"Sie töten die Zivilbevölkerung" - Ukrainischer Generalmajor bricht mit Kiew und wechselt zu den Volksmilizen

Quelle: Ruptly
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Am heutigen Montag hat der Generalmajor der ukrainischen Armee und einstiger Berater des Verteidigungsministeriums, Alexander Kolomiets, seinen Wechsel zu den Milizen der selbsternannten Volksrepublik Donezk bekannt gegeben. Da sich „die Kämpfe im Donbass gegen friedliche Einwohner richten, kann ich mein Amt unter den gegebenen Umständen nicht weiter fortführen“, verkündete er auf einer Pressekonferenz in Donezk.

Mehr als 19 Jahre war der ehemalige Verteidigungsberater unter Viktor Janukowitsch als militärischer Kommissar in der Donezker Region tätig. Die Situation in dem Gebiet hätte sich, wie der Generalmajor gemeinsam mit anderen ehemaligen Mitgliedern der ukrainischen Armee erklärte, nach Beginn der Anti-Terror Operation im Osten des Landes dramatisch verschlimmert.

Quelle:  Petr Shelomovskiy

Für den Militärexperten stecke hinter der aktuellen Regierung, „eine verbrecherische Kraft, die die Verantwortung für die Tötung der im Osten lebenden Zivilbevölkerung trägt.“ Darüber hinaus betont er:

„Das einzige worum die Einwohner vom Donbass gebeten haben, war der Erhalt der russischen Sprache und die Föderalisierung. Musste man dafür wirklich das Militär entsenden und von allen Seiten Städte und Dörfer unter Beschuss setzen, um die Bevölkerung zu töten?“
Auch wäre er, wie der Generalmajor weiter erklärte, nicht der einzige der seinen Posten innerhalb der ukrainischen Armee aufgegeben hätte. Mit dem Beginn der von Kiew entsandten Anti-Terror Truppen hätte sich „hunderte Soldaten und Offiziere“ gezwungen gesehen zurück in den Osten des Landes zu gehen, um dort die eigenen Familien zu verteidigen:
„Jetzt verteidigen sie mit Waffen in der Hand ihre Häuser.“
Noch viel mehr Soldaten und Offiziere wäre seiner Darstellung nach bereit, die Seiten zu wechseln, allerdings würden sie aus Furcht vor Strafaktionen gegen die Familienmitglieder in der Armee bleiben. Zudem erklärte Kolomiets weiter.
„Wer nicht einverstanden ist, wird eingesperrt. Deshalb haben viele einfach Angst.“

Im Vorfeld seiner Entscheidung habe somit auch er dafür gesorgt, dass seine Familie und Verwandschaft, die bereits Drohungen ausgesetzt war, Kiew zuvor verlassen konnte.

Der ehemalige Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums prophezeite trotz der aktuellen Lage im Donbass, eine Rückbesinnung seiner Kollegen. So gehe er davon aus, all diejenigen, die den Krieg gegen die eigenen Landsleute nicht weiter tolerieren können, „bald hierher zurückkehren“ werden.

Kolomiets Ansicht nach, ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis die ukrainische Armee vor dem personellen Aus stehen wird. So würde neben der „sehr schwachen Kampfmoral“ der Armeetruppen auch die Erkenntnis vieler Offiziere über den „verbrecherischen“ Krieg ihre Unlust zum Kämpfen weiter vorantreiben. Wirklichen Kampfgeist würden aktuell lediglich die Freiwilligenbataillone beweisen.

Derweil bestätigte per Twitter Wladislaw Selesnjow, Sprecher des ukrainischen Generalstabs, die Mitarbeit des Generalmajors Kolomoits beim Verteidigungsministerium. „Alexander Kolomiets war als Assistent von Dmitri Salamatin (bis 2012 ukrainischer Verteidigungsminister) tätig gewesen.“

Erst vergangene Woche hatte Oleg Tschernoussow, Chef des ukrainischen Zollamtes im Gebiet von Lugansk, der Regierung „Genozid“ vorgeworfen und war gemeinsam mit seiner Familie zurück in seine Heimatstadt im Donbass gezogen. Tschernoussows Angaben nach, profitieren an den kriegerischen Auseinandersetzungen vor Ort vor allem die radikalen Freiwilligenbataillone, die sich am Verkauf von Lebensmitteln in der Kampfzone bereichern.

 

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