Mit scharfer Munition gegen Steinewerfer - In 24 Stunden drei Palästinenser getötet, 450 verletzt

Quelle: RT
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Drei palästinensische Jugendliche, einschließlich eines 13-jährigen Jungen, wurden in den vergangenen 24 Stunden bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten getötet. Weitere 450 Palästinenser wurden verletzt.

Abdel-Rahman Abeidallah, 13, ist nach einem Schuss durch das Herz am Montag seinen Verletzungen erlegen, teilte das Betlehem-Krankenhaus Reportern der Nachrichtenagentur Reuters mit. Der Junge lebte im al-Aidah-Flüchtlingscamp unweit des Krankenhauses und hat an Demonstrationen gegen die israelische Armee teilgenommen, die in der Westbank als Besatzungsstreitmacht wahrgenommen wird. Die Demonstrationen waren zum Teil in gewalttätiger Weise ausgeartet. Das israelische Militär erklärte inzwischen, dass es dem Fall nachgehen wolle.

Auch ein Bericht des Roten Halbmonds bestätigte den Tod des 13-jährigen Jungen und ergänzte, dass ein weiterer Palästinenser, welcher 18 Jahre alt war, in der Stadt Tulkarim von israelischen Sicherheitskräften getötet worden sei. Der Report vermeldete, dass insgesamt 456 weitere Palästinenser in den vergangenen 24 Stunden verletzt wurden.

Angeblich starb der 18-jährige Palästinenser, dem vorgeworfen wird, Steine geworfen zu haben, am Montagvormittag.

In der Zwischenzeit hat das Nachrichtenportal „Times of Israel“ berichtet, dass ein dritter palästinensischer Jugendlicher bei Zusammenstößen in Beit Hanina, ein Vorort von Ost-Jerusalem, gestorben sei.

Die Gewaltspirale in der Westbank und in Ost-Jerusalem hat sich in den vergangenen Tagen dramatisch zugespitzt. Die Entwicklung steht unter dem Eindruck der jüngsten Eskalation auf dem Tempelberg, wo sich die drittheiligste Gebetsstätte des Islam, die al-Aksa-Moschee, befindet. Dort kam es vergangene Woche zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee. Angefacht wurde die angeheizte Lage durch den Tod eines israelischen Paares in der Westbank am Donnerstag. Zuvor hatten im Juli jüdische Extremisten einen Brandanschlag auf eine palästinensische Familie verübt, bei dem der Säugling der Familie starb.

Quelle: Israel Defense Forces/ CC BY-NC 2.0

Am Sonntag hielt der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu schließlich ein Sicherheitstreffen ab, um über die Lage sowie das weitere Vorgehen mit den israelischen Sicherheitskräften zu konferieren. Im Ergebnis entschied sich die israelische Regierung dazu, die Zügel weiter anzuziehen. Reportern teilte Netanjahu mit, dass neue Maßnahmen gegen Steinewerfer eingeführt werden. So werde fortan eine umgehende Zerstörung der Häuser oder Wohnplätze all jener ins Auge gefasst, die es wagen sollten, weiterhin Steine auf Sicherheitskräfte zu werfen. Hinzu kommt, dass „denen, die Gewalt schüren, der Zugang zum Tempelberg und der Altstadt verwehrt wird“.

„Die Polizei wird tief in die arabischen Nachbarschaften eindringen, was in der Vergangenheit nicht gemacht wurde. Wir werden die Häuser von Terroristen zerstören. Wir erlauben unseren Sicherheitskräften, hart gegen jene durchzugreifen, die Steine werfen und Bomben abfeuern“, sagte Netanjahu.

Unterdessen schaltete sich auch der Präsident der palästinensischen Autonomiegebiete, Mahmoud Abbas, ein und rief zum Frieden auf. Er meinte, dass Israel lediglich von der „Eskalation profitiere, um unschuldige Palästinenser anzugreifen“ und eine gesamte Region in den Gewaltexzess hineinziehen wolle.

Am Sonntag führte Mahmoud Abbas ein Telefongespräch mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon. Der palästinensische Führer forderte den UN-Vertreter auf zu handeln, bevor „die Dinge außer Kontrolle geraten“, berichtet die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Analysten fürchten angesichts der jüngsten Spannungen, dass in Israel schon bald eine dritte Intifada ausbrechen könnte.