Bundeswehr leugnet Provokationsabsicht hinter „Patrouillenflügen“ im Baltikum

Quelle: Vitaly V. Kuzmin/CC BY-SA 3.0
Quelle: Vitaly V. Kuzmin/CC BY-SA 3.0
Bundeswehr-Kampfjets vom Typ Eurofighter Typhoon haben damit begonnen, den Luftraum der Baltenstaaten an der Grenze zu Russland bei voller Bewaffnung zu patrouillieren. Der Schritt zur weiteren militärischen Eskalation in Osteuropa solle die deutschen Piloten nur „motivieren“, erklärte das Militär.

Deutsche Kampfflugzeuge fliegen im Baltikum „zum ersten Mal [voll bewaffnet] seit Beginn der Ukraine-Krise“, berichtete die Deutsche Presse-Agentur am Wochenende unter Berufung auf den Bundeswehr-Inspekteur General Karl Müllner. Dieser gab zu verstehen, dass der Schritt als alles andere als eine weitere „Eskalation“ zu verstehen sei. Vielmehr diene die Entscheidung nur dazu, das Kräftegleichgewicht gegen einen potenziellen Feind – Russland – auszutarieren.

Der digitale Raum wird immer mehr zum Schlachtfeld. Foto: marsmet526

Müllner spielte zudem die schwere Bewaffnung der Eurofighter herunter und fügte kurzerhand hinzu, dass diese notwendig sei, um „Piloten [bei ihren Missionen auf dem Baltikum] zu motivieren“.

Zwischen September und Dezember 2014 patrouillierten deutsche Kampfflugzeuge den lettischen, litauischen und estnischen Luftraum mit leeren Waffenmagazinen. Müllner gab zu, dass es seinerzeit noch eine politische Entscheidung mit dem Ziel war, Spannungen angesichts der Ukraine-Krise zu deeskalieren.

Keiner der drei Baltenstaaten, die allesamt Mitglieder der NATO sind, hat eigene einsatzfähige Kampfjets. Im April 2004, also kurze Zeit nach Eintritt in die westliche Militärallianz, entschied sich die NATO daher, fortan stellvertretend Luftpatrouillen im Luftraum des Baltikums durchzuführen.

NATO-Mitgliedsstaaten, die eine nennenswerte Luftwaffe haben, entsandten ganze Schwadronen in die osteuropäischen Länder.

Hier darf sich Bald die Bundeswehr austoben - Urban Warfare Training Center in Tze'elim in der Negev Wüste - Quelle: idfblog.com

Seit dem ersten September dieses Jahres befinden sich allein vier deutsche Eurofighter in Estland. Die Bundeswehr benutzt den Luftwaffenstützpunkt Ämari, unweit der Hauptstadt Tallinn.

Infolge der Wiederaufnahme der Krim-Halbinsel in die Russische Föderation haben die baltischen Staaten immer wieder Ängste vor einer vermeintlichen russischen Militärinvasion bekundet. Unter diesem Vorwand sollte die NATO ihre Präsenz in Osteuropa deutlich ausbauen.

Im vergangenen Monat kommentierte das russische Außenministerium die militärische Dynamik vor ihren Grenzen mit ihrer eigenen offensichtlichen Befürchtung, dass Truppen lediglich entsandt werden, um eine militärische „Dominanz“ in Europa zu erreichen. Das Ministerium fügte hinzu, dass die militärische Aufrüstung „kontraproduktiv“ sei. Die Entwicklung laufe auf eine „finanzielle Belastung“ für die NATO-Mitgliedsstaaten hinaus und „lenke“ von den eigentlichen Problemen ab.