OECD: Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland problematisch hoch

OECD: Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland problematisch hoch
Die OECD hat in ihrem jüngsten Bericht zur Arbeitslosigkeit Deutschlands relativ hohe Zahl an Langzeitarbeitslosen moniert. Doch was übersieht diese Statistik?

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat am Mittwoch in ihren Beschäftigungsausblick für 2015 veröffentlich. Darin werden die Arbeitslosenquoten für 34 Industrienationen nach internationalen Maßstäben berechnet.

Insgesamt sieht die Organisation Deutschland zwar auf einem guten Weg, aber dass fast die Hälfte der deutschen Arbeitslosen seit über einem Jahr ohne Job sind, stellt für die OECD einen Grund zur Sorge dar. Und das, obwohl die berechnete Arbeitslosenquote mit nur 5,1 Prozent deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 7,4 Prozent liegt. Im Vergleich zum Euro-Raum mit 11,6 Prozent beträgt sie sogar fast nur die Hälfte.

Die OECD umfasst 34 Mitglieder, darunter viele EU-Staaten, von Irland bis Griechenland, die USA, Japan, Mexiko und seit 2010 auch Slowenien und Estland. Die wenigstens sind als Wohlfahrtstaaten bekannt. Skandinavien mit den derzeit höchsten sozialen Standards ist jedoch auch vertreten.

Die Zahlen belegen, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Deutschland kontinuierlich gesunken ist, während sie in Ländern wie Spanien und Italien explosionsartig angestiegen sind.

"Seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 ist sie so stark zurückgegangen wie in keinem anderen OECD-Land", erklärte die Organisation. „Sie ist allerdings immer noch wesentlich ausgeprägter als im Rest der OECD."
Annähernd 45 Prozent aller Arbeitslosen in Deutschland sind schon länger als ein Jahr ohne Job, im OECD-Schnitt sind dies nur 35 Prozent.

 Arbeitslosenrate im 1. Quartal 2014 - Quelle: OECD
Arbeitslosenrate im 1. Quartal 2014 - Quelle: OECD

Das klingt zunächst erschreckend, ist es für die Betroffenen auch. Weltweit betrachtet ist der Lebensstandard in Deutschland allerdings (noch) hoch.

"Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist relativ gering", heißt es in der Studie. "Zudem sichert das deutsche Sozialsystem Arbeitslose und ihre Familien effektiv ab."
Die Arbeitslosigkeit insgesamt ist in Deutschland auf einem vergleichsweise niedrigem Stand. Die Beschäftigungsquote gehört zu den höchsten innerhalb der Industriestaaten: 73,4 Prozent der erwerbsfähigen Personen hätten einen Job. Auch der Durchschnittsverdienst in Deutschland zählt zu den höchsten im OECD-Raum, während die Einkommensungleichheit vergleichsweise gering sei.

Allerdings sind deutsche Arbeitnehmer besonders gestresst. Die Sicherheit von befristeten und unbefristeten Arbeitsverhältnissen unterscheiden sich oft. Aus befristeten Anstellungen wird nur selten ein permanenter Job.

"Deutschland sollte daher Programme ausweiten, die Langzeitarbeitslosen gezielt Lohnsubventionen, Beratung, Weiterbildung und Weiterbetreuung im neuen Job anbieten", empfiehlt OECD-Expertin Kristine Langenbucher.

'Lohnsubventionen' - cui bono?