuermechanismen kaum zu erreichen. Und diese Absprachen erfolgen anscheinend tatsächlich über pro-amerikanische Think Tanks, also transatlantische Lobbyorganisationen, in denen Elitejournalisten – also zum Beispiel Chefredakteure in TV-Sendern oder Herausgeber von Zeitungen – auf die Linie der US-Administration gebracht werden. Die Protagonisten der Sendung „Die Anstalt“ im ZDF, Max Uthoff und Claus von Wagner, haben dazu in einem kritischen Beitrag vom 29. April 2014 genau diese transatlantischen Netzwerke beleuchtet. Man findet diesen Beitrag ebenfalls auf YouTube unter den Stichwörtern „Anstalt Josef Joffe“. Eine sehr amüsante Art, etwas zu diesem ernsten Thema zu lernen. Zum Ende des Beitrags vergeht einem aber schnell das Lachen. Dann nämlich, wenn formuliert wird, dass diese Leitmedien wohl doch nichts anderes als ein Ableger der NATO-Pressestelle sind.

Jens Wernicke: Hätten Sie vielleicht noch ein, zwei konkrete Beispiele parat? Wie war das bei Daniele Ganser? Und welche Fälle gibt es noch?

Markus Fiedler: Im Artikel zu Dr. Ganser werden beispielsweise unwahre, respektive nicht verlässliche Textquellen zitiert. Und das, obwohl die Autoren der Wikipedia auf die Unrichtigkeit der Quellen hingewiesen worden sind. So wird etwa eine Rezension des Historikers Prof. Gregor Schöllgen zitiert, die in einem wesentlichen Teil sachlich nachweisbar falsch ist. Diese Rezension wird demnach genutzt, um Gansers Ruf zu beschädigen. Schöllgen unterstellt Ganser unrichtiger Weise, dass dieser in seinem Buch „NATO-Geheimarmeen in Europa“ von einer NATO-Geheimarmee in Deutschland in Divisionsstärke schreiben würde, obwohl es sich in Deutschland nur um weniger als 100 hauptamtliche Kämpfer und 500 Helfer gehandelt habe. Ganser schreibt in seinem Buch aber tatsächlich nichts von Divisionsstärke, sondern auf Seite 315 von 75 „Vollzeit-Mitgliedern“ und 500 „Geheimdienstmitarbeitern“. Wer sich das Buch von Dr. Ganser nicht kauft, kann diesen Sachverhalt nicht nachvollziehen. Der verantwortliche Autor der Wikipedia übernimmt jedoch ungeprüft die unrichtige Rezension von Prof. Schöllgen – und beharrt trotz der angemahnten Fehler auf der falschen Darstellung. Da kann man nur reine Absicht unterstellen.

Schaut man sich den Artikel zu Ken Jebsen an, fällt einem sofort der durchweg unsachliche Ton ins Auge, der den ganzen Artikel wie ein roter Faden durchzieht. Es geht den handelnden Personen offensichtlich primär darum, Ken Jebsen als „Verschwörungstheoretiker“, Holocaustleugner und Antisemiten darzustellen, obwohl die Quellenlage das gar nicht hergibt. So liest man im Artikel beispielsweise eine Diskussion der Quellenlage zum genannten Begriff „Antisemit“, die hier schlicht nicht hingehört. So etwas kann man auf den Diskussionsseiten zum Artikel abhandeln, aber doch nicht im Hauptartikel selbst!

Hierzu ist es auch wichtig, zu wissen, dass der ursprüngliche Antisemitismus-Vorwurf zu Ken Jebsen ausgerechnet von einem Herrn Broder stammt. Dieser ist nachweisbar sachlich falsch und vollkommen an den Haaren herbeigezogen. Wenn man das aber recherchiert hat und also weiß, muss man diesen Sachverhalt nicht mit Pro und Contra im Artikel zu Ken Jebsen diskutieren, um dann genau dort final festzustellen, dass die Quelle vom Herrn Broder in mehreren anderen Quellen als falsch bewertet wird. Das ist als gezieltes „Schmutzwerfen“ anzusehen, das womöglich darauf abzielt, mit aller Gewalt und durch ständige Wiederholung des Wortes „Antisemit“ diesen Begriff mit der Person Ken Jebsen psychologisch in Zusammenhang zu setzen. In Sachen Gehirnwäsche der Leser ein recht geschicktes Manöver. Tatsache ist jedoch: Ken Jebsen ist kein Antisemit, sondern Friedensaktivist.

Jens Wernicke: Und wie wird derlei Meinungsbildung konkret exekutiert? Und wittern Sie gezielte Manipulation – oder handelt es sich eher um ein Nachvollziehen der Lügen der Massenmedien?

Markus Fiedler: Das ist eine gute Frage. Während ich anfangs von Überzeugungstätern ohne äußere Steuerung ausgegangen bin, scheint es mir inzwischen doch eher wahrscheinlich, dass ein äußerer Einfluss auf die manipulativ arbeitenden Wikipedia-Autoren besteht.

In welcher Form diese Einflussnahme stattfindet, kann ich nicht sagen. Und selbstverständlich muss man auch in Betracht ziehen, dass rufschädigende Textpassagen gegen Bezahlung in die Wikipedia eingebaut werden. Insbesondere bei den Autoren, die quasi rund um die Uhr in der Wikipedia aktiv sind, steht natürlich dieser Verdacht im Raum. Wir sind diesbezüglich aber weit entfernt von irgendwelchen Nachweisen oder konkreten Indizien. Im Moment handelt es sich hierbei lediglich um eine Arbeitshypothese.

Jens Wernicke: Und was bedeutet das für uns als Nutzer der Wikipedia? Ist dieselbe als Quelle und Informationsmedium denn überhaupt noch brauchbar oder scheidet wegen „Unsauberkeit“ hier inzwischen aus?

Markus Fiedler: Die Manipulatoren in der Wikipedia profitieren davon, dass die Wikipedia vom unbedarften Leser als professionelles Lexikon wahrgenommen wird, was die Wikipedia in großen Teilen nie gewesen ist. Anders als beliebige Zeitungsartikel genießt sie aber dennoch eine hohe Reputation!

Hier ist also zu beobachten, dass die Manipulatoren in den zumeist personenbezogenen Artikeln der Wikipedia vom Ruf der Wikipedia unter anderem im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich profitieren. Anders herum färben diese schlechten Artikel auch in den naturwissenschaftlichen Bereich ab, so dass Kollegen und Dozenten an Universitäten die Wikipedia dort nicht mehr als Quelle zulassen. Wir haben also ein parasitäres Verhältnis der manipulierten Artikel zum Rest des Onlinelexikons.

Ich selbst sehe natürlich die hohe Qualität der Artikel beispielsweise in der Biologie. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dort sehr viele hochqualifizierte Biologen ihren Beitrag zur Allgemeinbildung der Gesellschaft leisten wollen. Das ist diesen hoch anzurechnen. Und die Artikel, die dabei entstehen, kann man nur mit den Schulnoten Gut bis Sehr gut benoten. Solche Artikel sollten natürlich von den Fachkollegen auch als Quelle zugelassen werden, genauso wie diverse Lehrbücher aus dem universitären Bereich auch als Sekundärliteratur in Facharbeiten aller Art zugelassen sind.

Es ist wichtig, dass alle diejenigen, die redlich an der Fortentwicklung der Wikipedia arbeiten, erkennen, dass es in ihrem ureigenen Interesse liegt, die Gemeinschaft der Wikipedia-Autoren von solchen Benutzern zu säubern, denen prinzipiell nicht an einer sachlich korrekten Arbeit im Onlinelexikon gelegen ist. Und da spreche ich ausdrücklich nicht nur die Schreiber in den Naturwissenschaften, sondern auch diejenigen in den Geisteswissenschaften an. Der Ruf der geisteswissenschaftlichen Artikel leidet besonders unter den manipulatorischen Aktionen einiger Autoren.

 

„Das System des Online-Lexikons ‚Wikipedia‘ ist intransparent und muss dringend reformiert werden. Redakteure und Administratoren der ‚Wikipedia‘ können bisher anonym bleiben. Bei einzelnen Korrekturen von Nutzern werden im Zweifelsfall nur IP-Adressen gespeichert, die spätestens auf längere Sicht keinerlei Urheberschaft mehr als nachweisbar erhalten. Die Info-Seite über die Funktionsebene der ‚Administratoren‘ enthält weder Bemerkungen zu einem Begriff wie ‚Klarname‘ noch problemorientiert zum Aspekt der ‚Anonymität‘. Diese Funktionsweise ist das Einfallstor für intransparente, undemokratische und manipulative Einwirkungen auf das Online-Lexikon. Jede Art der Einflussnahme ist hierdurch möglich: Vertretung individueller Interessen, kommerzielles Engagement einzelner oder sogar organisierter bezahlter Autoren im Auftrag von Industrie-Unternehmen, politisch motivierte Korrekturen durch Geheimdienste einzelner Staaten.“

Petition: „Transparenz auf #Wikipedia!

 

Jens Wernicke: Und wie soll es nun weitergehen? Gibt es Ideen, wie die Wikipedia von Verdrehungen und Manipulationen zu befreien wäre?

Markus Fiedler: Die „Befreiung“ kann nur in der Wikipedia von innen heraus geschehen. Wir werden beobachten, ob sich da in den nächsten Wochen und Monaten etwas zum Positiven entwickelt. Ich selbst hoffe darauf, dass sich all diejenigen Benutzer der Wikipedia zu Wort melden werden, denen an sachlichen und ideologisch möglichst ungefärbten Artikeln gelegen ist. Es bleibt also zu wünschen, dass der ein oder andere engstirnige Autor der Wikipedia in seine Schranken verwiesen wird. Wir müssen daher Manipulationen beim Namen nennen, damit das bisherige Treiben hier aufhört. Der Film macht den Anfang dazu.

Jens Wernicke: Noch ein letztes Wort?

Markus Fiedler: Gern. Sapere aude!

Jens Wernicke: Ich bedanke mich für das Gespräch.

 

Markus Fiedler ist Diplombiologe, arbeitet als Biologie- und Musiklehrer und ist Gastdozent für das Fach ‚Integrated Media‘ an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

 

Hinweis zu möglichen Interessenkollisionen: Jens Wernicke, der das Interview für die NachDenkSeiten führte, ist auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter, des von Daniele Ganser geleiteten Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER) tätig. Der Beitrag ist auf NachDenkSeiten auch als Podcast verfügbar. Dort wurde der Beitrag unter der Creative Commons Lizenz 2.0 Non-Commercial veröffentlicht. RT Deutsch dokumentiert ihn im Zuge dieser Lizenz hier als Zweitveröffentlichung.