Dschihadisten erobern letzte Militärbasis der Assad-Regierung in der Provinz Idlib - Gefahr für russische Marinebasis Tartus?

Quelle: Sceenshot aus einem Propaganda-Video der al-Nusra-Front bei Ariha
Quelle: Sceenshot aus einem Propaganda-Video der al-Nusra-Front bei Ariha
Die Rebellenformation Dschaisch al-Fatah hat am Donnerstag mitgeteilt, dass sie die letzte Militärbasis der syrischen Regierung in der nordwestlichen Provinz Idlib nach heftigen Kämpfen erobert habe. In weiterer Folge könnten die Rebellen auf Latakia vorrücken. Dort in der Nähe befindet sich auch die russische Marinebasis Tartus.

Nach tagelangen Gefechten zwischen Regierungstruppen und Milizen der Opposition, deren Reihen sich mittlerweile nicht selten aus Dschihadisten zusammensetzen, vermochte es Dschaisch al-Fatah (zu Deutsch: die „Eroberungsarmee“), die gesamte Provinz Idlib unter ihre Kontrolle zu bringen. Am heutigen Freitag wurde die letzte Militärbasis der syrischen Regierung in Ahira eingenommen. Die einst 800.000 Einwohner zählende Stadt ist nicht weit entfernt von der Küstenprovinz Latakia am Mittelmeer, die als Hochburg der Familie Baschar al-Assads gilt und die Regierung in Damaskus mit überlebenswichtigen maritimen Versorgungsrouten verbindet. Zudem beherbergt sie die russische Marinestützpunkt Tartus, den einzigen den die Russische Marine im Mittelmeer unterhält.

Quelle: Screenshot von einem IS-Propagandavideo

Syrischen Quellen zufolge, darunter Kämpfern der Gruppe Ahrar al-Scham, sollen die Kämpfe im Stadtzentrum noch andauern, obwohl wichtige Kontrollpunkte, die lange von Regierungstruppen gehalten wurden, sich nunmehr in den Händen der syrischen Opposition befinden. Dabei sei es zu großen Verlusten auf beiden Seiten gekommen.

Das folgende Video zeigt die Gruppe Ahrar al-Sham, wie sie an der Offensive auf die Stadt teilnimmt. Die Aufnahmen stammen von einem der stark umkämpften Stadtränder Arihas:

Dieses Video soll zeigen, wie Milizionäre, ebenfalls von Ahrar al-Sham, in den Stadtkern von Ariha eindringen:

Analysten glauben, dass Damaskus mit dem Verlust Arihas die Initiative auf eine Rückeroberung der Provinz Idlib endgültig verloren habe und die „Eroberungsarmee“ konsequent weiter auf Latakia vorrücken werde.

Unterdessen kommt es immer wieder zu heftigen Scharmützeln zwischen der al-Fatah-Armee und Milizen des selbst ernannten „Islamischen Staates“ in der Provinz Homs und östlich von Idlib. Der „Islamische Staat“ betrachtet die Präsenz einer rivalisierenden Rebellenformation in Syrien als Problem für die eigenen Expansionsbestrebungen.

Die Dschaisch al-Fatah, eine Koalition bestehend aus verschiedenen syrischen Oppositionsgruppen, maßgeblich bestehend aus der salafistischen Organisation Ahrar al-Scham und dem syrischen al-Qaida-Ableger al-Nusra-Front, wurde Anfang 2015 von der sich ebenfalls jüngst herausgebildeten „sunnitischen Allianz“ Türkei-Katar-Saudi Arabien gegründet. Die mehrheitlich sunnitischen Staaten scheinen einander wechselseitig in einem lockeren Bündnis gegen den wachsenden Einfluss des schiitischen Irans in Syrien, Irak und Jemen zu unterstützen.

Quelle: Giuseppe Milo/CC BY 2.0

Dem englischsprachigen Nachrichtenportal Middle East Eye zufolge sollen allein 40 Prozent der Finanzmittel der Dschaisch al-Fatah aus Saudi Arabien und Katar stammen. Zusätzlich ist der Einfluss Ankaras auf die Rebellen alles andere als unerheblich. Die Türkei gilt als der entscheidende Koordinator der Al-Fatah-Armee. Ankara betrachtet den alawitischen Präsidenten Syriens als außenpolitisches Problem und als Ursache für die Entstehung des sunnitischen Extremismus. Unterdessen rufen Fernsehkommentatoren des in Katar betriebenen Senders Al-Jazeera offen zum Genozid an der alawitischen Minderheit in Syrien auf.

Im seit vier Jahren anhaltenden Bürgerkrieg starben rund 250 000 Menschen. Rund neun Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen.