Neuer Fall antirussischer Hetze von TAZ bis FAZ - Die Mär vom verbotenen Oktoberfest in Russland

Beliebt in München und anderswo: Das Oktoberfest. Foto Quelle: Gutsul cc
Beliebt in München und anderswo: Das Oktoberfest. Foto Quelle: Gutsul cc
Wie der "bildblog" kürzlich dokumentiert hat, macht ein neuer Mythos über Russland derzeit die Runde in den deutschen Medien. Es geht um den Vorwurf, russische Behörden hätten die Ausrichtung eines Oktoberfests untersagt, da dieses "antirussisch" sei. So wird zunächst von TAZ und dpa Alexej Nemerjuk, der Sprecher der Moskauer Stadtverwaltung, dementsprechend (falsch) zitiert. Die Geschichte machte dann die Runde durch fast alle deutschen Medien. Ein Blick auf das Originalzitat zeigt jedoch, all dies war frei erfunden. Wie lautete nochmals das "Unwort des Jahres" 2014?

Die Liste der deutschen Medien, die die Geschichte vom "verbotenen Oktoberfest in Moskau" ungeprüft aufgenommen und verbreitet haben, ist eindrucksvoll und wird von bildblog wie folgt angegeben:

Der journalistische Ansatz der TAZ gegenüber RT: Kein Bock auf Recherche

Bild.de, „Focus Online“, FAZ.net, „Zeit Online“, Stern.de, N24, News.de, „Shortnews“, T-Online, auf den Seiten der „Siegener Zeitung“, des „Handelsblatts“, der„Schweriner Volkszeitung“, des „Kölner Stadt-Anzeigers“, der „Mittelbayerischen“, der „Kölnischen Rundschau“, der „Emder Zeitung“, des „Trierischen Volksfreunds“, der „Mitteldeutschen Zeitung“, der „Augsburger Allgemeinen“, der „Stuttgarter Nachrichten“, der „Berliner Morgenpost“, der „Welt“, der „Passauer Neuen Presse“, der „Westdeutschen Zeitung“, der „Abendzeitung“, der „Süddeutschen Zeitung“, der „Frankfurter Neuen Presse“, des „Berliner Kuriers“, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, der „Freien Presse“, der „Dattelner Morgenpost“, der „Frankfurter Rundschau“, der „Lübecker Nachrichten“, der „Stuttgarter Zeitung“, der „Ruhr Nachrichten“, der „Saarbrücker Zeitung“, des „Express“, der „Südwestpresse“, des „Greenpeace Magazins“, der „Münsterlandzeitung“, des „Merkur“, der „Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen“, des „Nordkuriers“, des „General Anzeigers“, des „Berchtesgadener Anzeigers“, der „Neuen Presse“, der „Schwäbischen“ und der „Berliner Zeitung“.

Auch liefert die Publikation eine eindrucksvolle Zusammenstellung entsprechender Artikelüberschriften.

Doch was ist dran am Mythos des in Russland verbotenen Oktoberfestes? Nicht viel, beziehungsweise gar nichts. Das Originalzitat der russischen Nachrichtenagentur Interfax, auf die sich die Vorwürfe beziehen, lautet übersetzt:

"In Moskau ist eine Veranstaltung im Sinne des Oktoberfestes nicht geplant, teilte der Leiter der Moskauer Abteilung für Handel und Dienstleistungen, Alexei Nemerjuk, am Mittwoch mit.

„Sicher ist: Es gibt keine Pläne für ein Bierfestival“, betonte Nemerjuk. Das Oktoberfest sei eine „historische Gegebenheit“ für die Deutschen. In Russland gebe es solch eine Tradition nicht. „Es gab keine Anfrage von Seiten der Bierhersteller und eine Tradition gibt es auch nicht“, so der Beamte.

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Laut seiner Aussage startet im Sommer jedoch das Festival „Moskauer Konfitüre“, das bereits vergangenes Jahr durchgeführt wurde. Im Herbst erwarte die Bevölkerung das Festival „Goldener Herbst“ und Ende des Jahres die traditionelle Veranstaltung „die Reise zum Christfest“."

Weder wurde also ein Oktoberfest in Moskau verboten, noch wurde es von den Behörden als "antirussisch" bezeichnet. Es gab schlichtweg keine Anfrage für die Ausrichtung einer solchen Veranstaltung. In der Tat gehören Oktoberfeste, wie in vielen anderen Ländern der Welt auch, in Russland zum festen Bestandteil der Unterhaltungskultur.

Auffällig ist jedoch, wie sensationshungrig weite Teile der deutschen Medienlandschaft den vermeintlichen Skandal aufnahmen und reproduzieren. Ob es sich hierbei nur um unsaubere Recherche handelt, kann angezweifelt werden. Vielmehr sahen viele Schreiber sich wohl durch eine solche Nachricht in ihren anti-russischen Vorurteilen bestätigt. Eine Notwendigkeit der Richtigstellung oder gar Entschuldigung bei ihren Lesern, für die falsche Darstellung sehen bis heute keine der beteiligten Redaktionen.