LINKE fordert Korruptionsuntersuchung über WM-Vergabe 2006 an Deutschland

LINKE fordert Korruptionsuntersuchung über WM-Vergabe 2006 an Deutschland
Der Vorsitzende der Linkspartei Bernd Riexinger hat gefordert, dass auch die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland aufgearbeitet werden sollte. Laut der Linken macht es keinen Sinn, „sich ausschließlich an Blatter und Russland“ abzuarbeiten, denn "auch vor dem Sommermärchen hat es Verdachtsmomente gegeben“. Zuvor hatte bereits der wiedergewählte Fifa-Präsident Joseph Blatter Anspielungen gemacht, dass es 2006 zu Manipulationen von deutscher Seite gekommen war.

Riexinger argumentierte gegenüber der Rheinischen Post:

"Wer den Fifa-Sumpf trocken legen will, der muss alles auf den Tisch packen und darf sich nicht ausschließlich an Blatter, Russland und Katar abarbeiten."
In Anspielung auf die Vergabe der Fußball-WM 2006 an Deutschland führte er weiter aus:
"Wer glaubt, die in der Fifa-DNA angelegte Korruption hätte ausgerechnet um die WM 2006 einen Bogen gemacht, der will den Fifa-Sumpf nicht austrocknen, sondern mit dem Finger auf andere zeigen."

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Schon 2003 habe es Verdachtsmomente gegeben, diese müssten jetzt wieder auf den Tisch. Der DFB solle selber aktiv werden und nicht auf die amerikanischen Justizbehörden warten, sagte der Linken-Chef abschließend.

Es war der umstrittene und am vergangenen Freitag wiedergewählte FIFA-Präsident Blatter selbst, der bereits vor einigen Jahren auf mögliche Korruption bei der Vergabe 2006 hingewiesen hatte.

Angesprochen in einem Interview im Jahr 2012 mit der Schweizer Zeitung Sonntags-Blick auf möglicherweise "gekaufte Weltmeisterschaften" entgegnete er:

"Gekaufte WM […], da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ. Und man so statt 10 zu 10 bei der Abstimmung ein 10 zu 9 für Deutschland hatte."
Tatsächlich hatte der Neuseeländer Charles Dempsey unter bis heute ungeklärten Umständen den Abstimmungsraum genau in dem Moment verlassen, als es einen Stimmengleichstand zwischen Deutschland und Südafrika gab. Danach wurde erneut gewählt und Deutschland verfügte „plötzlich“ über eine Stimme mehr und erhielt in Folge den Zuschlag zur WM.

Blatter antwortete damals auf die Nachfrage des Journalisten, ob er dahinter einen Korruptionsskandal vermutet, mit der beinahe parodistisch anmutenden Erwiderung:

"Nein, ich vermute nichts. Ich stelle fest. Ich bin froh, musste ich keinen Stichentscheid fällen. Aber, na ja, es steht plötzlich einer auf und geht. Vielleicht war ich da auch zu gutmütig und zu naiv."

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Derweil rief Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) via ihrem Regierungssprecher Steffen Seibert den Weltfußballverband "zur restlosen Aufklärung" auf:
"Es kann in dieser Situation nur einen Weg geben, und der Weg heißt Aufklärung und zwar bis auf den Grund der Vorwürfe. Und dann müssten die entsprechenden rechtlichen Konsequenzen gezogen werden."
Es bleibt abzuwarten, ob die Worte des Regierungssprechers auch selbstkritisch auf Deutschland bezogen waren, oder in Anmaßung moralischer Überlegenheit lediglich Russland und Katar galten.