Israel will sich gegen IS-Angriffe mit „Schmutzigen Bomben“ wappnen

Quelle: IAEA Imagebank/CC BY-SA 2.0
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Israel hat eine Reihe von Bombentests durchgeführt, bei denen einem Bericht der israelischen Zeitung „Haaretz“ zufolge die Auswirkungen von radioaktiv „verschmutzten“ Bomben in „Feindeshand“ beobachtet wurden. Wappnet sich Israel gegen Angriffe seitens des „Islamischen Staates“?

Insgesamt führte das israelische Militär gemeinsam mit entsprechenden Forschungsinstituten zwanzig Detonationstest durch. Aus dem Bericht geht hervor, dass vor der kontrollierten Explosion Sprengstoffe, deren Gewicht von 250 Gramm bis 25 Kilogramm reichten, mit radioaktiven Substanzen wie dem medizinisch genutzen Stoff 99mTc, auch als Cardiolite bekannt, vermischt wurden.

Bei der sogenannten „Schmutzigen Bombe“ wird konventioneller Sprengstoff mit radioaktiven Stoffen kombiniert. Dennoch wird eine solche Bombe nicht als Kern- oder gar Massenvernichtungswaffe betrachtet.

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Die meisten Tests mit den „Schmutzigen Bomben“ wurden südlich der Negev-Wüste beim Dimona Kernforschungszentrum durchgeführt. Auf dem Gelände befindet sich ein Kernreaktor, der Experten zufolge dazu dient, Kernwaffen für die israelische Armee herzustellen.

„Die Forschungsergebnisse belegten, dass zwar hochgradige Strahlungen aus dem Explosionskern hervorgingen, die Streuung jedoch gering blieb, die durch die Luft getragen wurde“, stellten die Bombentester fest. „Offizielle aus dem Kernforschungszentrum behaupteten, dass die Bomben keine erhebliche Gefahr über eine besondere psychologische Wirkung hinaus darstellen“, konstatierte „Haaretz“.

Die Tageszeitung fügte hinzu, dass ganze sechs Tests unter dem Namen „Red House“ in einem Gebäude durchgeführt wurden. Dabei wurden mögliche Auswirkungen der Bombe auf überfüllten, öffentlichen Plätzen gemessen. Bei einem anderen Test wurden mit Wasser vermengte giftige Stoffe in die Lüftungsanlage eines zweistöckigen Hauses, das ehemals vom israelischen Heimatfrontkommando bewohnt wurde und nun für militärische Experimente benutzt wird, eingebracht, um mögliche Auswirkungen auf ein Einkaufszentrum zu simulieren. Doch auch dieser Test schien „nicht wirklich Erfolg versprechend“ zu sein. Im Ergebnis folgerten Offizielle, dass ein solcher Akt „aus der Sicht von Terroristen“ nicht wirksam wäre.

Die Experimente sind Teil eines seit 2010 laufenden Programms. Forscher teilten mit, dass die Tests für defensive Zwecke durchgeführt würden.

Quelle: jaqian/CC BY 2.0

Schon oft drohten Terroristen wie die al-Qaida Israel mit der Verwendung von „Schmutzigen Bomben”, doch noch keine einzige Gruppe verübte in Israel einen solchen Anschlag. Trotzdem bereitete die israelische Regierung die Bevölkerung durch regelmäßige Evakuierungsprogramme vor. Auch das Gesundheitsministerium hat 2006 Anweisungen für den Fall eines solchen Angriffs gegeben.

Im Dezember 2014 behaupteten Milizionäre des selbst ernannten „Islamischen Staates“, dass sie bei der Eroberung Mosuls potenziell nukleare Waffen erbeutet hätten. Diese sollen sich in der Universität Mosul befunden haben. Die Behauptungen konnten nicht bestätigt werden.

Kritiker fürchten unterdessen, dass die israelische Regierung die Angst vor Terroranschlägen auch politisch für sich nutze, um unter anderem eine verstärkte Überwachung oder Kontrolle der Bevölkerung durchsetzen zu können.