Wegen Beteiligung an BILDBOYKOTT: Edeka-Einzelhändler von Pressevertrieb bestraft und darf nicht mehr beliefert werden

Wegen BILDBOYKOTT künftig ganz ohne Zeitungen und Zeistriften: Der Heymer Edeka - Quelle: facebook
Wegen BILDBOYKOTT künftig ganz ohne Zeitungen und Zeistriften: Der Heymer Edeka - Quelle: facebook
Edeka Heymer hat auf Facebook bekannt gegeben, dass dem Lebensmittelhändler bei Chemnitz fortan vom Mitteldeutschen Pressevertrieb die komplette Belieferung mit Zeitungen und Zeitschriften verweigert wird. Der renitente Einzelhändler beteiligt sich seit Ende März am Verkaufsboykott gegen BILD, den einige Händler in Deutschland im Zuge der Germanwings-Berichterstattung ausriefen. Jetzt scheint Springer zurückzuschlagen und nimmt die kleinen Einzelhändler ins Visier.

Widerstand kann Konsequenzen haben. So auch für den Edeka Heymer im sächsischen Chemnitz. Wie zahlreiche andere Einzelhändler weigert sich das Geschäft seit Ende März das Kampagnen- und Boulevard-Blatt BILD aus dem Hause Springer zu verkaufen. Ausgangspunkt dieser Entscheidung war die als hetzerisch wahrgenommene Berichterstattung in Bezug auf die Tragödie des Germanwings-Absturzes und die damit verbundene grobe Verletzung journalistischer Standards. Für diese Entscheidung wurde der Laden nun mit einer Kündigung des gesamten Print-Medien-Sortiments bestraft. Da bei so genannten Grossisten, den Lieferanten von Druckerzeugnissen der großen Verlage, ein Gebietsrecht gilt, darf auch kein anderer Pressevertrieb den Edeka in Heymer künftig beliefern. Doch die Sachsen bleiben standhaft und schrieben vergangene Woche auf Facebook:

Nach Germanwings-Berichterstattung: Boykottkampagne gegen die BILD-Zeitung weitet sich aus
"Sehr geehrte Kundschaft,

heute Morgen nun erreichte uns die Kündigung des MITTELDEUTSCHEN PRESSEVERTRIEBES! Mit der Begründung, dass wir uns standhaft weigern die BILD Zeitung zur Auslage zu bringen. Gekündigt wurde die Belieferung zum 22.05.2015 . Da es ein Gebietsrecht gibt, dürfen wir uns von keinem anderen Grossisten beliefern lassen, das heißt wir dürfen uns ab sofort keine Zeitschriften von einem Pressevertrieb liefern lassen. Für alle Freunde der Printmedien heißt es nun, bitte zum Kiosk gehen. Dieser befindet sich aber direkt neben unserem Haupteingang. Somit müssen Sie keinen Umweg machen. Wir hoffen, dass unsere treue Kundschaft Verständnis hat und die 3 Schritte zum Zeitschriftenhändler gegenüber kein großer Umstand sind.

Desweiteren haben wir uns überlegt die frei gewordene Fläche sinnvoll zu nutzen. So wird in den nächsten Tagen dort ein Sortiment an Kinderbüchern, Malbüchern und Bestsellern ausliegen."

Ebenfalls am #BILDBOYKOTT beteiligte sich die Poststelle in Rutesheim. Dort entschied man sich das nicht-kommerzielle Politmagazin free21 in die Auslage mit aufzunehmen, das im Verkaufsregal die Stelle der BILD eingenommen hat.

Im Zuge zahlreicher Boykottaufrufe gegen Springers BILD wurde am 11. April 2015 auch eine Protestkundgebung vor dem Axel Springer Haus in Berlin abgehalten. RT Deutsch berichtete live: