"Verlegung von Kampfflugzeugen und Hubschraubern" - Macht Russland Ernst mit eigenem Antiterror-Einsatz in Syrien?

Bald im Einsatz gegen den IS?  - Quelle: Alex Beltyukov/CC BY-SA 3.0
Bald im Einsatz gegen den IS? - Quelle: Alex Beltyukov/CC BY-SA 3.0
Mehreren israelischen Medienberichten zufolge habe Moskau entschieden, mittels eigener Piloten, Kampfjets und -hubschrauber im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ in Syrien einzugreifen. Sollten sich die Vermutungen bestätigen, dann könnte den USA im Nahen Osten ein signifikanter Einflussverlust drohen.

Russische Expeditionskorps seien bereits in Syrien, um auf von Assad kontrollierten Luftwaffenstützpunkten in der Nähe von Damaskus Feldlager aufzubauen. Diese würden fortan Operationen mit der syrischen Regierung koordinieren, berichtet das Nachrichtenportal Ynet News.

Luftlandeübung russischer Fallschirmtruppen  2015 in Primorsky - Foto: Yuri Smityuk/TASS

Das israelische Online-Portal i24 berichtet ebenfalls, dass von einem Expeditionskorps aus Russland "mit Sicherheit" ausgegangen werden könne. Moskau verhandle schließlich auch mit Damaskus über einen Rüstungsdeal, wonach die syrischen Regierungstruppen schon bald mehrere MIG-29 und YAK-130 Trainingsflugzeuge erhalten sollen. Dennoch, von russischer Seite wurde keine dieser Veröffentlichungen offiziell bestätigt.

Eines allerdings dürfte klar sein: Ein Eingreifen der russischen Armee in diesem Umfang würde die regionale Dynamik signifikant beeinflussen. Die „Deutschen Wirtschaftsnachrichten“ konstatieren bereits, dass Russland – anders als die USA – „gezielt militärisch und politisch operieren“ würde. Sollte sich Moskaus Initiative bewahrheiten, dann könnte den Vereinigten Staaten im Nahen Osten eine geopolitische Niederlage drohen. Das hätte einen drastischen Einflussverlust zur Folge.

Russlands regionales Hauptziel ist es, den selbsternannten „Islamischen Staat“ zu bekämpfen, der mittlerweile auch verstärkt im muslimisch dominierten Nordkaukasus versucht Fuß zu fassen. Darüber hinaus diene das Engagement dazu, Russlands Verbündeten, Präsident Baschar al-Assad, zurück auf den Schirm der Weltgemeinschaft zu befördern, wie Ynet News vermutet.

Bemerkenswert scheinen dabei die Bedenken Israels vor einer erhöhten Präsenz russischer Militärs in Nahost: Ynet News betonte zwar, dass die Russen keine offensiven Intentionen gegen Israel hegen, dennoch müsse sich die israelische Luftwaffe künftig um ihre "Handlungsfreiheit und Dominanz im nahöstlichen Luftraum" sorgen. In der Vergangenheit nutzte die israelische Armee die Schwäche der syrischen Luftverteidigung wiederholt für Überraschungsangriffe auf syrische Regierungstruppen oder auf libanesische Hisbollah-Milizen aus, die auf den Golan-Höhen operieren.

Zudem schlussfolgern – zumindest wenn es um Iran geht – übersensible israelische Medien, dass Moskau in Gesprächen mit Vertretern der Islamischen Republik informelle Vorarbeit leistete. Dabei soll es sich inhaltlich um die Koordination von Maßnahmen gedreht haben, die sich zur Sicherung der Herrschaft al-Assads gegen den IS richten. So besuchte der gefürchtete iranische al-Quds-Kommandeur Kasim Soleimani kürzlich Moskau, wo konkrete Schritte eruiert wurden. Insbesondere Iran setzt noch vor Russland um jeden Preis auf Assad, der als alawitischer Präsident Irans Zugang zur libanesischen Hisbollah, die zu den engsten Verbündeten Teherans gehört, garantiert.

Quelle: Israel Defense Forces/CC BY 2.0

Moskau setzte erst kürzlich auf eine politische Initiative, syrische Oppositionelle an einen Tisch zu bringen. Laut der Zeitung Haaretz traf der russische Außenminister Sergej Lawrow in den vergangenen Wochen zahlreiche Vertreter syrischer Rebellenformationen. Laut der Nachrichtenagentur TASS gehe es Russland dabei weniger um die Person Assad als um das rücksichtslose Vorgehen des Westens in Syrien. Der Fall Syrien folgte lediglich den Beispielen in Libyen und Irak, wo der Westen zumindest vom Volk akzeptierte und mehrheitlich gewählte Machthaber kurzerhand stürzte, weil sie in den Hauptstädten Europas und den USA für illegitim befunden wurden. Der syrischen Opposition, auch wenn nur ausgewählte Akteure dieser nach Moskau eingeladen wurden, versuchte Lawrow deutlich zu machen, dass eine politische Lösung nur möglich sei, wenn sich alle Parteien an Friedensgesprächen beteiligen.

Westliche Diplomatenkreise haben eingeräumt, dass sich die Obama-Administration in Washington der vermeintlichen „russischen Intentionen hinsichtlich einer Intervention in Syrien völlig bewusst sei“, so i24. Doch vom Weißen Haus gab es hinsichtlich der israelischen Spekulationen keine Reaktion.

„Islamischer Staat“ rückt auf Damaskus vor

Unterdessen sollen sich Milizen des IS weiter auf die syrische Hauptstadt zubewegen. So berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) am Montag, dass sich der „Islamische Staat“ in Vororten von Damaskus einige Scharmützel mit moderaten Rebellen lieferte. Die Straßenkämpfe fanden Aktivisten zufolge im südlichen Qadam-Viertel statt. Der Vorsitzende der SOHR, Abdel Rahman, kommentierte:

„Der IS war dem Herzen von Damaskus noch nie näher.“
Ein syrischer Militärbeamter fügte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP hinzu:
„Wir sind sehr froh, sie kämpfen zu sehen. Aber wir sind bereit zu reagieren, wenn sie vorrücken sollten.“
Laut der syrischen Beobachtungsstelle seien alleine am Sonntag bei Zusammenstößen mindestens 15 Milizionäre gestorben. Zwar konnte nicht geklärt werden, auf welcher Seite die Verletzten zu verbuchen waren, die Beobachtungsstelle sagte aber, dass die Kämpfe zahlreiche Zivilisten dazu zwangen, ihre Häuser zu verlassen.

Seit dem Beginn des syrischen Bürgerkrieges im Mai 2011 sind mehr als 240.000 Syrer gestorben. Präsident al-Assad verlor weite Landesteile an in der Tendenz moderate Milizen oder den IS und konzentriert sich nur noch auf die im Westen gelegenen Metropolen.

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