Händeschütteln im Weltraum: Apollo-Sojus-Projekt jährt sich zum 40. Mal

Quelle: nasa.gov
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Zum mittlerweile 40. Mal jährt sich nun das Apollo-Sojus-Projekt, das in einer kurzen Tauwetterphase während des Kalten Krieges zeigte, dass Kooperation und gemeinsame Projekte zum Wohle der Menschheit am Ende Win-Win-Situationen für beide Konfliktparteien schaffen konnten.

Der „Handshake“ im Orbit gehörte zu den entscheidenden Ereignissen im temporären Tauwetter zwischen den USA und der Sowjetunion während der 1970er Jahre. Beide Supermächte verfolgten in dieser Zeit eine Entspannungspolitik, die darauf hinauslief, Abstand von einer direkten Konfrontation zu nehmen und eine friedliche Koexistenz zu akzeptieren. Zuvor verloren die USA den Vietnamkrieg und waren gezwungen, sich aus Südostasien zurückzuziehen.

Zwar kam es ungeachtet der vorübergehenden Verbesserung in den bilateralen Beziehungen zu Stellvertreterkriegen, dennoch hatte die Entspannungspolitik in Zeiten des Kalten Krieges eine Phase geringerer Spannungen zur Folge.

 Quelle: nasa.gov
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Das Apollo-Sojus-Test-Projekt (ASTP) war zu einem großen Teil eine PR-Übung, um Skeptikern in beiden Lagern die Annäherungspolitik zu verkaufen.

Die Idee, eine gemeinsame Weltraummission zu starten, wurde erstmals im Jahr 1970 artikuliert. Es sollten noch zwei Jahre bis zur Unterzeichnung eines gemeinsamen Abkommens vergehen. Drei weitere Jahre verstrichen, bis alle technologischen und organisatorischen Details geklärt, die Besatzung an US-amerikanischen und sowjetischen Weltraumgeräten unterwiesen und der eigentliche Start vorbereitet werden konnte.

 Quelle: RIA Novosti
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Für die NASA war ASTP die letzte Mission im Apollo-Programm. Die größte Veränderung zu vorhergehenden Raumschiffen war der Zusatz beim Mondlandungsmodul mit einem Docking-Adapter. Weil beide Raumschiffe, also Sojus und Apollo, unterschiedlichen Sauerstoff und Luftdruck verwendeten, wurde der Adapter beim Andocken zwischengeschaltet. Nach einer dreistündigen Übergangsperiode konnten die Besatzungen einander problemlos besuchen. Zudem entwickelten die Russen ein neues flammenhemmendes Gewebe für ihre Anzüge.

 Quelle: RIA Novosti
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Das Aneinanderdocken der Raumschiffe machte die Entwicklung eines neuen Mechanismus notwendig, der sogenannten „Androgynen Peripheren Kupplungsanlage“ (APAS). Derivate von diesem System werden noch heute von der ISS oder den Chinesen verwendet.

Nach der Katastrophe von Sojus-11, bei der drei Kosmonauten durch Ersticken ums Leben kamen, bauten die Russen 1973 ein neues Weltraumschiff mit zahlreichen modernsten Modifikationen.

Die größte Änderung war die Reduktion der Weltraum-Crew von drei Kosmonauten auf zwei. Fortan konnten die Weltraumfahrer auch beim Start und Wiedereintritt in die Erdatmosphäre Druckanzüge tragen.

 Screenshot aus einem Youtube-Video der NASA
Screenshot aus einem Youtube-Video der NASA

Bevor die gemeinsame Mission mit der Apollo startete, führte die UdSSR umfangreiche Tests und Vorbereitungen durch. Schließlich sollten sechs Raumschiffe gebaut werden, bis die Sojus-19 tatsächlich in den Weltraum abhob, um dort auf das US-amerikanische Raumschiff Apollo zu treffen. Zwei Sojus-Raumschiffe wurden für unbemannte Testfahrten genutzt, die Sojus-16 wurde wiederum für eine eigene Mission abgestellt, zwei weitere, darunter eine, die vollbetankt bereit stand, um eine etwaige Rettungsmission zu fliegen, wurden als Reserve für das Apollo-Sojus-Test-Projekt zurückgehalten.

Schließlich sollte die historische Mission für die russischen Kosmonauten bis zur Rückkehr fünf Tage und 22 Stunden sowie für die US-amerikanischen Astronauten neun Tage und eine Stunde dauern. Beide Raumschiffe dockten für einen Tag und 23 Stunden aneinander an. Zwischen gemeinsamen Mahlzeiten, Gesprächen mit dem US-Präsidenten Gerald Ford sowie dem sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnew und gemeinsamen wissenschaftlichen Tests unterhielten sich die Weltraumfahrer miteinander. So scherzte ein russischer Kosmonaut, Leonov, über das Russisch seines amerikanischen Gegenübers, Stafford, dass es sich dabei um eine eigene Sprache handelte. Er nannte es mit Blick auf die Heimat des US-Astronauten „Oklahoman“.

 Quelle: RIA Novosti
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Der Apollo-Sojus-Flug hinterlässt ein bleibendes Erbe in der gemeinsamen Erforschung des Weltraums, das auch die Feindseligkeiten der 1980er Jahr überlebt hat. Bis heute lebt das Sinnbild von ASTP in der ISS-Raumstation weiter. An der Internationalen Raumstation sind die NASA (USA), Roskosmos (Russland), ESA (Europa), JAXA (Japan) und das CSA (Kanada) auch mit jeweils eigenen Astronauten beteiligt.

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