Die "Twerking-Hysterie“ der russischen Behörden - Oder wie Bild titeln würde: "Für Popowackeln in den Knast"

Quelle: Screenshot aus Youtube Video
Quelle: Screenshot aus Youtube Video
Einer Gruppe jugendlicher Tänzerinnen, die ein Hip-Hop Video mit „Twerking“ (Popowackeln) - Einlage vor den Kulissen eines Kriegsdenkmals in Südrussland gedreht hatte, droht eine 15-tägige Haftstrafe wegen "Rowdytums". Derweil sprechen russische Medien bereits von einer "Twerking-Hysterie" und ziehen Parallelen zur Sowjetära, als westliche Tänze wie der Boogie-Woogie und Foxtrott, als "ideologisch entfremdende“ Tänze öffentlich missbilligt wurden. Bereits Anfang April hatte ein "Twerking-Skandal" in Russland für Aufregung und Schließung einer Tanzschule gesorgt.

Zwei der sechs jungen Frauen konnten ihre Strafe aufgrund von gesundheitlichen Gründen verringern. Eine weitere Tänzerin konnte die Haft umgehen, da sie noch unter 16 Jahren alt ist. Dafür rief das Gericht in der Stadt Noworossijsk jedoch ihre Mutter dazu auf „Maßnahmen zu ergreifen, um die ordnungsgemäße körperliche, sittliche und psychische Entwicklung ihres Kindes zu gewährleisten.“

Wie das russische Nachrichten-Portal Lifenews berichtet, zog das Hip-Hop Video bereits letzte Woche die Aufmerksamkeit der staatlichen Behörden auf sich. Der Bürgermeister von Noworossiysk  zeigte sich „empört“ und übergab persönlich alle Kontaktinformationen der Tänzerinnen an die ermittelnden Beamten.

Viktoria Dikaya, Pressesprecherin der städtischen Bildungsabteilung sagte in einer Presskonferenz:

„Wir verurteilen diese Frauen. Jeder Zoll dieses Landes ist in Blut getränkt. Solch ein Verhalten ist einfach vollkommen pietätlos.“
Die Staatsanwaltschaft von Noworossiysk erklärte zudem, dass sie die Ausbildungsstätten an denen die „Twerker" (Hüftwacklerinnen) eingeschrieben sind, überprüfen werden, um sicher zu stellen,„dass diese übereinstimmen mit den Lehrplänen zur Sicherstellung des Respektes gegenüber dem Gesetz".

Anlass der öffentlichen Empörung soll, wie die Stadtverwaltung erklärte, jedoch nicht in der Tanzeinlage selbst liegen, sondern vielmehr am Ort der Darbietung. So ist das aus dem Jahr 1982 stammende  „Malaya Zemlya“ Denkmal, der Schlacht um Noworossysk im Jahr 1943  gewidmet, in deren Folge die Stadt von der deutschen Besatzung befreit wurden war.

Die Wurzeln der strafrechtlichen Reaktion auf das Hip-Hop Video scheinen in zwei russlandweit diskutierten Kontroversen zu liegen.

Der wohl bekannteste Fall, ist die russische Punkrock-Gruppe Pussy Riot, deren Mitglieder im Zuge einer Tanzeinlage und eines Anti-Putin-Songs in der Moskauer Christ-Erlöser Kathedrale wegen „Rudytums“ zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. Eine gesellschaftliche Debatte um die Grenzen von Meinungsfreiheit und Blasphemie folgte dem Urteil.

Ein jüngerer, und im Westen kaum berichteter Fall, war die “Twerking-Showeinlage” einer Tanzschule in Orenburg, Anfang April dieses Jahres.

Minderjährige weibliche Teenager hatten einen sehr expliziten, sexualisierten „Twerking-Tanz“ vor ihren Eltern aufgeführt. Die Folge war eine staatsanwaltschaftliche Untersuchung wegen „Unzüchtigkeit“ und Schließung der Tanzschule. Der russische Ombudsmann für Kinder nannte die Vorführung „schweinisch“.

Derweil ziehen russischen Medien vielseitige Parallelen bezüglich der momentanen „Twerking-Hysterie“ mit der Sowjet-Ära, als Behörden „ideologisch entfremdende“ Tänze, wie den Boogie-Woogie und den Foxtrott öffentlich missbilligten.