Studie zur Lage der Nation: Israel hat größte soziale Schere in der OECD

Quelle: Sabine Löwenthal/CC BY-SA 2.0
Quelle: Sabine Löwenthal/CC BY-SA 2.0
Die Schere zwischen Arm und Reich in Israel klafft auseinander und nimmt immer dramatischere Züge an, behauptet eine neue Studie. Demnach seien Israels ohnehin schon Ärmste angesichts eines weiteren Zurückschraubens wichtiger staatlicher Sozialleistungen in den letzten Jahren noch ärmer geworden.

Die Israels Wirtschaftsleben umschreibende Studie „Ein Bild der Nation im Jahr 2015“ wurde am Donnerstag vom in Jerusalem ansässigen „Taub-Zentrum für sozialpolitische Studien“ veröffentlicht. Dabei verglichen die Wissenschaftler die wichtigsten wirtschaftlichen und sozialen Parameter Israels mit denen anderer Staaten der 33 Mitglieder zählenden Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD.

Quelle: RT

In Sachen wirtschaftlicher und sozialer Ungleichheit schnitt das „Heilige Land“ im Vergleich fast am schlechtesten ab, gab der Bericht zu verstehen. So rangiert Israel auf einem Niveau mit den USA und ist unter allen OECD-Staaten nur besser als Mexiko positioniert. Die Forscher des Taub-Zentrums machten unter anderem große demografische und Einkommensunterschiede sowie eine mangelnde Effektivität staatlicher Sozialprogramme als Gründe für die soziale Abwärtsspirale aus.

Zudem erhöhe der liberalisierte israelische Immobilienmarkt mit seinen rasant steigenden Mietpreisen Einkommensunterschiede. Dadurch konnten die wohlhabenden Schichten der jüdischen Gesellschaft - die reichsten 20 Prozent - allein durch Mieteinnahmen ihr Einkommen s verdoppeln, heißt es in der Studie.

Besonders der deutlich abgesackte Wert der sogenannten „Poverty Depth“ (zu Deutsch: „Armutstiefe“), ein Indikator dafür, wie das Verhältnis der Ärmsten zur Armutsgrenze ist, unterstreicht noch einmal die prekäre Lage, in der sich Hilfsbedürftige in Israel befinden. So liegt das Durchschnittseinkommen einer „Armenfamilie“ heute um 26 Prozent niedriger als die Armutsgrenze im Jahr 1992. Im Jahr 2010 gab es gegenüber dem Vergleichswert gar einen Absturz um 31 Prozentpunkte.

Auf der anderen Seite wurde festgestellt, dass der Verdienst des einfachen Arbeitnehmers in Israel wegen der Erhöhung des landesweiten Mindestlohnes schneller wachse als der von Reichen. Das dürfte allerdings nur ein kurzfristiger Trend sein.

Lächelnd zensierend - Israels neue Kulturminiserin Miri Regev. Quelle: Milner Moshe, CC BY-SA 3.0

Die Studie ergab jedoch auch, dass teure israelische Lebensmittel zur schwachen Kaufkraft der Bürger in beachtlichem Maße beitragen. Israelische Hersteller werden vor ausländischer Konkurrenz durch hohe Handelsschranken geschützt. Daher können sie ihre Preise beliebig anheben. Auch das Gesundheitssystem befinde sich wegen der niedrigen öffentlichen Ausgaben im OECD-Vergleich auf dem Weg in eine Krise.

Im Bildungssystem, vor allem auf den Hochschulen, hat sich Israel leicht verbessert. Obwohl das Land dennoch unter dem OECD-Durchschnitt liegt, haben Schüler und Studenten bessere Leistungen erbracht als in den Jahren zuvor, so die Studie.

 

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