Erstaunlicher Sinneswandel - Poroschenko nennt erstmals die Absetzung von Janukowitsch "verfassungswidrig"

Quelle: Ruptly
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Hat der aktuelle ukrainische Präsident Petro Poroschenko die Befürchtung, dasselbe Schicksal wie sein Amtsvorgänger Wiktor Janukowitsch zu erleiden? In einem überraschenden Schritt hat er das Verfassungsgericht der Ukraine aufgefordert, das Gesetz, mit dem der institutionelle Putsch gegen den Ex-Präsidenten im Februar vergangen Jahres legitimiert wurde, für verfassungswidrig zu erklären. Die USA sowie die EU hatten den verfassungswidrigen Charakter der Absetzung bisher immer bestritten.

In seiner Erklärung an das ukrainische Verfassungsgericht, die öffentlich einsehbar ist, schrieb der Präsident:

„Ich bitte das Gericht zu bestätigen, dass das Gesetz über die Entfernung von Wiktor Janukowitsch aus dem Präsidentenamt verfassungswidrig ist.“
Nach Meinung von Poroschenko war die Amtsenthebung des einstigen Präsidenten, aufgrund des gesetzlich verankerten Schutzes des Präsidententitels, verfassungswidrig. Er betonte zudem, dass das ukrainische Parlament im Februar 2014, als es dieses Gesetz verabschiedete, die Verfassung untergraben hätte.

Quelle:  Flickr / Mark SurmanCC-BY 2.0

Das jetzige Insistieren Poroschenkos, den Sturz des ehemaligen Präsidenten Janukowitsch als verfassungswidrig zu deklarieren, wirft einige Fragen nach der Motivation dahinter auf. So war es schließlich auch der aktuelle ukrainische Präsident, der persönlich an der Kampagne, die zum institutionellen Putsch gegen Janukowitsch führte, beteiligt.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass Poroschenkos aktuelles Agieren von der Angst motiviert ist, ein ähnliches Schicksal wie Janukowitsch zu erleiden.

Derweil kommentierte via Twitter auch Alexej Pushkow, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des russischen Parlaments, Poroschenkos überraschende Bitte an das ukrainische Verfassungsgericht:

„Poroschenko bestätigt die verfassungswidrige Entmachtung von Janukowitsch. Sowohl die EU wie auch PACE leugneten diese. Jetzt ist es anerkannt.“

Zwischenzeitlich erklärte Michail Saakaschwili, der aktuelle Gouverneur der ukrainischen Hafenstadt Odessa, das Land bräuchte bestenfalls 20 Jahre, um ein ähnliches wirtschaftliches Niveau zu erreichen, wie das zu Janukowitschs Zeiten im Jahr 2013.