Abzocke mit Medikamenten: 750 US-Dollar für eine Tablette nach Patentübernahme

Freut sich über exorbitante Profite: Martin Shkreli. Bild: twitter.com/MartinShkreli
Freut sich über exorbitante Profite: Martin Shkreli. Bild: twitter.com/MartinShkreli
Martin Shkreli sorgt derzeit über die Grenzen der USA hinaus für Empörung. Nachdem der ehemalige Hedgefonds-Manager die Rechte an dem Medikament Daraprim gekauft hat, das von AIDS-Partienten eingenommen wird, ist dessen Preis um 5500 Prozent gestiegen. Eine einzelne Tablette kostet nun 750 Dollar, die Herstellungskosten liegen bei unter einem Dollar. Wirksame Alternativen für das Arzneimittel gibt es nicht.

Das Medikament Daraprim ist bereits seit Mitte der 1950er Jahre auf dem Markt und wird von Menschen mit geschwächtem Immunsystem eingenommen. Sowohl AIDS-, wie auch Krebspatienten und Marlariaerkrankte sind häufig auf die Arznei angewiesen, um die bei ihnen auftretende Infektionskrankheit Toxoplasmose zu behandeln.

In den USA kostete eine Tablette bisher 13,50 Dollar. Nun müssen Partienten plötzlich das 55-fache - 750 Dollar pro Pille - für die Behandlung mit Daraprim hinblättern. Da das Medikament über eine Dauer von bis zu einem Jahr eingenommen werden muss, kostet die Therapie so schnell eine halbe Millionen Dollar.

Entwickelt wurde Daraprim von dem Pharmariesen Glaxo-Smith-Kline. 2010 verkaufte dieser die US-Rechte des Medikaments an CorePharma. Im August dieses Jahres schlug schließlich Martin Shkrelis Unternehmen Turing Pharmaceuticals zu und erhöhte den Preis massiv.

Shkreli verteidigt den Schritt damit, dass der Preisanstieg gerechtfertigt sei, um die Weiterentwicklung des Medikamentes zu ermöglichen. Doch Kritiker und Fachleute bezweifeln, dass dies überhaupt nötig ist und werfen dem ehemaligen Hedgefonds-Manager skrupelloses Profitstreben vor. Der Arzt und Apotheker Wolfgang Becker-Brüser sagte gegenüber Stern:

"Das Vorgehen ist Kapitalismus pur und die Preissteigerung unverschämt."
Gegenüber der New York Times gab die Professorin für Infektionskrankheiten, Wendy Armstrong, zu Protokoll:
"Ich glaube ganz sicher nicht, dass dies eine der Krankheiten ist, bei der der Ruf nach besseren Therapien besonders laut ist."
Shkreli soll schon vor seinem Coup mit Daraprim mit dem Unternehmen Retrophin Patente von Medikamenten, die seit langem auf dem Markt waren, aufgekauft haben und versuchte anschließend mit absurden Preissteigerungen Profit aus den erworbenen Rechten zu schlagen.

Quelle: Global Justice Now/CC BY 2.0

Möglicherweise hat der Geschäftsmann es nun aber ein wenig übertrieben. Nach einem Sturm der Entrüstung in den US-amerkanischen Medien, griff auch die US-Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton das Thema auf, bezeichnete Shkrelis Geschäftsgebaren als "unerhört" und kündigte an, gegen derartige Praktiken vorzugehen. Auch Clintons Konkurrent Bernie Sanders versprach darauf hin, sich dem Thema anzunehmen. Da es sich bei Shkreli offenbar nicht um einen Einzelfall handelt, brach der Nasdaq Biotech Index daraufhin um fast 5 Prozent ein.

In der Tat sind exorbitante Kosten für Krankenhaus-Behandlungen und Medikamente eher die Regel und kein Ausnahmefall in den USA. Schnell kann eine Erkrankung oder ein Unfall dort zum persönlichen finanziellen Ruin führen. Ob sich, trotz der Aufregung, an dem System der Profitmaximierung mit der Gesundheit etwas ändern wird, kann angezweifelt werden. Der Pharmaindustrie werden bedeutende Möglichkeiten der politischen Einflussnahme zugeschrieben.

Die Rechte für den Verkauf von Daraprim auf dem deutschen Markt hält weiterhin Glaxo-Smith-Kline, wo die Tabletten noch immer unter einem Euro pro Stück kosten.

Mehr zum Fall Daraprim in der RT-Sendung 'Watching the Hawks':