Weitere Eskalation im Jemen - Saudisch geführte Anti-Huthi-Koalition entsendet Panzer und Bodentruppen nach Aden

Quelle: Ruptly
Quelle: Ruptly
1.500 von Saudi Arabien und den Emiraten angeführte Soldaten sind im jemenitischen Aden samt Panzern und gepanzerten Fahrzeugen an Land gegangen, um die Milizen, die dem gestürzten Präsidenten Hadi nahestehen, in ihrem Kampf gegen die als pro-iranischen geltenden Huthi-Rebellen zu unterstützen. Bisher hatten beide Länder von einer Invasion mit Bodentruppen abgesehen.

„Die Nationalarmee und der ‚Volkswiderstand‘ haben die Kontrolle über die al-Anad Militär- und Luftwaffenbasis aufgegeben“, teilte Brigadegeneral Hassan Fadel im Telefongespräch mit Reuters mit. Fadel befehligt Truppen, die dem sunnitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansour Hadi gegenüber loyal sind. Er sagte, dass angeblich dutzende Huthi-Kämpfer bei den Zusammenstößen getötet wurden, hunderte seien geflohen.

Huthi-Rebellen, die bislang den Stützpunkt hielten, haben die Ereignisse noch nicht kommentiert. Der Großangriff erfolgte, nachdem Saudi Arabien hunderte Militärfahrzeuge an den Hafen von Aden verschifft hatte. Die Stadt gilt als Hochburg Hadis und strategischer Ausgangspunkt saudischer Unterstützungskampagnen gegen die Huthis, die wiederum vom Iran Beistand erhalten . Riad und Teheran betrachten einander als historische Erzfeinde.

Laut der saudischen Zeitung „Al-Hayat“ seien am letzten Wochenende mindestens 1.500 Soldaten gelandet. Die meisten sollen allerdings aus den Vereinigten Arabischen Emiraten stammen, die sich dem saudischen Kampf gegen die Huthis von Beginn an angeschlossen haben. Eine militärische Quelle, die unter der Bedingung von Anonymität mit der Nachrichtenagentur AFP sprach, bestätigte die Ankunft von „Verstärkung, Panzern und gepanzerten Fahrzeugen“ und betonte:

„Saudische und emiratische Truppen unterstützen in der Tat Anti-Huthi-Kräfte auf dem Feld durch die Bedienung vieler Panzer und anspruchsvollerer Militärausrüstung“.
Zu wenige jemenitische Kräfte seien fähig, so viele Geräte zu bedienen, berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Militärs.

Damit entsandten die Golfstaaten, die den Einfluss Irans im „eigenen Vorhof“ fürchten, das bisher größte Truppenkontingent in den Jemen. Bisher bevorzugte es die Saudi-geführte Koalition, mittels zahlreicher Luftangriffe gegen die Huthis vorzugehen, ohne Einbeziehung eigener Landoperationen. Offensichtlich reichen Luftangriffe allein jedoch nicht mehr aus, um die militärisch robusten und mit dem Militär des Landes verbündeten Einheiten der Huthis nachhaltig zu bekämpfen.

Inmitten der sich hochschaukelnden militärischen Operationen steht der Jemen vor einer ernstzunehmenden humanitären Krise. Nach Angaben der UN sind seit Ausbruch des jemenitischen Bürgerkrieges mehr als  1.600 Zivilisten gestorben, mehr als 3.800 wurden verletzt und eine halbe Millionen Menschen seien vertrieben worden. Zudem registrierten die Vereinten Nationen zahlreiche Schäden im Bereich der zivilen Infrastruktur des Landes und betonten ihre Sorge darüber, dass immer weniger Menschen Zugang zu humanitären Hilfen erhielten.

Die Vereinten Nationen forderten alle beteiligten Konfliktparteien auf, einen Waffenstillstand zu schließen, bisher erfolglos. Erst am 11. Juli verletzten nur eine Stunde nach einer ausgehandelten Waffenruhe saudische Luftangriffe das Übereinkommen.

Die Spannungen in Jemen begründen sich mit der umstrittenen Absetzung des zaiditischen Präsidenten Ali Abdullah Salih und der damit angestrebten Schwächung der Huthis im Jahr 2012. Die Ereignisse sollten sich anschließend überschlagen. Im September 2014 begannen Huthi-treue Milizen, die Hauptstadt des Landes, Sanaa, zu besetzen und ihren Einfluss auf große Teile des Jemens geltend zu machen. Das führte dazu, dass der amtierende sunnitische Präsident Hadi  gezwungen war, ins Exil nach Saudi Arabien zu fliehen. Rund 60 Prozent der Bevölkerung ist sunnitisch geprägt.

Gegen Ende März begann eine von Saudi Arabien geführte Anti-Huthi-Koalition mit Bombardierungen aus der Luft. Erklärtes Ziel ist es nach wie vor, die Huthi-Gewinne zu revidieren und Hadi als Wahrer saudischer Interessen wieder einzusetzen.

Dennoch taten sich Hadi-treue Truppen gegen die Huthis bislang sehr schwer. Militärische Erfolge wurden nur sporadisch verzeichnet.