Globale Ausbeutung: Nestlé wegen Fischverwertung aus Sklavenarbeit angeklagt

Thailändischer Fischkutter. Bildquelle:  	Philippe Gabrie, CC 2.0
Thailändischer Fischkutter. Bildquelle: Philippe Gabrie, CC 2.0
Weil Nestlé für die Herstellung von Tiernahrung wissentlich Fischfang aus thailändischer Sklavenarbeit verwendet haben soll, haben US-amerikanische Anwälte nun eine Sammelklage gegen den Schweizer Lebensmittelmulti eingereicht. Der thailändische Fischfang basiert auf einem System von Zwangsarbeit und Schuldknechtschaft, bei dem vor allem Migranten aus Kambodscha und Myanmar ausgebeutet werden. Nestlé, der weltweit größte Anbieter von Babynahrung, Tiernahrung und abgefülltem Trinkwasser, sorgt immer wieder für Negativschlagzeilen bei Sozial- und Umweltstandards.

Wie eng das Netz von Sklavenarbeit und Ausbeutung in den Entwicklungsländern des Südens und billigem Konsum in den Industrieländern gewebt ist, zeigt eine Sammelklage, die die klagefreudige Anwaltskanzlei Hagens Berman im Namen von US-amerikanischen Tierhaltern gerade gegen den Lebensmittelkonzern Nestlé eingereicht hat. Auch gegen Mars, Incorporated, einem großen US-amerikanischem Hersteller von unter anderem Süßwaren und Tierfutter, erwägen die Juristen rechtliche Schritte.

Oft kostet eine Dose Katzenfutter nur wenige Cent, über die Bedingungen der Herstellung erfährt der Verbraucher auf den ansehnlich gestalteten Verpackungen nichts. In einer umfangreichen Reportage deckte die New York Times Ende Juli das komplexe Netzwerk zwischen thailändischer Zwangs- und Sklavenarbeit und der Supermarkt-Tiernahrung auf.

Mit falschen Versprechungen werden Migranten aus Bangladesch oder Kambodscha nach Thailand gelockt. Einmal in der Hand der Schlepper, ewartet die Mädchen dort in der Regel die Zwangsprostitution, junge Männer finden sich alsbald als Zwangsarbeiter auf Fischkuttern wieder. Eine zentrale Rolle spielt dabei Thailands größtes Fischfangunternehmen, die Thai Union Frozen Products, welches pro Jahr rund 13.000 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte für Tiernahrung in die USA exportiert. Genannt werden unter anderem die Marken Meow Mix (Del Monte Foods) und Fancy Feast (Nestlé). Ob die in Deutschland vertriebenen Katzenfuttermarken von Nestlé, wie etwa Felix oder Gourmet, ebenfalls mit aus Thailand stammenden Fisch gefüllt sind, geht aus den Dokumenten nicht hervor, lässt sich aber in der Regel über den Barcode entschlüsseln.

Quelle: wagingnonviolence.org

Die Arbeitsbedingungen an Bord werden von den Betroffenen gegenüber Human Rights Watch und den Vereinten Nationen als mittelalterlich beschrieben. 20 Stunden Dienst sind keine Seltenheit - oft ganz ohne Bezahlung. Wer krank wird, wird über Bord geschmissen, wer Widerspruch leistet, wird enthauptet.

Auch aufgrund der wachsenden weltweiten Nachfrage nach thailändischem Billigfisch und Meeresfrüchten für Tiernahrung haben sich die Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren immer mehr verschlimmert, denn mehr als niedrige Centbeträge ist weiterhin kein Verbraucher bereit zu zahlen.

In der Regel werden die teils erst 15 Jahre alten Zwangsarbeiter in einer Art Schuldknechtschaft gehalten. Für die Reise nach Thailand seien die Kosten abzuarbeiten, so die Schlepper, die die Migranten dann auf die zahlreichen Boote verteilen, unter denen diese nicht selten weiterverkauft werden. Jeder Schiffskapitän will bei diesen Geschäften ebenfalls seinen Schnitt machen. An Bord leben die Sklavenarbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen mit schlechter Verpflegung, mangelhaften sanitären Anlagen und überfüllten Schlafquartieren. Über verschiedene Zwischenstationen landet der Fang dann bei Thai Union Frozen Products, von dort ist es nur noch ein Schritt in die westlichen Supermarktregale. Allein in den USA geben Tierhalter 190 Millionen Dollar im Jahr für Tiernahrung mit Thai-Fisch aus.

Steve Berman, Geschäftsführer der Kanzlei Hagens Berman, die die Klage gegen Nestlé am 27. August vor einem Gericht in Kalifornien eingereicht hat, wirft dem Lebensmittelmulti vor, jahrelang nichts gegen die Zustände im thailändischen Fischfang unternommen zu haben und den Billigfisch, wissend von den Arbeitsbedingungen an Bord, für die Weiterverarbeitung gekauft zu haben.

In einer öffentlichen Stellungnahme ruft die Kanzlei Verbraucher dazu auf, sich der Sammelklage anzuschließen.  Ganz uneigennützig ist Hagens Bermans Einsatz dabei wohl kaum. In den USA ist es für Anwaltskanzleien ein erträgliches Geschäft Sammelklagen gegen große Unternehmen einzureichen. Auch mit Google legte sich die Kanzlei schon an.

Der von zahlreichen Negativschlagzeilen geplagte Konzern Nestlé weist die Vorwürfe in einer ersten Stellungnahme indes von sich. Zwangsarbeit habe in der Lieferkette keinen Platz, so der Konzern. Die Enthüllungen der New York Times legen anderes nahe.

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