Ehud Barak: „Türkische Armee würde den IS in nur zwei Tagen vernichten“

Quelle: RT
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Die Organisation „Islamischer Staat“, die den Nahen Osten nach der Eroberung der zweitgrößten Stadt Iraks, Mossul, seit mehr als einem Jahr terrorisiert, sei überhaupt „nicht stark“, behauptete der ehemalige israelische Premierminister Ehud Barak in einem Interview mit RT. Bei einem ernsten Gegenschlag dürfte der IS schnell bezwungen sein, so Barak.

„Ich denke, der IS ist deshalb erfolgreich, weil er keiner kohärent koordinierten Anstrengung gegenübersteht, die ihn zerstören will. Technisch gesehen sind sie mit 30 000 bis 40 000 Kämpfern nicht stark. Sie kämpfen größtenteils nur mit Toyota-Pickups, auf die sie Maschinengewehre montieren“, erklärte der hochrangige israelische Politiker im Interview mit der RT-Moderatorin Oksana Boyko, die ihn in ihre Show „Worlds Apart“ einlud. Insgesamt sprach Barak 27 Minuten unter anderem über den iranischen Atomdeal, den er vehement ablehnt, aber auch über Israels Beziehungen zur absolutistischen Monarchie Saudi Arabien.

Ehud Barak, der als Soldat an vielen Kampfeinsätzen teilnahm, zählt zu den höchstdekorierten Offizieren der israelischen Armee. So glaubt er, dass der IS einfach überschätzt werde:

„Wahrscheinlich haben sie noch nicht einmal ein einziges Flugzeug oder einen Hubschrauber.“
Dennoch sei die Extremistenmiliz IS besser bewaffnet als fast jede Einheit, die gegen sie in der Region kämpfe. Auch der russische Präsident Wladimir Putin sagte erst kürzlich, der IS sei „besser bewaffnet als die irakische Armee“.

 Ehud Barak, von 2007 bis 2013 israelischer Verteidigungsminister (Screenshot: RT)
Ehud Barak, von 2007 bis 2013 israelischer Verteidigungsminister (Screenshot: RT)

Auf die Frage, ob er hinter dem Aufstieg des selbst ernannten „Islamischen Staates“ ausländische Gönner ausmachen könne, sagte der ehemalige Verteidigungsminister und stellvertretende Ministerpräsident im Kabinett von Benjamin Netanjahu, dass es ihm aktuell nicht möglich sei,  jemanden zu benennen, der den IS unterstütze.

Quelle: jaqian/CC BY 2.0

„Ich denke, dass der IS mit einem etwas koordinierten Engagement niedergemacht werden könnte. Es ist nicht leicht, aber es ist nichts Undenkbares. Es sind keine Riesen“, gab Barak gegenüber RT an und fügte hinzu, dass die weithin angenommenen operativen Kapazitäten der Extremistenmiliz reine „Übertreibungen“ seien.

„Im Grunde war das, was wir in Ramadi [eine Stadt in Zentralirak, die vom IS jüngst erobert wurde] und andernorts gesehen haben, ein Resultat des Unwillens der irakischen Armee zu kämpfen. Wenn eine Armee nicht kämpfen will, dann brauchst du nicht viel an Know-How, um zu gewinnen“, bemerkte der israelische Politiker. „Der IS hat bisher keine richtige Schlacht gekämpft“, fügte er hinzu.

Den einzigen starken Widerstand habe der IS in Kobane erfahren, wo kurdische Milizen um ihr Überleben kämpften. Schließlich griffen die USA mit schweren Luftangriffen ein. Laut Barak hätten bisher nur die Türken mit ihren Hunderten von Jahren der „Herrschaft“ in der Region und „einer Menge an Erfahrung“, „die [womöglich] richtige Vorgehensweise gegen den IS in Syrien“ beschrieben.

Quelle: al-Hayat Media/ Propagandaarm des IS

„Die Türken schlugen folgendes vor: Wir sind bereit, mit den US-Amerikanern gegen Daesh [ein arabisches Akronym für den „Islamischen Staat“] zu kooperieren, aber wir wollen nicht, dass Präsident Assad vergessen wird. Wir können nicht gegen den Islamischen Staat gewinnen und Assad noch glücklicher machen“, erklärte der israelische Politiker. Die Türkei betrachtet den IS nicht als Ursache für den Konflikt in Syrien, sondern als eines der sich zunehmend radikalisierenden Symptome des Bürgerkrieges.

„Wenn türkische Divisionen, die an der Grenze stationiert sind, in Kobane einmarschieren würden, dann wäre es [mit dem Islamischen Staat] innerhalb von zwei Tagen zu Ende“, schloss der ehemalige Militär.

 

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