Spanischer TV-Moderator kritisert Regierungspartei und wird abgesetzt - Boykottaufrufe sind die Folge

Jesús Cintora
Jesús Cintora
Der spanische Privat-Sender Cuatro hat den regierungskritischen Moderator Jesús Cintora entlassen. Cintora hatte zuvor in der TV-Politiksendung regelmäßig die spanische Regierungspartei PP und deren ausufernde Korruption kritisiert. Im Internet regt sich Unmut. Sympathisanten und Unterstützer organisieren bereits eine Boykottkamapgne gegen den Sender und dessen Betreiberfirma Mediaset. Einige Beobachter ziehen Parallelen zu der laufenden Kampagne gegen BILD in Deutschland.

"Danke für soviel Unterstützung und Entschuldigung, dass es etwas gedauert hat. Ihr wißt, dass sie entschieden haben, dass ich auf Cuatro nicht weiter machen darf und es ist nicht leicht. Aber ich bleibe aufrecht und präsent."

Mit diesem Tweet gab der spanische Journalist Jesús Cintora kürzlich bekannt, dass er nicht mehr für den Privat-Sender Cuatro arbeiten wird. Cintora wurde abgesetzt. Der Grund: Sympathien seinerseits für die, aus der spanischen 15M-Bewegung hervorgegangenen, Partei Podemos ("Wir können es!"). Fast 4.000 Menschen reichten diese Nachricht auf Twitter weiter, die Reaktionen drückten oft tiefe Empörung aber auch große Zustimmung und aufbauende Worte für den Moderator aus.

Cintora war bis zu diesem Zeitpunkt Gastgeber der populären Politiksendung "Las Mañanas de Cuatro". Der Sender begründete den Rauswurf mit den Worten es sei das „klare Ziel, die Zuschauer mit Pluralismus zu informieren, mit Moderatoren, die die Informationen objektiv darstellen“. Nicht abgedeckt von diesem Wunsch nach "Objektvität" des Senders wurde offenbar Cintoras oft scharfe Kritik an der konservativen Regierungspartei Partido Popular (PP) von Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy. Auch die Korruption im spanischen Politsystem war immer wieder Thema in der morgendlichen Talkshow.

Vertreter der spanischen Bewegungspartei Podemos lies Cintora dabei häufig zu Wort kommen. Die Partei neuen Typs hat Chancen bei den spanischen Parlamentswahlen kommenden Herbst/Winter 2015 stärkste Kraft zu werden und fordert unter anderem ein bedingungsloses Grundeinkommen auch das Ende der Korruption der "politischen Kaste", wie sie in Spanien seit Ende der Franko-Diktatur das Tagesgeschäft bestimmt.

Eben jene politischen Kräfte waren es dann auch, die den Privatsender Cuatro immer wieder unter Druck setzten, Cintora abzusetzen. Druck ausüben auf den Sender kann die Regierung, da geplant ist bald weitere digitale Fernsehfrequenzen zu vergeben. Ein Mitbieter, der der spanischen Regierung missfällt, wie etwa Cuatro aufgrund von "Las Mañanas de Cuatro", kann hier schnell ins Hintertreffen geraten.

Auch die öffentlichen Rundfunkanstalten Spaniens wurden längst von kritischen Stimmen gesäubert, Podemos wurde dabei zum ausdrücklich nicht erwünschten Thema erklärt. Es häufen sich die Beschwerden über den mangelhaften Informationsgehalt der offiziellen spanischen Kanäle. Vor allem werden wichtige soziale Fragen, insbesondere auch politische Bewegungen, ausgeklammert oder gezielt umgedeuetet.

Fans von Cintora haben derweil begonnen auf Twitter eine Boykottkampagne gegen Cuantro zu organisieren. Unter den Hashtags #Cuatro und #Mediaset macht sich der Ärger Luft. Eine Petition auf change.org - ein Projekt, das ebenfalls aus der 15M-Bewegung hervorgeht - fordert die Wiedereinsetzung Cintoras und ist kurz davor die 100.000-Unterschriften-Marke zu durchbrechen.

Dass der spanische Sender sich dem Druck der politischen Führung des Landes beugte, kann sich damit schnell als Bumerang erweisen. Dann nämlich, wenn Podemos nicht nur das etablierte Zwei-Parteien-System zu Fall bringt, sondern auch die systemkonformen Medien, die es über Jahre hinweg, fern jeglicher journalistischer Standards, gestützt haben.