Künftig unter zentraler Führung: Bundeswehr will Cyber-Armee ausbauen

Der digitale Raum wird immer mehr zum Schlachtfeld. Foto: marsmet526
Der digitale Raum wird immer mehr zum Schlachtfeld. Foto: marsmet526
Nach den Wünschen von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen soll die Bundeswehr künftig ein eigenes Kommando für den "Cyber- und Informationsraum" unterhalten. Bereits vorhandene Aktivitäten der Truppe im digitalen Raum werden dafür gebündelt. Langfristig soll die Cyber-Armee neben den Luft-, See- und Bodentruppen "ein fester Begleiter konventioneller Operationsführung" werden.

Am heutigen Donnerstag lädt das Verteidigungsministerium zu einem Workshop, um die neue Strategie vorzustellen. In der Ankündigung heißt es:

"Cyber-Attacken auf Wirtschaft und Staat in Deutschland werden künftig an Zahl und Stärke deutlich zunehmen. Als hoch entwickeltes und technisiertes Land ist Deutschland für Angreifer ein lohnendes Ziel. Wir müssen uns noch viel besser gegen diese neue Bedrohung wappnen. Der Bundeswehr kommt dabei eine wichtige Rolle zu, um im engen Schulterschluss mit anderen Institutionen einen Schutz gegen Cyber-Angriffe von außen zu gewährleisten. Deswegen ist der Kampf gegen Cyber-Gefahren auch ein Top-Thema des laufenden Weißbuch-Prozesses."
Die Bundeswehr geht damit einen Weg, den die USA schon vor Jahren eingeschlagen haben. Doch mit dem neuen "Operationsfeld" stellen sich auch viele Fragen. So kann in der Regel nicht eindeutig belegt werden, woher ein Hacker-Angriff erfolgt, groß sind die Möglichkeiten der Verschleierung und Anonymisierung im Netz.

Bildquelle: Flickr / AK Rockefeller CC BY-SA 2.0

Wer in der Lage ist, in schwer geschützte Computersysteme einzudringen, versteht es in der Regel auch, den Verdacht der Urheberschaft auf andere zu lenken.

Erst kürzlich gab die NATO bekannt, dass Cyberangriffe auch zum Bündnisfall führen können und aus Sicht der Militärstrategen sogar Vergeltungsschläge mit konventionellen Waffen rechtfertigen. Es war nie leichter, mit einer Operation unter falscher Flagge für die Eskalation von Konflikten zu sorgen.

Vor dem baldigen Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in den USA drohten die Vereinigten Staaten chinesischen Unternehmen beispielsweise mit wirtschaftlichen Sanktionen wegen angeblicher Hackerangriffe. Beweise blieb Washington jedoch schuldig. Auch gegenüber Nordkorea und Russland werden vom Westen immer wieder Vorwürfe laut, gezielte Cyberattacken durchzuführen.

Wer die Strategien der Kriegsführung des Westens im analogen Raum kennt, wird sich nicht wundern, wenn das angebliche Ziel der Verteidigung schnell als Legitimation für eigene Angriffe genutzt wird - auch im Cyberspace. Mit von der Leyens neuen Digitalkriegern mischt Deutschland künftig auch hier an vorderster Front mit.

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