Ukrainisches Medienprojekt "Stopfake": Skurriles anti-russisches taz-Interview wird von der eigenen Leserschaft zerlegt

Quelle: Ruptly
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Ein besonders einseitiges Stück medialer Meinungsmache gegen Russland ist nun der taz gelungen. Im Interview mit der Chefredakteurin der ukrainischen Internetseite Stopfake, Tetiana Matychak, berichtet diese von ihrer Arbeit. Nicht nur die Fragestellung ist äußerst suggestiv und devot, auch die Antworten von Matychak sind skurril und teilweise einfach gelogen. Aber kein Grund für kritisches Nachfragen oder Richtigstellung durch die taz. Dass etwa die Finanzierung der Seite, entgegen der Behauptung der Chefredakteurin, nicht über Spenden sondern vor allem über die halbstaatliche US-amerikanische NED-Stiftung sowie die Open Society Foundations von George Soros erfolgt, verschweigt die taz ihren Lesern. Zu faul für Recherche oder schon komplett vom Geist der Atlantikbrücke vereinnahmt?

Die Kommentare der taz-Leserschaft unter dem Interview, das Viktoria Morasch mit Tetiana Matychak, Mitbegründerin und Chefredakteurin der Webseite stopfake.org geführt hat, sprechen eigentlich für sich. Nahezu alle Reaktionen nehmen das Gespräch ablehnend auseinander und decken zahlreiche Fehler in den Aussagen Matychaks auf.

Der journalistische Ansatz der TAZ gegenüber RT: Kein Bock auf Recherche

Kein gutes Ergebnis für die Betreiberin einer ukrainischen Internetseite, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, selbst Medienmanipulation aufzudecken. In Zusammenarbeit mit anderen Projekten wie Bellingcat, dem selbst der deutsche Mainstream mittlerweile unsaubere Recherchemethoden bescheinigt, ist es nach eigener Darstellung das Anliegen von stopfake.org vor allem „russische Falschmeldungen“ über die Ukraine zu entlarven. Sicher wird dabei auch die ein oder andere Ente entdeckt, die Ansichten von Matychak und die Stiftungen hinter ihrer Organisationen sprechen allerdings dafür, dass die Zielrichtung eine ganz andere ist.

So lässt die Stopfake-Chefin keinen Zweifel an ihrer politischen Einseitigkeit. In der Ukraine gebe es keine Propaganda und die Medien seien im Großen und Ganzen frei, weil sie meist Oligarchen gehören, diese aber hauptsächlich wirtschaftliche und keine politischen Interessen verfolgen. Eine sehr erstaunliche Ansicht, bezogen auf ein Land, das sich - sowohl vor als auch nach der Maidanrevolution - auch politisch fest in Oligarchenhand befindet. Ganz davon zu schweigen, dass Petro Poroschenko, seines Zeichens aktueller Präsident der Ukraine, über seine eigene Fernsehanstalt in Form des landesweit ausgestrahlten Kanal 5 verfügt. Anders als in Russland würden die ukrainischen Medien jedoch viele Sichtweisen zulassen heißt es, nur wenige Sätze bevor Matychak Russland bezichtigt, mit der Veröffentlichung verschiedener Sichtweisen auf gesellschaftliche und politische Ereignisse vor allem Verwirrung stiften zu wollen.

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Der taz-Redakteurin Viktoria Morasch fallen derlei Widersprüche entweder nicht auf, oder sie geben ihr keinen Anlass kritisch nachzufragen. Ohnehin sind die Fragen äußerst suggestiv entworfen und dienen eher als Stichworte für Matychaks PR-Sprech: "Wie schafft es Stopfake, unabhängig zu bleiben?", heißt es etwa, die Unabhängigkeit des Projekts bereits voraussetzend. Matychaks Antwort:

