US-Geheimdienstanalysten: „Stalinistische Arbeitsatmosphäre“ und geschönte IS-Berichte im US-Zentralkommando

US-Geheimdienstanalysten: „Stalinistische Arbeitsatmosphäre“ und geschönte IS-Berichte im US-Zentralkommando
Zwei hochrangige US-Geheimdienstanalysten haben schwere Vorwürfe gegen das US-Zentralkommando und das Pentagon erhoben. Diese hätten Geheimdienstberichte für Präsident Obama über die Entwicklung des „Islamischen Staates“ und von Al-Qaida in Syrien manipuliert und geschönt. Insgesamt sollen 50 Analysten des US-Zentralkommandos mit Verweis auf konkrete Fälle die Vorwürfe stützen.

Unter dem Eindruck der Protestwelle im Zusammenhang mit verfälschten Geheimdienstberichten hat der Generalinspektor des US-Verteidigungsministeriums beschlossen, die Ermittlungen wieder aufzunehmen. Die Beschwerden der Geheimdienstanalysten, die sich anonym an die Öffentlichkeit wandten, weisen auf signifikante Probleme in der US-amerikanischen Evaluierung von Geheimdienstinformationen über den selbsternannten „Islamischen Staat“ hin, der im Nahen Osten - anstatt schwächer - immer robuster zu werden scheint.

Quelle_ Master Sergeant Kevin J. Gruenwald

Zuvor hatten im Juli zwei hochrangige Analysten des Zentralkommandos, kurz CENTCOM, eine schriftliche Beschwerde an das Pentagon, wonach einige Briefings an Präsident Obama den IS fälschlicherweise als schwächer präsentieren als dieser eigentlich ist.

Vielmehr wurden jene Berichte durch das CENTCOM der offiziellen öffentlichen Linie der Obama-Administration angeglichen. Alles außer einem Sieg der USA über den IS und die al-Nusra-Front, dem syrischen al-Qaida-Ableger, passte nicht in das Bild, welches die USA der Weltöffentlichkeit präsentieren wollten, behaupten die Analysten.

Die schriftliche Beschwerde an das Pentagon wurde von 50 weiteren Geheimdienstanalysten unterstützt, einige sollen erklärt haben, dass man sich bereits seit Monaten über die Lage beschwere. „Daily Beast“ gab an, dass das Portal diese Informationen von 11 Personen, deren Identität geheim ist, erhalten habe, die mit dem Geheimdienstskandal intensiv vertraut seien.

Quelle: Sergej Kustow - CC BY-SA 3.0

Die Analysten haben gar ihre Vorgesetzten, einschließlich dem Geheimdienstdirektor und seinem Vertreter des CENTCOMs, beschuldigt, ihre Analysen zu manipulieren, um stärker auf einer Linie mit dem Weißen Haus zu stehen. Die Geheimdienstler glauben nämlich, dass die Anti-IS-Koalition eben keinerlei Fortschritte im Kampf gegen die Dschihadisten mache.

Unterdessen prangerte ein Offizieller eine mittlerweile „stalinistische Arbeitsatmosphäre“ beim US-amerikanischen Zentralkommando an, die zu einem Klima beigetragen habe, welches eine ehrliche Einschätzung der Lage im Irak und Syrien nicht erlaube. Einige Analysten sollten bereits dazu gedrängt worden sein, in Pension zu gehen, berichtete der „Daily Beast“. Manch einer sei der Aufforderung auch nachgekommen.