US-Soziologin wirft der CIA „Menschenversuche“ an Gefangenen vor

Quelle: Medill DC/CC BY 2.0
Quelle: Medill DC/CC BY 2.0
Der US-amerikanische Geheimdienst CIA soll nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht nur gefoltert, sondern auch menschenunwürdige Experimente an Gefangenen durchgeführt haben, offenbarte die Soziologieprofessorin Lisa Hajjar in einem Bericht für das US-Nachrichtenmagazin „The House“.

Die an der Universität von Santa Barbara, Kalifornien, unterrichtende Soziologie-Professorin hat in einem Report zur CIA festgestellt, dass Menschenversuche integraler Bestandteil des Folterprogramms des Auslandsgeheimdienstes der Vereinigten Staaten gewesen seien. Überdies betonte die Wissenschaftlerin, dass CIA-Verantwortliche, die sich seit 2001 systematisch an Menschenrechtsverbrechen beteiligten, auch nach der Veröffentlichung eines detaillierten Folterberichts durch den Senat im vergangenen Jahr, rechtlich bisher nicht verfolgt worden wären.

Hajjar schreibt in ihrem Artikel:

„Der experimentelle Charakter bei Befragungen und Inhaftierungstechniken, die von der CIA angewendet werden, ist im Bericht des Geheimdienstausschusses des Senats klar erkennbar, zumindest Standorte, wo diese grausamen Taten verrichtet werden - trotz Interventionen der CIA, um die Identität von Tätern zu vernebeln.“
Der Artikel enthüllt, dass die CIA extra zwei Psychologen, James Mitchell und Bruce Jessen, angeheuert haben soll, um für den Dienst das ideale Vernehmungs- und Inhaftierungsverfahren zu entwickeln. Die CIA verwendet das Verfahren heute wohl überall auf der Welt in ihren Geheimgefängnissen, auch „Black Site“ genannt, wo vermeintliche Terroristen festgehalten und verhört werden. Beide Psychologen haben jedoch weder militärische Erfahrung, noch waren sie bezüglich al-Qaida oder relevanter kultureller Eigenheiten bewandert.

Folterbericht: Ist die CIA längst zum „Staat im Staate“ geworden?

Najjar schreibt, dass die Psychologen die Auswirkungen von Folter auf US-amerikanische Kriegsgefangene untersuchten. Zudem erforschten die Psychologen, ob die Theorie der „erlernten Hilflosigkeit“ aus Experimenten an Hunden auch auf Menschen, besser: Feinde, übertragen werden könne.

Um eben jene Theorie in der Praxis ausprobieren zu können, mussten Mitchell und Jessen persönlich mittels Techniken, die „mentale Schwäche, Verwirrung und Angstzustände projizieren“, Hand anlegen.

Mindestens 38 Menschen wurden im Zeitraum zwischen April 2002 und 2008, als das Programm beendet wurde, gezielt diesen Techniken unterzogen. Hajjar schrieb: „Die Ergebnisse wurden [vom CIA] methodisch dokumentiert und analysiert. Das ist die Lehrbuchdefinition der Menschenversuche.“

 

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