"Wir nehmen keine Gelder von Regierungen an. Weder von der Ukraine noch von der EU. Wir finanzieren uns über Spenden und seit 2015 auch über zwei Stiftungen. Außerdem sind wir Profis und versuchen, objektiv zu bleiben."
Was die Stopfake-Chefin dabei bewusst verschweigt, jedoch vielfältig im Kommentarbereich der taz behandelt wird, Stopfake wird maßgeblich von der halbstaatlichen US-amerikanischen NGO National Endowment for Democracy (NED), der Open Society Foundations des US-amerikanischen Milliardärs George Soros sowie vom tschechischen Außenministerium finanziert:
"[…] National Endowment for Democracy (NED) ist eine US-amerikanische Stiftung mit dem erklärten Ziel der weltweiten Förderung der Demokratie. Sie wurde 1983 vom US-Kongress in Washington, D.C. gegründet und erhält von diesem für ihre Arbeit eine jährliche Finanzierung aus dem US-Bundeshaushalt. Der Kongress schuf NED als halbstaatlichen Arm der Außenpolitik. Die Aussage von Morasch im Interview, 'Wir nehmen keine Gelder von Regierungen an', ist also glatt gelogen. Direkter kann keine ausländische Regierung zahlen." [taz-Kommenatator Glatti]

Auch sonst bestehen Matychaks Aussagen nicht vor der taz-Leserschaft. So wirft die 33-Jährige etwa der "russischen Propaganda" vor, dass diese an der Rechtmäßigkeit der neuen Kiewer Regierung zweifelt. Dumm nur, dass mehere Kommentare die taz darauf hinweisen müssen, dass der neue ukrainische Präsident Petro Poroschenko vor kurzem selbst einräumte:

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"Ich bitte das Gericht zu bestätigen, dass das Gesetz über die Entfernung von Wiktor Janukowitsch aus dem Präsidentenamt verfassungswidrig ist."
Ein weiterer Leserkommentar weist darauf hin, dass bereits vor einem Jahr, ein sehr ähnliches Interview mit der selben Protagonistin und Ausrichtung in der taz erschien:
"Dieses Interview ist ziemlich selbstentlarvend. Ein Zukaufartikel um das Sommerloch zu füllen? Bereits vor über einem Jahr gab es in der taz schon ein Portrait dieser ach so unabhängigen und selbstlosen Organisation." [taz-Kommentator KHALED CHAABOUTÉ]
Der Höhepunkt an unfreiwilliger Selbstentlarvung sowohl von Matychak als auch der Interviewerin wird jedoch erreicht, als gefragt wird, ob russische Medien die Schuld an der Eskalation tragen würden. Darauf antwortet die Chefredakteurin von Stopfake mit der bemerkenswerten Aussage:
"Ja, ganz klar. Sie haben die Situation in der Ostukraine angeheizt. Dafür gibt es viele Beispiele: Russische Medien haben verbreitet, dass die neue Regierung in Kiew nicht rechtmäßig gewählt worden sei und eigentlich keine Legitimation habe. Sie haben behauptet, dass Rechtsradikale an der Macht seien. Viele hatten Angst, dass sie verfolgt würden, weil sie Russisch sprechen. Das sind Lügen."
Ukraine: Neonazi wird Polizeipräsident von Kiew

Ist Matychak tatsächlich nicht mehr bewusst, dass die erste Gesetzesinitiative der neuen Machthaber in Kiew just darin bestand, Russisch als zweite Amtssprache zu verbieten? Selbst die taz berichtete darüber und auch die Bundesregierung sah in dem Beschluss ein Grund für die Eskalation im Osten der Ukraine. Der amtierende Polizeipräsident von Kiew, Vadim Troyan, war zuvor Vize-Kommandeur des rechtsradikalen Asow-Bataillons. Dmytro Jarosch, Anführer des Rechten Sektors, ist Chefberater des ukrainischen Verteidigungsministers. Alles Lüge?

Man kann nur hoffen, dass Matychak und ihr Team es sich beim Aufdecken vermeintlicher Falschmeldungen weniger einfach machen als im Interview mit der taz, andernfalls müsste ihr Projekt sich erst einmal selbst stoppen.