Riskante Reise - an Bord des iranischen Frachters Iran Shahed mit Christoph Hörstel

An Board der Iran Shahed - Quelle: Chr. Hörstel
An Board der Iran Shahed - Quelle: Chr. Hörstel
Seit Montagabend ist eine Hilfslieferung mit Nahrungsmitteln und humanitären Gütern an Board des iranischen Frachters "Iran Shahed" Richtung Jemen unterwegs. Auf dem Schiff befinden sich circa 20 Mann Besatzung und etwa 45 Gäste, davon eine Handvoll Chirurgen und etwa acht internationale Journalisten, unter anderem aus Frankreich, den USA und Christoph Hörstel aus Deutschland, der täglich via Satellitentelefon von seinem Einsatz berichtet.

Die 1200 Tonnen Reis, 700 Tonnen Mehl, 400 Tonnen Dosennahrung, 100 Tonnen Zelte & Decken, 60 Tonnen medizinische Hilfsgüter und 50 Tonnen Wasser werden dringend gebraucht. Der iranische Rote Halbmond, das Äquivalent zum Roten Kreuz, hatte im April schon versucht, über den Luftweg die Güter zu liefern, was jedoch durch saudischen Beschuss des Landflughafens verhindert wurde. Auf ihrem umständlichen und gefährlichen Seeweg wird die Iran Shahed von von einer iranischen Fregatte gesichert, die von Präsident Rouhani den klaren Auftrag bekam: “Jeder Angriff auf das Schiff werde als Angriff auf den Iran betrachtet.”

 Unter Kollegen - Quelle: Chr. Hörstel
Unter Kollegen - Quelle: Chr. Hörstel

Auf die vielgestellte Frage: 'Warum nehmen Sie teil an dieser Fahrt?' antworten die Journalisten an Board unisono: „Ich möchte mithelfen, dass die Welt von den kriminellen und blutigen Massakern der US-gestützte Saudis an der jemenitischen Bevölkerung erfährt. Und ich möchte mithelfen, dass die Hilfsgüter an Bord die Menschen im Jemen erreichen.“

Dabei ist unklar, wann bzw. ob der Frachter in Jemen ankommen wird. Im Internetportal Press.tv war die Warnung des stellvertretenden Leiters der Iranischen Luftwaffe Brigadegeneral Masoud Jazayeri zu lesen, dass im Falle einer Blockade der Hilfslieferung durch Saudi Arabien, den USA oder ihrer regionalen Partner, würden sie damit "eine Feuer entfachen, das sie nicht löschen können."

 Die Iran Shahed - Quelle: Chr. Hörstel
Die Iran Shahed - Quelle: Chr. Hörstel

 

Nun soll "Iran Shahed" inspiziert werden. Saudi Arabien besteht darauf,  dass die Güter von der UN verteilt werden sollen. Diese Forderung  scheint den Journalisten an Board eine groteske Bigotterie. Wurden denn die saudischen Masaker gegen die Jemeniten mit Zustimmung der UN begangen? Die Journalisten führen nun eigene Inspektion auf dem Schiff durch.

Christoph Hörstel schrieb am Mittwoch dazu:

"Die Saudis haben angekündigt, dass sie unser Boot inspizieren wollen. Niemand kann jetzt sagen, ob die Inspektoren bewaffnet sein werden, wie genau diese Inspektion vonstatten gehen wird – und ob wir tatsächlich in Ruhe den jemenitischen Zielhafen Hudaideh anfahren dürfen. Und wenn: Sollte die saudische Waffenruhe dann enden – werden wir im Hafen bombardiert? – Oder die Transportfahrzeuge, die die dringend benötigten Lebensmittel, Decken & Zelte, medizinischen Hilfsgüter zu den Bedürftigen Zivilisten transportieren?"

Gestern Nachmittag postete Hörsel auf seiner Facebook-Seite: "Alles ruhig an Bord der Iran Shahed"
"Selbstverständlich werden mögliche Inspektionsszenarien hier lebhaft diskutiert. Grundstimmung ist, dass die Idee einer US-/saudischen Inspektion eine Zumutung darstellt, angesichts der multikriminellen Verwicklungen dieser Länder. Hingegen wären Inspektionen durch UN- oder IKRK-Kräfte hoch willkommen, weil dadurch der typisch amerikanische Verdacht eines Waffenschmuggels, übrigens ein typisch amerikanisches Geschäft! – vom Tisch wäre."
 Das Lotsenboot - Quelle: Chr. Hörstel
Das Lotsenboot - Quelle: Chr. Hörstel

"CNN hat gemeldet, unser Schiff werde von der iranischen Marine eskortiert – und unnötigerweise fügte US-General Burns hinzu, diese Eskorte sei unnötig. Beide Sichten sind falsch: Wir werden NICHT eskortiert, weil die entsprechende iranische Fregatte bereits vor Aden/Jemen kreuzt – und mir wäre wohler, wenn wir diese Eskorte hätten, weil es hier Piraten gibt – und im Ostjemen hält „Al-Qaida“ weite Landstriche unter Kontrolle, von dort aus könnte auch Gefahr drohen. Aber da sind wir ja noch längst nicht, vorerst fahren wir noch an der omanischen Küste entlang im Arabischen Meer."

 

 

 

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