Julian Assange im RT-Interview: "Obama bestraft Whistleblower, weil diese mit Medien zusammenarbeiten"

Julian Assange im Gespräch mit Afshin Rattansi. Quelle: RT
Julian Assange im Gespräch mit Afshin Rattansi. Quelle: RT
Julian Assange, der weiterhin in der ecuadorianischen Botschaft in London festsitzt, sprach anlässlich der Veröffentlichung seines neuen Buches "The WikiLeaks Files" mit RT-Reporter Afshin Rattansi. Themen waren unter anderem der US-Krieg gegen Whistleblower und die Frage, woraus das US-amerikanische Imperium seine Macht speist. Assange wirft zudem diplomatischen Kreisen und akademischen Publikationen vor, gezielt Informationen aus WikiLeaks-Veröffentlichungen zu unterdrücken. Das gesamte Interview ist heute in der RT-Sendung Going Underground zu sehen.

"Akademische Zensur" im Journalismus und in den internationalen Beziehungen ist eine der größten Sünden der USA, so Julian Assange, Gründer von WikiLeaks, im RT-Interview. Assange ist heute in der RT-Sendung Going Underground zu Gast und spricht darüber, wie das US-Imperium versucht, weltweit seine Macht auszuweiten. Gegenüber RT-Reporter Afshin Rattansi sagte Julian Assange:

"Obama hat mehr Whistleblower auf Grundlage des Spionagegesetzes angeklagt, als alle vorigen US-Präsidenten zusammen - mehr als doppelt so viele.

Natürlich sagt er, es sei Spionage, aber es gibt keine Vorwürfe, dass eine dieser Personen Geheimnisse an ausländische Regierungen weitergegeben hat oder mit diesen zusammenarbeitet. Die Vorwürfe beziehen sich auf eine Zusammenarbeit mit Medien."

Bildquelle: WikiLeaks.org

Doch während Medienzensur den WikiLeaks-Chef nicht mehr überrascht, wundert sich Assange über den Grad an "akademischer Zensur" in den USA und Großbritannien.

"Damit meine ich nicht die Wissenschaften allgemein oder medizinische Publikationen, wo es über 30.000 Querverweise auf WikiLeaks gibt. Auch nicht die Gerichte. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, Internationale Tribunale und sogar Gerichte in Großbritannien nutzen unser Material."
Doch im Bereich der Diplomatie und in der akademischen Welt existiere das Material praktisch nicht. In den internationalen Beziehungen, im US-amerikanischen Wissenschaftsjournalismus und wahrscheinlich auch in Großbritannien gäbe es ein schockierendes Ausmaß an Zensur. Assange fügte mit Blick auf die größten und angesehensten akademischen Publikationen hinzu:
"Es gibt Richtlinien, nichts als Quellen zu akzeptieren, was von WikiLeaks stammt."
Die USA bezeichnete Assange als Imperium, allerdings nicht im "klassischen Sinne, wie das Römische Reich". Vielmehr seien die Vereinigten Staaten ein "Imperium des Handels". Die Strategie sei, weltweit aufgebaute Militärbasen, Botschaften in anderen Ländern und den Einfluss in internationalen Organisationen wie der UNO und dem IWF zu nutzen, um "vorteilhafte Deals für die größten US-amerikanischen Unternehmen zu sichern".
"Es gibt eine kontinentale Ausdehnung der USA, Hawai und de facto Puerto Rico wurden einverleibt, ebenso Alaska. Doch die vorherrschende Ausprägung des US-Imperiums ist ein Imperium von Militärbasen. Es gibt mehr als 1.400 solcher Basen in über 120 Ländern auf dem ganzen Globus."
Assange betonte, kein anderer Staat erreiche auch nur ansatzweise diese Zahlen. [Anmerkung der Redaktion: Andere Quellen beziffern die Zahl von US-Basen auf ausländischem Territorium auf 800-900.]

Obwohl viel Aufwand betrieben wird um "amerikanische Interessen" zu sichern, handelt es sich dabei nicht um die Interessen der gewöhnlichen US-Amerikaner. Assange ist der Ansicht, nur "Interessen von Unternehmen mit großer Nähe zur Regierung werden von den US-Botschaften rund um den Globus vertreten".

Das gesamte Interview mit Julian Assange wird heute in der RT-Sendung Going Underground ausgestrahlt.