Mehr Unabhängigkeit von den USA? Deutschland, Frankreich & Italien entwickeln eigenes Drohnenprogamm

Quelle: Chad Slattery/ Gemeinfrei
Quelle: Chad Slattery/ Gemeinfrei
Deutschland, Frankreich und Italien haben sich darauf geeinigt, ein europäisches Drohnenprogramm ins Leben zu rufen, um die eigene Abhängigkeit von US-amerikanischer und israelischer Drohnen-Technologie zu verringern. Im Jahre 2025 soll die erste gänzlich in der EU gebaute Drohne funktionsfähig sein. Europäische Rüstungskonzerne sprechen von einem "Wendepunkt für die europäische Verteidigungs- und Sicherheitsagenda".

„Es ist ein sehr wichtiger Schritt für die europäische Zusammenarbeit“, so der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian bei der gemeinsamen Unterzeichnungsfeier mit seinen deutschen und italienischen Kollegen und betonte darüber hinaus: „Wir müssen diese Form der Zusammenarbeit, die so wichtig ist wie diese, in vielen Bereichen etablieren.“

Bereits 2013 hatten sich die drei Länder darauf geeinigt, ein gemeinsames Projekt zur Schaffung eines unbemannten Luftfahrzeuges (UAV) ins Leben zu rufen. Am Montag kam man überein, ein auf zwei Jahre anberaumtes technisches Assessment abzuhalten, um die Basis für eine europäische Drohne schaffen, die in zehn Jahren funktionstüchtig sein soll.

Quelle: U.S. Air Force photo by Lt Col Leslie Pratt

Das EU-Drohnenprojekt „macht uns, die Europäer, unabhängig“, betonte Deutschlands Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und führte weiter aus:

 „Das Ziel der Euro-Drohne ist es, dass wir Europäer selbst entscheiden können, wo wir diese aufbewahren und wie wir sie benutzen.“
Ziel des gemeinsamen Projekts zwischen Paris, Berlin und Rom ist es, eine MALE-Drohne, also eine für lange Strecken ausgerüstete Drohne zu produzieren, die in mittlerer Flughöhe operiert und in der Lage ist, bis zu 24 Stunden in einer Höhe von bis zu 9000 Metern zu operieren und eine „Vielfalt an Ladung“ zu transportieren.

Das Luftfahrzeug soll sowohl für zivile Ziele wie Grenzkontrolle, Brandbekämpfung und Katastrophenüberwachung als auch für militärische Zwecke eingesetzt werden können.

Entwickeln sollen die Drohne die Unternehmen Airbus, Dassault aus Frankreich und die italienische Firma Alenia Aermacchi. Die drei Unternehmen begrüßten die Einigung zwischen ihren Regierungen.

„Dieser wichtige Schritt von Regierung und Industrie erkennt in deutlicher Weise an, dass Souveränität in der Entwicklung neuer Systeme und vor allem in der militärischen Aufklärung und unbemannten Luftfahrt von strategischer Wichtigkeit für die europäische Sicherheit sind“, betonte Bernard Gerwert, der CEO von Airbus Defence and Space.

Eric Trappier, der CEO von Dassault Aviation, betonte:

„Europäische Länder müssen eine souveräne MALE UAS Lösung der nächsten Generation sowohl für militärische als auch für sicherheitspolitische Missionen entwickeln, so wie es unsere Armeen verlangen.“
Die nächste Generation der MALE UAS stelle einen Wendepunkt für die europäische Verteidigungs- und Sicherheitsagenda dar, erklärte wiederum Mauro Moretti, der CEO von Finmeccanica. „Diese Initiative ist eine einzigartige Chance, um einen gemeinsamen Weg zu beschreiten, der auf erwiesenen industriellen Führungsqualitäten, vereint für ein gemeinsames Ziel, beruht.“

Bislang nutzen europäische Länder meist Langstreckendrohnen aus ausländischer Produktion. Großbritannien, Italien und Frankreich verwenden in den USA gebaute Reaper-Drohnen, Deutschland und Frankreich setzen zudem auf  in Israel hergestellte Typen.