Griechische Zentralbank warnt: Ohne baldige Einigung wird Ausscheiden Athens aus Eurozone und EU immer wahrscheinlicher

Quelle: Screenshot SM
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Die griechische Zentralbank hat in einer Stellungnahme verkündet, dass ein Ausscheiden Athens aus der Eurozone und aus der EU sehr wahrscheinlich sei, sollte sich eine Vereinbarung über die Freigabe gebundener Bailout-Zahlungen in Höhe von 7,2 Milliarden Euro nicht realisieren.

„Sollte der Versuch, eine Einigung herbeizuführen, scheitern, würde dies [...] den Beginn eines schmerzhaften Prozesses bedeuten, der unmittelbar in einen griechischen Staatsbankrott und den sofortigen Ausstieg des Landes aus der Eurozone sowie – höchstwahrscheinlich – aus der Europäischen Union führen würde“, hieß es in der Erklärung.

Die eigentlich beherrschbare Schuldenkrise, in der sich Griechenland derzeit befinde, so heißt es seitens der Zentralbank, könnte sich in eine unkontrollierbare und breitere Krise wandeln, die gefährliche Auswirkungen für das Bankensystem und die finanzielle Stabilität haben könnte. Ein Euro-Ausstieg würde in weiterer Folge eine Wechselkurskrise herbeiführen, die einen rapiden Anstieg der Inflation zur Folge hätte.

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„All dies würde in eine tiefe Rezession, einen dramatischen Abfall des Einkommensniveaus, eine exponentielle Steigerung der Arbeitslosigkeit und einen Kollaps all dessen zur Folge haben, was die griechische Wirtschaft über die Jahre hinweg in der EU, und vor allem in der Eurozone, als Mitglied erreicht hat“, argumentiert die Zentralbank und warnt:

„Von einer Position als Kernland Europas würde Griechenland auf den Rang eines armen Landes im Süden Europas zurückfallen.“
Aus diesem Grund, so die Zentralbank, sei eine Vereinbarung hinsichtlich der Schuldenkrise ein „historischer Imperativ“, der nicht ignoriert werden dürfe.

Die bereits seit fünf Monaten andauernden, zu keinem Ergebnis führenden Verhandlungen hätten in Griechenland zu einem hohen Maß an Unsicherheit geführt, die das Land hart treffe, so die Bank. Die höhere Effektivverzinsung bei griechischen Staatsanleihen und die Probleme griechischer Unternehmen, über die Kapitalmärkte Vorhaben finanzieren zu können, wären die Folge davon.

Zwischen Oktober 2014 und April 2015 seien insgesamt 30 Milliarden Euro an Guthaben von den Konten abgehoben worden. Ängste vor einem griechischen Euroausstieg eskalierten, als das Land am 5. Juni die fällige Zahlung von 300 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds verzögerte und ankündigte, die vier Zahlungen für Juni stattdessen zu bündeln und am Ende des Monats insgesamt 1,6 Mrd. Euro für den Schuldendienst zu entrichten.

Bislang gibt es in den Verhandlungen über Reformen, die als Hauptbedingung seitens der Geldgeber für die Gewährung der zweiten Tranche von 7,2 Mrd. für den Rettungskredit an Athen gelten, keine Einigung. Die Griechische Zentralbank erklärte jedoch, es könnte noch einen Kompromiss hinsichtlich der Hauptkonditionen und im Bereich kleinerer Streitfragen geben.

Griechenland will keine weiteren radikalen Ausgabenkürzungen akzeptieren, während die Hauptgläubiger – der IWF, die EZB und die Europäische Kommission – mehr an finanzieller Verantwortlichkeit von Griechenland verlangen.

Trotz einiger Abschreibungen seitens der Gläubiger im Jahre 2012 bleibt die Verschuldung der öffentlichen Hand in Griechenland mit 316 Mrd. US-Dollar und damit 175 Prozent des BIP außerordentlich hoch. Gemäß dem EU-Stabilitätspakt gilt ein Prozentsatz von 60 diesbezüglich als höchste akzeptable Größe.

Die Austeritätspolitik, die Griechenland im Gegenzug zu einem Bail-out-Programm abverlangt wurde, hat jedoch dazu geführt, dass seit 2008 die Arbeitslosigkeit von 12 auf 27 Prozent anstieg und das BIP um 26 Prozent gefallen ist. Die Steuerbelastung ist hoch und Tag für Tag, so Premierminister Alexis Tsipras, fallen immer mehr Menschen unter die Armutsgrenze. Seine Partei Syriza versprach im Wahlkampf ein Ende der Austeritätspolitik und konnte im Januar damit einen haushohen Wahlsieg einfahren.

Über die letzten fünf Jahre hinweg hat Athen die Pensionszahlungen um bis zu 44 Prozent gekürzt, die Einkommen in der Privatwirtschaft sanken um 32 Prozent und der Arbeitsmarkt kollabierte.