Leaks: "Neuer Snowden" veröffentlicht geheime Dokumentensammlung zum Drohnenkrieg der USA

Quelle: U.S. Air Force photo by Lt Col Leslie Pratt
Quelle: U.S. Air Force photo by Lt Col Leslie Pratt
Neu veröffentlichte und bis dato als geheim eingestufte Dokumente zeigen die inneren Abläufe des US-Drohnenkrieges in Somalia und im Jemen auf. In den Papieren, die vergangene Nacht auf The Intercept publiziert wurden, wird auch beschrieben wie Verdächtige für Erschießungen ausgewählt und zivile Opfer gezielt verschleiert werden. Es ist der umfangreichste Einblick in das System der US-Drohnenkriege, der bisher den Weg an die Öffentlichkeit fand.

Die Dokumente wurden vergangene Nacht auf der Enthüllungsplattform The Intercept um den Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald unter dem Titel "The Drone Papers" veröffentlicht.

Klagt gegen die Bundregierung: Der jemenitische Umwelt-Ingeneur Faisal bin Ali Jaber. Foto Quelle: ECCHR

Aufgrund der aggressiven Vorgehensweise der US-Regierung gegenüber Whistleblowern, zieht die Quelle es allerdings vor anonym zu bleiben. Die Leaks umfassen Dokumente, Präsentationen, Bildertafeln und Analysen.

Der anonyme Whistleblower sagt, die US-amerikanische Öffentlichkeit habe ein Recht darauf, über den Prozess nach dem Menschen auf Todeslisten gelangen und ohne Gerichtsprozess auf Geheiß von Regierungsbeamten erschossen werden, Bescheid zu wissen.

Per Twitter meldete The Intercept, niemals zuvor gab es ein vergleichbares Maß an Leaks zum US-amerikanischen Drohnenkrieg.

Gegenüber der Enthüllungsplattform sagte der Whistleblower auch:

"Der abscheuliche Ausbau von Watchlisten, des Beobachtens von Menschen und diese auf Listen zu setzen, ihnen Nummern oder Baseball-Karten zuzuordnen und sie ohne Angabe von Gründen auf einem globalen Schlachtfeld zum Tode zu verurteilen, war von Anfang an falsch."

Die Enthüllungen enthalten zwei Pakete von Papieren, die detailliert den US-Drohnenkrieg in Somalia und im Jemen zwischen 2011 und 2013 beschreiben. Durchgeführt wurden die Kriegshandlungen von der geheimen Task Force 48-4. Glenn Greenwald kommentiert:

"Diese Dokumente belegen, dass die Drohnenmorde zu einer Art Videospiel wurden, losgelöst von jeder Menschlichkeit."

Zusätzliche Dokumente zu den Drohnenoperationen in Afghanistan zeigen, dass die US-Regierung auch unidentifizierte Individuen, die bei Angriffen getötet wurden als Feinde kategorisiert hat. Auf diese Art wird die Zahl ziviler Opfer gezielt verschleiert.

Brandon Bryant vergangenen Freitag in Berlin

Die meisten Erschießungen basieren auf geheimdienstlicher Informationsgewinnung (SIGINT). Dabei werden Metadaten von Mobilfunktelefonen genutzt. Häufig kommt es dabei zu fehlerhafter Zielauswertung, was der Hauptgrund für zivile Opfer ist, so der Whistleblower.

Auch entmenschlicht das Drohnenprogramm die Opfer gezielt und macht es den Verantwortlichen leicht, moralische Fragen zu umgehen. Die Quelle sagt über die Drohnenpiloten:

"Sie kennen kein Recht, sie kennen keine Würde, sie haben selbst keine Menschlichkeit. Sie sind nur das ausführende Element für die Analysten."

Dokumente die die Operation Haymaker beschreiben, die zwischen Januar 2012 und Februar 2013 im Nordosten Afghanistans durchgeführt wurde, zeigen auf, dass von den 200 dort getöteten Menschen lediglich 35 beabsichtigte Ziele waren. Doch jeder Erschosene gilt generell als als "Enemy killed in action "EIKA"; als Feind der erfolgreich eliminiert wurde.