Granatwerfer vor Kiewer-Parlament ist Swoboda-Mitglied und Freicorps-Kämpfer im Donbass - Deutsche Medien sprechen weiterhin von "Unbekannten"

Quelle: Screenshot radiosvoboda.org
Quelle: Screenshot radiosvoboda.org
Der Attentäter auf die Sicherheitskräfte vor dem Kiewer-Parlament ist identifiziert. Er ist Mitglied der rechtsradikalen Swobodapartei und hatte zuletzt im Donbass gekämpft. Auffällig ist das Umgehen der deutschen Medien mit dem Attentat, das bisher drei Tote und über 100 Verletzte zur Folge hatte. Der Hintergrund des Täters wird nicht benannt und beinahe noch für Verständnis für die nationalistischen und rechtsradikalen Demonstranten geworben.

Bei dem mittlerweile festgenommenen Granatwerfer soll es sich um den 24-jährigen Igor Gumenyuk handeln. Er ist Mitglied der Studentenorganisation von Swoboda und befand sich auf Heimaturlaub, nachdem er acht Monate für das Freiwilligenbataillon „Sich“ im Donbass gekämpft hatte.

Auf Videoaufnahmen ist deutlich zu sehen, wie der mittlerweile identifizierte Attentäter die Granate aus seiner Tasche holt und auf die Sicherheitskräfte vor dem Kiewer-Parlament wirft. Die Granate hat er vermutlich von seinem Kampfeinsatz mit dem Swoboda-Bataillion “Sich”, welches zumindest formal dem Innenministerium untersteht, als „Mitbringsel“ mitgehen lassen.

Die Berichterstattung zu dem Ereignis in den „etablierten“ deutschen Medien ist mal wieder ein Paradebeispiel für die einseitige Ukraine-Berichterstattung, die zudem fast ausschließlich auf westlichen Agenturmeldungen beruht.

Der SPIEGEL zitiert zunächst auf der Basis einer dpa-Meldung die aktiven Teilnehmer am Maidan-Putsch, Vitali Klitschko und Anton Geratschenko, die beide davon sprechen “Unbekannte hätten eine Handgranate gezündet“. Einen ähnlich indifferenten Duktus wählt das Handelsblatt, demzufolge wurden „bei einer Explosion vor dem ukrainischen Parlament Dutzende Menschen verletzt“. Die Welt erläutert recht kryptisch: „Als das Parlament in Kiew am Montag über eine Verfassungsänderung abstimmte, explodierte vor dem Gebäude ein Sprengsatz.“

Ähnlich auch die „Berichterstattung der Tagesschau: „Nach Informationen des ARD-Korrespondenten Stephan Stuchlik zündeten Unbekannte während der Demonstration eine Handgranate.“

All diese Darstellungen erfolgten schon zu einer Uhrzeit, in der ausreichend Bildmaterial vorhanden war, welches kein Zweifel daran ließ, dass die Handgranate direkt aus dem nationalistischen Demonstrationsblock geworfen worden war.

Noch viel auffälliger in der Berichterstattung von Springer und Co ist allerdings das Verständnis, welches in und zwischen den Zeilen für die Proteste gegen die Gesetzesnovelle, die wohlgemerkt im Sinne von Minks 2 formuliert wurde, zum Ausdruck kommt.

Die Welt erklärt die Ukraine, ähnlich wie auch die Süddeutsche, umgehend zum Opfer ihrer westlichen Verbündeten, die zu viel Verständnis für Russland und die selbsterklärten Volksrepubliken im Donbass zeigen würden:

„Die Bürgerbewegte Oksana Syroid, Vizepräsidentin des Parlaments, beklagte schon vor zwei Wochen die direkte Einflussnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des französischen Präsidenten François Hollande. Beide hätten am 14. Juli den Parlamentspräsidenten Hrojsman angerufen und ihn gedrängt, die neuen Verfassungsbestimmungen noch etwas zu verändern. 'Das ist uns von unseren Verbündeten aufgezwungen worden', sagte Syroid. Das Argument der Kritiker dieses Vorgehens ist verständlich. In den besetzten Gebieten der Ostukraine sind […] in großem Ausmaß russische Söldner und Geheimdienste tätig.“
Quelle: RIA

Klar, dann kann man schon einmal verärgert versuchen, das Parlament zu stürmen und Granaten auf Sicherheitskräfte zu werfen. Bei ähnlichen Vorkommnissen in Deutschland würde Die Welt sicher im selben verständnisvollen Duktus berichten.

Ein Satz aus einer DPA-Meldung wurde von fast allen deutschen Nachrichtenmedien dankbar aufgegriffen, suggeriert dieser doch, dass eben nicht nur „rechte Kräfte“, sondern auch ein Großteil der ukrainischen Gesellschaft sich, und aus Sicht des deutschen Mainstreams anscheinend zu Recht, gegen eine friedliche Konfliktbeilegung im Donbass aussprechen:

„Nicht nur rechte und nationalistische Kräfte sehen die Verfassungsreform als Kniefall vor Russlands Präsident Wladimir Putin.“
Absurde Zeiten. Bei fast allen Entscheidungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel jubelt ihr der deutsche Mainstream zu. Wagt sie es aber einmal, einer Forderung aus den Minks 2 Verhandlungen zumindest im Ansatz bei den „ukrainischen Partnern“ einzufordern, schreien Springer und Co: Verrat!