Trotz katastrophaler Bilanz: Klitschko steuert zweite Amtszeit als Bürgermeister an

Quelle: Ruptly
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Als Hauptgrund für seine erneute Kandidatur gab Vitali Klitschko, amtierender Bürgermeister von Kiew, vor allem die begonnenen Reformen in der Landeshauptstadt an. Um diese nicht abreißen zu lassen, müsse der Star-Boxer weiter in seinem Amt bleiben, so der 44-Jährige.

Ein ähnlich schneller Wahlsieg wie im Mai 2014 wird dem Oberhaupt der ukrainischen Hauptstadt aktuell jedoch kaum mehr prophezeit. Denn während im April diesen Jahres die Stadt Köln das Engagement des einstigen Athleten für „Frieden und Demokratie“ in der Ukraine noch mit dem Konrad-Adenauer-Preis auszeichnete, sprachen Kiews Einwohner schon damals eine ganz andere Sprache.

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Die Gesichter auf den unzähligen Demonstrationen vor dem Präsidialamt in der Hauptstadt schauten eher wenig zufrieden mit seiner Arbeit aus. Keine Chance ließen sie ungenutzt, um sich ihrem Ärger wiederholt in Form von lautem Protest gegen den Bürgermeister Luft zu machen.

Ihre Forderung nach seinem Rücktritt blieb jeodch ungehört. Klitschko will es zu den kommenden Wahlen im Oktober eher noch einmal wissen.

In weite Ferne gerückt sind des Boxers Eskapaden mit den Mitgliedern des Asow Bataillons. Die Empörung über seine Nazi-Sympathie wich den weitaus essenzielleren Dingen, die den Einwohnern auf dem Herzen brennen.

So hat sich nach seinem Amtsantritt die Situation für die Menschen in Kiew grundlegend in allen Bereichen verschlechtert. Lebensmittelpreise haben sich verdreifacht, Löhne und Renten wurden halbiert, einige Gehälter, wie die der Polizei, fallen auch mal ganz aus, Arbeitslosenzahlen sind ins Unermessliche gestiegen, Gasrechnungen sind teilweise höher als ganze Mieten, Stromausfälle und dreckiges Wasser aus dem Hahn stehen auf der Tagesordnung.

Welche der begonnenen Reformen das Schwergewicht in seiner zweiten Amtszeit zu bearbeiten gedenkt, bleibt vor allem unter dem Aspekt schleierhaft, dass die Ukraine aktuell aufgrund des nötigen Kleingeldes keinerlei Reformveränderungen umsetzen kann. Klartext gesprochen wurde wieder nicht.

Den Medien reichte für eine Einschätzung Klitschkos bereits der Beginn seiner Politkarriere aus, um, wie die ukrainische Wochenzeitung „Komentari“ nach fünf Monaten seiner Amtszeit zu erkennen:

„Klitschko glänzt weder durch intellektuelle Fähigkeiten noch durch kreatives Management.“
Klitschkos politisches Engagement begann mit den proeuropäischen Massenprotesten, in denen er als einer der Anführer des Maidans mit beim Sturz des prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch beteiligt war.

Während der einstige Profisportler anfänglich noch selbst für das Präsidialamt kandidieren wollte, unterstützte er später jedoch den Oligarchen und jetzigen Präsidenten Petro Poroschenko.