Deutschland will Angola zum Großabnehmer von Rüstungsgütern aufbauen

Quelle: Dirk Vorderstraße/CC BY-NC 2.0
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Trotz erheblicher Zerfallserscheinungen der Europäischen Union und eines Bürgerkrieges in der Ukraine, betreibt die deutsche Bundesregierung ganz unabhängig von Brüssel fragwürdige politische Einflussbestrebungen im Nahen Osten und Afrika. Aber auch über wirtschaftliche Beziehungen, wie sie im Mittelpunkt des am heutigen Mittwoch endenden „Deutsch-Angolanischen Wirtschaftsforum“ in Luanda stehen, sichert sich Deutschland nicht nur lukrative Einnahmen, sondern auch beachtliches machtpolitisches Standing. Und was wirtschaftlich in Angola noch nicht ganz der Fall ist, funktioniert militärisch seit Jahren exzellent: 2014 schlossen beide Länder eine Vereinbarung über eine militärpolitische „Partnerschaft“ ab.

Die angolanische Regierung in Luanda baut seit Jahren die nationale Verteidigung aus und präsentiert sich Berlin als idealer Gehilfe für deutsche Interessen in Afrika. Deutschland interessiert sich aber auch für die Entwicklung des Landes zu einem regelrechten Boomstaat, ausgelöst durch die verstärkte Förderung nationaler Erdölressourcen. Bereits heute ist Angola der zweitgrößte Erdölproduzent in den Subsahararegionen von Afrika. In den letzten Jahren stiegen Deviseneinnahmen aus dem Erdölgeschäft auf ein Milliardenniveau, was der Elite des Landes zu einem beachtlichen Wohlstand verhalf. Lange gehörte das Land in Südwestafrika aufgrund seiner zweistelligen Wachstumsraten zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt.

Angola sitzt allerdings auch auf beachtlichen Erdgasreserven, die zwar noch nicht umfassend ausgebeutet wurden, von denen jedoch erste Lieferungen bereits nach China, Brasilien und Südostasien gingen. Insgesamt ließen sich 6,8 Milliarden Kubikmeter pro Jahr aus angolanischem Boden mindestens 20 Jahre lang fördern, so Schätzungen. Insbesondere portugiesische Unternehmen, die aufgrund der gleichen Sprache einen strategischen Vorteil in Angola genießen, sind im afrikanischen Land besonders stark vertreten. Zu den wichtigsten Handelspartnern von Angola zählt zuvorderst China, dann Portugal, gefolgt von den USA, Brasilien, Indien und Südafrika. Erst im Juni erhielt Angola im Gegenzug für den Zugriff auf große Landflächen einen Kredit in Höhe von 25 Milliarden US-Dollar aus Peking.

Quelle: US Army Europe

Angesichts der enormen internationalen Konkurrenz sind im Vergleich nur 20 deutsche Firmen im Land tätig. Deutschland scheint wirtschaftlich ins Hintertreffen gekommen zu sein. Mittels ambitionierter Aufholbemühungen soll sich der deutsche Rückstand allerdings ins Gegenteil verkehren. Dabei dürfen sich Unternehmen über Rückenwind seitens höchster Berliner Regierungsstellen freuen.

Beim „Deutsch-Angolanischen Wirtschaftsforum“ war die Offensive im Zusammenspiel zwischen Politik und Wirtschaft symptomatisch für das deutsche Bewusstsein, nun auf die Überholspur zu wechseln. Laut „German-Foreign-Policy“ stehen bei dem vom 21. bis zum 22. Juli tagenden Gipfel die ökonomische Erschließung des angolanischen Gesundheits- und Energiesektors sowie der Infrastruktur und der Landwirtschaft auf der Agenda. Dabei spekulieren deutsche Manager darauf, dass der angolanische Staat Einnahmen aus dem Erdölgeschäft abzwackt, um bei riesigen Modernisierungsprojekten in deutsche Unternehmen zu investieren.

Um ein solches Unterfangen anzuschieben, umgarnten die Veranstalter des Forums gar den angolanischen Minister des Wirtschafts-, Gesundheits-, und Energieressorts, Abraão Gourgel, der an der Veranstaltung teilnahm und aufmerksam hochrangigen deutschen Vertretern aus Politik und Wirtschaft dabei zuhören durfte, wie aus ihrer Sicht mögliche Kooperationsmöglichkeiten mit Angola aussehen würden.

Auch die parlamentarische Staatssekretärin Brigitte Zypries (SPD) war zugegen. Um nur einige Namen zu nennen, gehören zu den Sponsoren des Forums auch die deutschen Unternehmen Voith Hydro, Gauff Engineering und die Commerzbank AG.

Des Weiteren tritt Deutschland bei der größten Wirtschaftsmesse Angolas, Luanda die Feira Internacional de Angola (Filda), dieses Jahr als Partnerland auf. Die Lobbyisten des „Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft“ verkündeten, dass „Deutschland mit einem Rekordwert von 28 Ausstellern auf mehr als 700 Quadratmetern vertreten sein“ werde.

Bereits jetzt sind Deutschland und Angola über die fortgeschrittene militärpolitische Kooperation miteinander verwoben, die, wie es heißt, das „Führen von Gesprächen auf Verteidigungsebene sowie die regelmäßige Teilnahme an Seminaren“ vorsieht. Hinzu kommen konkrete gemeinsame Boardingübungen von deutschen und angolanischen Marineinfanteristen Anfang März dieses Jahres.

Wie bereits zuvor in Westafrika, als Berlin über militärische Kooperationsverhältnisse für das Militär von Ghana und Mali, wie die sogenannte „Ausbildungsunterstützung“, seinen Einfluss auf die Politik der Länder geltend machte, soll auch Angola als strategischer Juniorpartner für die deutschen Interessen rekrutiert werden, konstatiert das regierungskritische Internetportal „German Foreign Policy“.

Quelle: RT

Anders als Südafrika, das in die BRICS-Vereinigung (ein Bündnis bestehend aus den führenden aufstrebenden Volkswirtschaften Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) eingebunden ist, gilt Angola als dem Westen zugeneigt. Zudem hegt das Land Regionalmacht-Ambitionen, erhöht seinen Militärhaushalt und könnte womöglich den „unsicheren Kantonisten Südafrika“, wie „German Foreign Policy“ das südlichste Land Afrikas umschreibt, langfristig auch herausfordern.

Allein in den Jahren von 2010 bis 2014 hat Angola seinen Militärhaushalt nahezu verdoppelt. So lag dieser zunächst bei 3,5 Milliarden US-Dollar und im letzten Jahr kursierte er bei 6,8 Milliarden US-Dollar. Bis 2019 soll er auf bis zu 13 Milliarden US-Dollar anwachsen. Das German Institute of Global and Area Studies (GIGA) feiert Angola bereits „als größte Militärmacht der Region“.

Im März dieses Jahres veranstaltete die Bundeswehr auf der Fregatte „Hessen“ nicht nur eine gemeinsame Militärübung im Hafen von Luanda, sondern auch eine Industrieausstellung. Dort wurde den Angolanern deutsches Kriegsgerät zum Verkauf angeboten. Der Generalinspektor der angolanischen Streitkräfte, General Geraldo Nuanda, und der Staatssekretär für Industrie, Gabriel Kiala, ließen sich gerne von der Schlagkräftigkeit deutscher Rüstungsprodukte überzeugen.

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