Nach Todesdrohungen und Aufrufen zur Festnahme - RT Korrespondentin Paula Slier muss  Ukraine verlassen

Quelle: RT
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RT Korrespondentin Paula Slier, die in der Ukraine über die Waldbrände in der Nähe des Unglückreaktors Tschernobyl berichtete, hat die Ukraine verlassen, nachdem lokale Journalisten Sicherheitsbehörden aufgerufen haben, sie festzunehmen. Zudem gingen gegen die RT-Reporterin zahlreiche Todesdrohungen ein. 

Der öffentliche Aufruf Slier festzunehmen war von Denis Kanzansky, einem Journalisten der Ukrainsky Tizhden (Ukraine Woche), auf dessen Facebookseite veröffentlicht worden:

"Die Mitarbeiterin des Kreml-Propaganda-Senders Russia Today [RT], Paula Slier, die lachend darüber berichtete, wie Selbstverteidigungskräfte ukrainische Soldaten mit Grad-Raketen bei lebendigem Leib verbrannten, läuft frei in unserem Land herum.

Liebe Herren der ukrainischen Sicherheitsrates, das ist euer Versagen, diese Lumpen sollten nicht in unserem Land sein."

Die Veröffentlichung führte zu einer Reihe von wütenden Kommentaren, darunter einige, die zum Mord an der RT-Journalistin aufriefen. Zahlreiche ukrainische Medien berichteten über die Drohungen gegenüber der RT-Reporterin mit einem gewissen Wohlwollen.

Quelle: Screenshot Facebook

Doch es gab auch kritische Gegenstimmen. So veröffentlichte der ukrainische Journalist Anatoly Schary ein

">Video auf YouTube, in dem er Kazansky der Lüge bezichtige und darlegte, dass die Vorwürfe gegenüber der RT-Korrespondentin von ukrainischen Journalisten ein reines Lügenkonstrukt darstellen.

Es ist nicht das erst Mal, dass Paula Slier Morddrohungen erhält. Bereits im September 2014, als sie von der Bürgerkriegsfront in der Ostukraine berichtete, war ihr vorgeworfen worden, "zu lächeln", während sie einen Beitrag über den Angriff von Donbasser-Volksmilizen mit Grad-Systemen auf mutmaßliche Stellungen der ukrainischen Streitkräfte verfasste.

Doch wie auf dem Video zu sehen ist, schreckt Paula Slier aufgrund des lauten Abschussknalls der Raketen zusammen. Darin ein Lächeln zu interpretieren, erfordert schon sehr viel Fantasie und macht nur Sinn, wenn man zwanghaft versucht eine Journalistin bloßzustellen.

Paula Slier, die regelmäßig für RT aus Kriegsgebieten berichtet, ist lebensbedrohliche Situationen gewohnt. Die aktuelle Kampagne gegen sie in der Ukraine ist aber auch für sie erschreckend und neu:

"Ich habe aus Syrien, Afghanistan und dem Irak berichtet, aber dies ist eine andere Art der Angst – du riskierst dein Leben, weil du vielleicht zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort bist, du läufst Gefahr gekidnappt zu werden oder auf Minen zu treten. Aber im jetzigen Fall ist es die Angst, dass dich jemand erkennt und bewusst versucht dich festzuhalten und zu verletzen."

"Eine der Drohungen die ich erhalten habe lauten aus dem Russischen übersetzt: "Fangt sie nicht nur, sondern tötet sie auch; ergreift sie und f**** sie."

Angesichts der sich häufenden Bedrohungen hat RT-Chefin Margarita Simonyan die ukrainsiche Regierung aufgefordert, die Sicherheit von Journalisten zu gewährleisten:

"Die Drohungen gegen Paula haben erneut gezeigt, dass die Ukraine nicht über angemessene Arbeitsbedingungen für Journalisten verfügt, selbst wenn diese über Ereignisse wie das Tschernobyl-Feuer oder andere Themen berichten, die völlig losgelöst sind von Politik. Wir sind außerordentlich alarmiert über die Tatsache, dass Reporter um ihr Leben fürchten müssen und rufen die ukrainische Regierung auf, ein sicheres Arbeitsumfeld für Journalisten zu schaffen."
Das russische Untersuchungskomittee hatte Tage vor den Drohungen gegen Paula Slier bereits Strafanzeige gegen den ukrainischen Politikwissenschaftler Juri Romanenko gestellt, der im Rahmen einer Vorlesung an der US-Eliteuniversität Harvard vor einem Monat die Tötung von russischen Journalisten befürwortet und später diese Rede auf Facebook veröffentlicht hatte.

Paula Slier arbeitet seit der Gründung des Senders 2005 für RT. Als Kriegsberichterstatterin war sie für RT in Syrien, Irak, Ägypten, Palästina, Israel und der Ukraine im Einsatz. 2013 war Paula Slier zu einer der einflussreichsten Südafrikanerinnen in der Welt erklärt worden.

Laut der Nichtregierungsorganisation "Reporter ohne Grenzen" hat sich die Ukraine zu einem der weltweit gefährlichsten Länder für Journalisten entwickelt. Wie die Organisation weiter berichtet, wurden 2014 dort "33 Journalisten entführt und sechs wegen ihrer Arbeit getötet, die meisten davon im Osten des Landes. Auf der Rangliste der Pressefreiheit 2014 steht die Ukraine auf Platz 127 von 180 Ländern".