UK-Medienberichte: Royal Air Force sei „bereit" russische Flugzeuge über Irak "abzuschießen“ - Verteidungsministerium dementiert

russische Sukhoi Su-34 - Quelle: Russisches Verteidigungsministerium
russische Sukhoi Su-34 - Quelle: Russisches Verteidigungsministerium
Britische Medien behaupten, dass Piloten der Königlichen Luftwaffe (Royal Air Force) autorisiert wären, im Irak russische Kampfflugzeuge im Fall einer direkten Bedrohung abzuschießen, worauf Moskau mit einer offiziellen Anfrage reagierte. Das britische Militär sagt, es läge „keinerlei Wahrheit“ in den Berichten.

Die ersten Berichte wurden von The Daily Star und der Sunday Times veröffentlicht. Sie zitieren nicht-benannte Quellen aus britischen Militärkreisen, dass die GR4 Tornados der Royal Air Force (RAF), die in die Operation Shader im Irak gegen den Islamischen Staat involviert sind, von nun an mit ASRAAM (AIM-132) Kurzstrecken Luft-Luft-Wärmesuchraketen bewaffnet würden, um bereit zu sein „Wladimir Putins Jets“ abzuschießen, so die Sunday Times.

Quelle: Robert Clark/CC BY-NC 2.0

Bis jetzt waren die RAF-Jets „nur [mit] 500-Pfund [ca 227 kg] satelitengesteuerter Bomben“ bewaffnet, aber wie die Quelle des britischen Verteidigungsministeriums sagte, „in der letzten Woche hat sich die Situation geändert. Wir müssen entsprechend reagieren.“

Britische Piloten wurden angeblich angewiesen, den Kontakt zu russischen Flugzeugen zu meiden.

„Ein britischer Pilot wird zuerst versuchen, jede Situation zu vermeiden, in der eine Luft-Luft-Attacke wahrscheinlich ist – man meidet Gegenden mit russischer Aktivität“, so eine unbenannte Quelle aus dem Gemeinsamen Hauptquartier der britischen Streitkräfte (PJHQ) gegenüber der Sunday Times. „Aber wenn ein Pilot beschossen wird oder glaubt, gleich beschossen zu werden, kann er sich selbst verteidigen. Wir haben jetzt eine Situation, in der ein einzelner Pilot, egal welcher Herkunft, einen strategischen Einfluss auf zukünftige Ereignisse haben kann.“

„Keiner weiß, was die Russen als nächstes tun werden. Wir wissen nicht, wie sie reagieren werden, wenn sie mit einem westlichen Jet in Kontakt kommen,“ so die Quelle weiter.

Da die RAF (momentan) keine Operationen im irakischen Luftraum durchführt, ist theoretisch kein Kontakt zwischen russischen und britischen Kriegsfliegern möglich. Dennoch hat allein das Aufwerfen dieser Frage eine ernste/heftige Reaktion sowohl im russischen Außen- als auch Verteidigungsministerium ausgelöst.

Das Büro von Sergej Lawrow hat eine offizielle Anfrage mit der Forderung nach Aufklärung an das britische Außenministerium gestellt. Die Depesche wurde vom russischen Botschafter in England, Aleksandr Yakovenko, überbracht.

„Wir sind durch Medienberichte beunruhigt, sofern sie sich auf höhere Beamte der Regierung beziehen. Wir erbitten dringend eine Klarstellung des Außenministeriums. Gleichzeitig ist die Hypothese eines potentiellen Konflikts zwischen russischen und britischen Flugzeugen am Himmel über Irak an sich unverständlich. Wie bekannt ist sind die russischen Jets nicht an Angriffen gegen IS-Ziele [auf Irakischem Boden] beteiligt“, so der Botschafter gegenüber Ria Novosti.

Der britische Militärattaché in Moskau wurde ebenfalls vom russischen Verteidigungsministerium einberufen, wo ihm ein Memorandum übergeben wurde, die Richtigkeit des „Schießbefehls“ für russische Flugzeuge klären.

Obwohl der Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums auf dessen offiziellem Nachrichtenportal bekanntgab, dass „in der Geschichte keine Wahrheit steckt“, sind beide Anfragen noch unbeantwortet.