US-Bombardement von MSF-Krankenhaus in Kundus - Pentagon wälzt Schuld auf afghanische Armee ab

Quelle: S Kaiser/CC BY-SA 2.0
Quelle: S Kaiser/CC BY-SA 2.0
Die USA verstricken sich in Widersprüche. Nach dem Luftschlag auf ein Krankenhaus im nordafghanischen Kundus und starker internationaler Kritik hat sich am Montag ein US-Kommandeur zu Wort gemeldet. Während es zunächst aus dem Pentagon hieß eigene Spezialeinheiten hätten die Luftunterstützung angefordert, soll es jetzt "nach neuesten Erkenntnissen" die afghanische Armee gewesen sein.

Tage zuvor hatten die US-Militärs noch erklärt, dass US-amerikanische Einheiten in Kundus von den Taliban heftig beschossen worden wären. Daher habe man Luftunterstützung angefordert. Ein Flugzeug vom Typ AC-130 wurde entsandt, auch „Kanonenboot“ genannt.

Am Montag jedoch legten sich die Umstände für den international scharf kritisierten Luftangriff bereits  ganz anders aus. Der General John Campbell behauptete gegenüber Reportern:

„Wir haben erfahren, dass afghanische Kräfte am 3. Oktober mitteilten, sie werden von feindlichen Positionen aus beschossen und erbaten Luftunterstützung von der US-Air Force.“
Die Luftunterstützung wurde entsandt und „die Taliban-Gefahr wurde eliminiert… Einige Zivilisten wurden versehentlich angegriffen“, führte der US-General aus.

Quelle: Ruptly

Nebulös gab Campbell an, dass die Anfrage an US-Spezialeinheiten gerichtet war, die die Afghanen beraten. Unklar ist, ob diese Einheiten an den Kämpfen aktiv beteiligt waren.

Der General, welcher die US-Einheiten in Afghanistan kommandiert, lehnte einen Kommentar über das Mandat, unter welchem US-Soldaten noch in Afghanistan operieren, ab.

Er versprach aber, dass der Vorfall umfassend und transparent aufgearbeitet werde:

„Wir werden all jene, die verantwortlich sind, ausfindig machen und Schritte einleiten, um sicherzustellen, dass Fehler nicht wiederholt werden."
Ärzte ohne Grenzen (MSF) forderte „unter der Annahme, dass ein Kriegsverbrechen verübt wurde“, eine unabhängige Untersuchung des Luftangriffs.

Die Nothilfe-Organisation erklärte, dass trotz verzweifelter Anrufe bei Militäroffiziellen in Kabul und Washington das Hauptgebäude des Krankenhauses beinahe im 15-Minuten-Takt „wiederholt sehr genau“ bombardiert worden wäre. Der Angriff fand Angaben zufolge über eine ganze Stunde hinweg statt.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums kritisierte am Montag:

„Wir finden es rätselhaft, dass der Luftschlag durchgeführt wurde, obwohl die internationale Koalition über die genauen Koordinaten des Krankenhauses informiert wurde.“