"Die Antifa ist für den Ausfall der Klimaanlage verantwortlich" - Hinter den Kulissen des AfD-Parteitages

Quelle: Ruptly
Quelle: Ruptly
RT Deutsch Reporterin Anna Schalimowa hatte sich am Wochenende auf den Weg nach Essen zum Bundesparteitag der AfD gemacht und berichtet von ihren Eindrücken.

Mit rund 4.000 angemeldeten Mitgliedern sollte Essen am Wochenende den angeblich größten AfD-Bundesparteitag in der Geschichte der Bundesrepublik erleben. Eingetroffen sind schlussendlich lediglich 2.000 bis 3.000 Mitglieder.

"Für den Ausfall der Klimaanlage in der Messehalle ist die Antifa verantwortlich", mit dieser humoristischen Einlage wurde versucht die stickige Hitze des Tages zu ertragen. Ähnlich wie draußen, herrschten auch innen gefühlte 50 Grad im Schatten. Viele Mitglieder artikulieren gegenüber RT Deutsch ihren Wunsch, die wochenlange Schlammschlacht zwischen Lucke und Petry "ein für allemal aus der Welt zu schaffen".
Bis zuletzt sorgte Bernd Luckes "Partei in der Partei" für mediales Aufsehen und innerparteilichen Tumult. Der Bruch ging tief, die AfD schien am Scheideweg angekommen. An eine Zusammenarbeit der Parteivorsitzenden Lucke und Petry glaubte niemand mehr. "Zu sehr hat man sich in der Vergangenheit auf die persönlichen Differenzen konzentriert, jetzt wäre endlich wieder Zeit, sich mal mit den politischen Zielen der AfD zu befassen", so drückte ein anonym bleibendes AfD-Mitglied seinen Unmut gegenüber RT Deutsch aus.

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Doch Dialogbereitschaft zeigte an diesem Wochenende niemand. Die Fronten blieben verhärtet. Das Wahlergebnis sollte als Neuanfang dienen. Wer den Sieg davon tragen würde, war bis zuletzt unklar. Obwohl Lucke bei seinen Reden mehrfach durch Buhrufe unterbrochen wurde, erhielt der "Nicht-Teamplayer", wie er sich selbst nennt, ebenso einige Standing Ovations. Doch schlussendlich stimmten 60 Prozent der rund 3.000 Teilnehmer des Parteitags für die einstige Chemikerin Frauke Petry. Lucke unterlag bei der Vorstandswahl und erhielt lediglich 38 Prozent.

Nach ihrem Sieg erklärte die 40-Jährige in einem kurzen Interview mit RT Deutsch Reporterin Anna Schalimowa, sie als Naturwissenschaftlerin versuche bis zuletzt der steigenden Aufregung keinen Raum zu geben. Zwar konnte sie sich gegen den einstigen Parteifreund Lucke mehr als deutlich durchsetzen, aber die Mehrheit war für sie nach eigener Darstellung keine Selbstverständlichkeit. Zu stark war die Ungewissheit, ob die „zu wenig mobilisierten Mittel gegen die extern finanziell unterstützte Konkurrenz“ ausreichen würden.

Doch "Ein Parteiverein innerhalb der Partei“ ist für die frischgewählte AfD-Vorsitzende ein deutliches Ausschlusskriterium und „wer sich damit nicht arrangieren kann, muss die Partei konsequenterweise auch verlassen.“

Aber Interesse an einer Zusammenarbeit, "zwar nicht mit allen, aber mit dem Großteil aller  'Weckruf 2015'-Sympathisanten" bleibt von Petrys Seite aus weiter bestehen. Grund zur Sorge, die AfD könne nun stramm nach rechts rutschen, bräuchte man nicht zu haben. Abschließend erklärt die frischgewählte Parteivorsitzende:

"Das ist sie aber auch nie gewesen, wie Herr Lucke bereits heute morgen selbst bestätigte. Sie ist, war und bleibt eine liberal-konservative Partei, die schlussendlich ein breites Themenspektrum abdecken möchte und abdecken wird.
Ob Parteigründer Lucke der AfD weiterhin erhalten bleibt, scheint unklar. Allerdings wird nach dem Wahlergebnis mit einer hohen Austrittswelle gerechnet, bestätigten mehrere AfD-Mitglieder im Gespräch mit RT Deutsch.

Aus der Sicht der Anhäner von Petry sei Luckes Austritt ein Schritt in die richtige Richtung. So sagte kurz nach dem Wahlergebnis Petr Bystron, Vorsitzender des AfD Ausschusses für Europa und Außenpolitik in Bayern, zu RT Deutsch:

"Wir waren durch Lucke gelähmt. Einige Themen blieben gänzlich auf der Strecke. Der 'Weckruf 2015' hatte über die ganze Zeit immer mit einem Schreckgespenst geworben. Der Verein beschrieb die Partei bewusst in einem falschen Licht, stellte Umstände dar, die nicht gegeben waren."
Angesprochen auf seine Einschätzung der weiteren Entwicklung der AfD nach dem Parteitag antwortete er:
"Die AfD wird es weiterhin sehr schwer haben, es wird noch mehr auf uns eingedroschen werden und wir werden noch weiter in die rechte Ecke gedrängt, ob seitens der Medien oder der Politik. Uns bleibt jedoch nichts anderes übrig, als es aushalten, denn auch wir haben eine Daseinsberechtigung."