Kein Frühtau mehr zu Berge - GEMA stoppt singenden Senioren-Kreis

Foto Quelle: Bayernpartei
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Wie die Schleswiger Nachrichten berichten hat die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) eine neue Einnahmequelle entdeckt: Singende Senioren. Den Rentnerinnen kam man beim Durchsuchen der örtlichen Zeitungsanzeigen auf die Schliche. Nun fühlt sich der Singkreis unter Druck gesetzt und wird seine Aktivitäten einstellen.

Deutschland, einig GEMA-Überwachungsland. Helga von Assel und ihr rüstiger Seniorenkreis wollte eigentlich nur im kleinen Rahmen Volkslieder singen. „Hoch auf dem gelben Wagen“, „Im Frühtau zu Berge“ - mit klassischem Liedgut vertrieben sich die Seniorinnen bei Kaffee und Kuchen gemeinsam die Zeit. Eigentlich eine schöne Sache, die niemanden stören sollte.

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Außer die GEMA. Die Verwertungsgesellschaft, die in Deutschland immer wieder negative Schlagzeilen produziert, durchforstet nach Angaben ihrer Sprecherin Gaby Schichler täglich systematisch tausende Kleinanzeigen in Lokalblättern. Auch von Assels Singkreis hatte in einem solchen für das Senioren-Treffen geworben und Interessierte eingeladen. Da roch die GEMA Lunte, die sich für alle öffentlichen Veranstaltungen, bei denen Musik im Spiel ist, als Abkassierer zuständig fühlt. Dass die alten Damen dabei weder auf CD-Spieler noch Tonträger zurückgreifen, spielt für die Urheberrechts-Spione keine Rolle. 24,13 Euro pro Singtreff und alle Veranstaltungen künftig vorher bei der GEMA anmelden, so die Ansage.

Für Helga von Assel und ihre Freundinnen ist das zu viel Druck. Sie fühlen sich der Auseinandersetzung mit der GEMA nicht gewachsen und wollen ihren Singkreis nun einstellen. Am kommenden Mittwoch treffen sie sich zum letzten Mal so die Leiterin der Senioreninitiative:

„Dann werden wir wohl die letzte Strophe gemeinsam singen. Das wird so traurig für die Damen und für uns eine große Belastung.“

Nachtrag der Redaktion: Mittlerweile hat die GEMA reagiert und die Rechnung an den Seniorenkreis storniert: Die Argumentation der GEMA kann hier nachgelesen werden.