Umfrage in Serbien vor Merkel-Besuch: Politische Klasse will in die EU, aber Mehrheit der Bevölkerung mehr Nähe zu Russland

Quelle: Ruptly
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In Serbien haben die Bürger eine positivere Haltung gegenüber Russland als gegenüber der Europäischen Union. Eine aktuelle repräsentative Umfrage der serbischen Tageszeitung „Politika“ belegt, dass nur 44 Prozent der Bevölkerung des Balkanlandes ihre Zukunft in der EU sehen. Die zusätzliche Frage nach einer engeren Anbindung an Russland beantworteten hingegen 61 Prozent positiv. Noch diese Woche wird Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Staatsbesuch in Serbien erwartet.

Das Ergebnis unterstreicht, dass die öffentliche Meinung im Gegensatz zur offiziellen Linie der serbischen Regierung steht. So betonte Präsident Tomislav Nikolic erst vor kurzem auf einer Abschlussfeier von Offiziersabsolventen, dass die Integration in die sogenannte „europäische Wertegemeinschaft“ die oberste Priorität bleibe. Angeblich garantiere Brüssel trotz magerer Wachstumszahlen im gesamten EU-Raum in den letzten Jahren eben gerade Wohlstand und Protektion, so der Präsident.

Bei der Abschlussfeier an der Militärhochschule fügte Nikolic zuversichtlich hinzu, dass eine EU-Integration auch bei der Modernisierung der nationalen Armee helfen würde.

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Zur gleichen Zeit haben Nikolic und sein Premierminister Alexander Vucic wiederholt die Bedeutung Russlands für Serbien unterstreichen müssen. So erließ Belgrad, entgegen dem Druck aus der EU und vonseiten der USA infolge der Ukraine-Krise, keine Sanktionen gegen Russland.

Dennoch entschied sich Serbien im Dezember 2009 dazu, sich für eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union zu bewerben. 2012 wurde das Land offiziell als Kandidat angenommen.

Vor Eintritt in die mittlerweile 28 Mitgliedsstaaten zählende Europäische Union muss Belgrad  zahlreiche umstrittene Reformen durchführen, um zum Beispiel das Rechtssystem in Einklang mit EU-Standards bringen. Bei seinem letzten Treffen mit dem deutschen Botschafter zu Serbien forderte der Vize-Premier und Außenminister Ivica Dacic Deutschlands Unterstützung ein, sodass Brüssel die serbischen EU-Beitrittsverhandlungen frühestmöglich eröffne.

Dacic dankte daraufhin im Namen des serbischen Volkes Deutschland für die Unterstützung. Er hoffe, dass der kommende Besuch der Bundeskanzlerin in Belgrad die europäische Integration Serbiens beschleunigen werde.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version des Artikels war von 66 Prozent die Rede. Diese Prozentangabe war in dieser Form falsch und einem Tippfehler geschuldet. Tatsächlich handelte es sich um 61 Prozent der Befragten, die für eine nähere Anbindung an Russland plädierten. Die Prozentangaben beziehen sich jedoch auf zwei verschieden Fragen, einmal zur Haltung zur EU, einmal zu Russland.