US-Ökonom Stiglitz: Die Euro-Krise ist noch längst nicht vorbei

Quelle: Flickr / Andrew Newton CC BY-SA 2.0
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Auch wenn es um den Euro in der letzten Zeit ruhiger wurde, so ist die Euro-Krise laut Wirtschaftsnobelpreisträger Stiglitz noch längst nicht vorbei. Er übte zudem scharfe Kritik an Bundesfinanzminister Schäuble und an der US-Notenbank.

Der US-amerikanische Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz behauptet, dass die Euro-Krise noch längst nicht ausgestanden sei. Die Pseudorettung Griechenlands habe lediglich für eine kleine Atempause gesorgt. "Die Euro-Krise ist keineswegs vorbei. Die Lage in Griechenland wird sich weiter verschlechtern, den anderen Krisenländern wird es nur wenig besser gehen", so der Professor an der Columbia University in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Scharfe Kritik übte er an Bundesfinanzminister Schäuble, dem er unterschwellig ökonomische Inkompetenz unterstellte:

"Ein Ökonom würde verstehen, dass eine Austeritätspolitik tödlich endet."
Schäuble sei eben kein Ökonom, sondern lediglich jemand der auf die Einhaltung von Regeln poche. "Wenn jedoch die Regeln falsch sind, kann das desaströse Konsequenzen haben", warnte Stiglitz weiter.
Der ehemalige Chefökonom der Weltbank plädierte zudem darauf, dass die US-Notenbank, die Zinsen noch nicht erhöht. Stattdessen solle sich die Fed lieber darum kümmern, dass die enorme Liquidität der Realwirtschaft zugute komme und nicht für Spekulationen genutzt werde. Das selbe Problem mit dem fehlenden Geld für die Realwirtschaft und der Aufblähung des Finanzsektors hat auch Europa, da die EZB eine ähnliche Strategie verfolgt wie deren US-amerikanisches Pendant.

Wenn die EU die Wirtschafts- und Finanzkrise endlich beenden will, muss sie die Geldströme in die Realwirtschaft umleiten. Anstelle der jetzigen Programme wäre es wahrscheinlich sogar sinnvoller, jedem Bürger der Eurozone 500 Euro aus EZB-Beständen in die Hand zu drücken, um so die Realwirtschaft zumindest ein wenig anzukurbeln. Zumindest würde dies die Nachfrage etwas erhöhen und nicht die Blasen an den Finanzmärkten weiter aufpumpen.

Der Artikel erschien zunächst auf Contra-Magazin und wurde im Zuge einer Content-Partnerschaft übernommen.