Russland-Sanktionen: Deutsches Aushängeschild Siemens verzeichnet 50 Prozent Umsatzeinbruch
Im Gespräch mit der Tageszeitung „Bild“ räumte der CEO des deutschen Technologiekonzerns am Sonntag ein:
„Das Russland-Geschäft ist allgemein stark eingebrochen, unseres ist etwa um die Hälfte zurückgegangen.“Um sich allerdings nicht zu sehr ins politische Kreuzfeuer der Bundesregierung zu begeben, gab sich Joe Kaeser dipolomatisch, wobei er allerdings nicht vollständig auf kritische Anmerkungen verzichten wollte:
„Wir folgen dem Primat der Politik. Daran halten wir uns, und das habe ich immer deutlich gemacht. Aber auch, dass es besser ist, miteinander statt übereinander zu reden.“Das Russland-Geschäft ist für Siemens eigentlich Tradition und ein profitables Milliarden-Geschäft, was im Angesicht der anhaltenden Ukraine-Krise nunmehr zu zerbrechen droht.
Noch im Vorjahr wurde Joe Kaeser zuvorderst von öffentlich-rechtlichen Medien zurechtgewiesen, weil dieser einen bereits seit langem geplanten Besuch in der russischen Hauptstadt nicht absagte. Insbesondere der ZDF-Moderatorenzar Claus Kleber spielte beim Vorführen des Siemens-Chefs eine unrühmliche Rolle. Kaeser entgegnete den Vorwürfen Klebers mit Souveränität und einem gesunden Verhältnis von Pragmatismus und Diplomatie. Diesmal dürften die schwachen Umsatzzahlen eine deutliche Sprache sprechen und Siemens davor bewahren, vom ZDF erneut als hemmungslos profitgieriges Unternehmen angeprangert zu werden.
Die gegen Russland verhängten Wirtschaftssanktionen erfüllten ihren Zweck nicht. Obwohl das erklärte Ziel war, Russland signifikant zu schwächen, scheint es aktuell, als wenn die Föderation erstmals – wenn auch gezwungenermaßen – die Gelegenheit wahrnimmt, die heimische Wirtschaft erfolgreich zu diversifizieren. Es wird noch dauern, die russische Wirtschaft komplett umzustellen, dennoch scheint der Trend vor allem eines zu beweisen: Die Selbstbeschneidung des Westens schadet mehr der europäischen Exportwirtschaft selbst als dem russischen Verbrauchermarkt.
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