„Die dunkle Seite der Wikipedia“ - Neuer Dokumentarfilm von Markus Fiedler und Frank-Michael Speer

Bild: bendalls.com.au
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Mit dem Dokufilm „Die dunkle Seite der Wikipedia“ blicken die Filmemacher Markus Fiedler und Frank-Michael Speer in die Abgründe der Online-Enzyklopädie. Während das Nachschlagewerk in Bereichen wie der Naturwissenschaft oft erstklassige Artikel bereitstellt, ist die Wikipedia im gesellschaftspolitischen Bereich nicht selten zum Werkzeug für Rufmord und Denunziation verkommen. Am Beispiel des Wikipedia-Eintrages von Dr. Daniele Ganser zeichnen die Filmemacher einen solchen „Edit-War“ nach.

Die Wikipedia ist das größte und, wie gemeinhin bekannt, bedeutendste Online-Nachschlagewerk der Welt und hat in nie dagewesenem Ausmaß Lexika im Printformat verdrängt.

Dabei ist, was ebenso bekannt ist, für eine Mitarbeit an dieser Enzyklopädie keinerlei fachliche Qualifizierung notwendig. Jeder, der die einfachsten Grundkenntnisse im Umgang mit öffentlichen Internetplattformen besitzt, kann hier mitarbeiten. Da alle Aussagen nach strengen Regeln formuliert und mit soliden Quellen belegt werden müssen, sollte trotzdem Sachlichkeit gewährt sein. Doch ist dem wirklich so?

Dieser Frage sind Markus Fiedler und sein Kollege Frank-Michael Speer nachgegangen und kamen zu dem Ergebnis, dass im naturwissenschaftlichen Bereich die freiwilligen und zumeist ehrenamtlichen Mitarbeiter der Wikipedia gute bis hervorragende Arbeit leisten.

Doch wie steht es um gesellschaftswissenschaftliche Themen und um Fragen der jüngeren Geschichte, also um Sachbereiche, die politisch brisant sind? Und wie sorgsam geht Wikipedia hier mit Persönlichkeitsrechten um?

Die Filmemacher untersuchen beispielhaft den Wikipedia-Eintrag über Dr. Daniele Ganser. Der Schweizer Historiker und Friedensforscher analysiert unter anderem die Vorgänge um das Attentat am 11. September 2001. Im Film wird die Änderungsgeschichte seines Wikipedia-Artikels seit Januar 2014 nachvollzogen.

Logo des Online-Lexions Wikipedia

Schritt um Schritt zeigen die Filmemacher die hierarchische Struktur hinter den Kulissen der Wissensplattform auf und dokumentieren die Eingriffe einzelner Autoren. Beiträge auf der entsprechenden Artikel-Diskussion werden im Hinblick auf die Berücksichtigung des Wikipedia-Regelwerkes und seiner Kontroll-Mechanismen überprüft. Das Ergebnis scheint eindeutig.

Im Gegensatz zu den sachlichen Artikeldiskussionen im naturwissenschaftlichen Bereich (Bsp. Photosynthese), wo ein durchweg kollegialer Ton herrscht, geht es in der Artikelgeschichte zu Dr. Ganser gänzlich anders zu. Und das liegt ganz offensichtlich nicht nur am emotionalisierenden Charakter des Themas.

Mit der Verfolgung eines sogenannten „Edit-War“ schlägt der Film ein ziemlich dunkles Kapitel der Online-Enzyklopädie auf. Im Kampf um die vermeintliche Wahrheit scheint zumindest einer Seite jedes Mittel recht zu sein, bis hin zur absichtlichen Rufschädigung.

Der Film versucht auch, die Frage zu klären, welche Personen und Motive hinter den übereifrig schreibenden Pseudonymen stecken. Hier sind aufgrund des Anonymitätsprinzipes allerdings Grenzen gesetzt. Aber warum dürfen Mitarbeiter einer Enzyklopädie überhaupt anonym bleiben, wenn sie nachweislich Persönlichkeitsrechte verletzen?

Der Film wirft ein scharfes Licht in die anonymen Schreibstuben der Wikipedia und stellt alarmierende Fragen zur Glaubwürdigkeit dieser Plattform.

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