Staatsanwaltschaft belegt: Unautorisierte Person im Cockpit zwang Piloten der polnischen Präsidentenmaschine zur tödlichen Landung

Quelel: Ruptly
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Unter dem Druck der Öffentlichkeit hat die polnische Staatsanwaltschaft die Transkripte des Stimmrekorders der im Jahre 2010 im russischen Smolensk abgestürzten Präsidentenmaschine veröffentlicht. Bei dem Absturz kam der damalige polnische Staatspräsident Lech Kaczyński, dessen Ehefrau Maria Kaczyński sowie zahlreiche polnische Regierungsvertreter, der Chef der polnischen Nationalbank und hochrangige Militärs ums Leben. Die Transkripte belegen, dass sich kurz vor dem Absturz nicht autorisierte Personen im Cockpit aufhielten, die die Piloten unter Druck setzten, die gefährliche Landung durchzuführen. Zuvor hatte Polen immer wieder Russland vorgeworfen, Schuld an dem Absturz der Präsidentenmaschine zu tragen.

Das besagte Transkrikpt wurde zusammen mit zwei Expertenmeinungen vom polnischen Chef der militärischen Staatsanwaltschaft am gestrigen Donnerstag veröffentlicht. Die polnische Staatsanwaltschaft gab als Grund der offiziellen Veröffentlichungen der Aufzeichnungen an, im Umlauf befindliche Spekulationen zur Absturzursache der polnischen Präsidentenmaschine im russischen Smolensk im Jahre 2010 entgegen wirken zu wollen. Der Fall zog erneute Aufmerksamkeit auf sich, nachdem der polnische Lokal-Radiosender RMF zuvor eine offenbar nicht ganz korrekte Version des Transkriptes geleakt hatte.

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In den veröffentlichten Dokumenten werden die Aufzeichnungen des Stimmrekorders der Maschine detailliert aufgelistet und sind teilweise von Experten kommentiert. In einer weiteren Spalte werden die zu hörenden Stimmen mit einer Skala von 1-4 kategorisiert. Bei einigen Wortmeldungen aus dem Cockpit ist dort "third party" (dritte Partei) vermerkt. Eine solche Stimme scheint den Piloten des Flugzeuges zu instruieren, trotz dichtem Nebel auf dem Militärflughafen im russischen Smolensk zu landen.

Verschiedene Medienberichte, darunter auch die von RMF, wollen diese Stimme als die des polnischen Luftwaffen-Kommandeurs General Andrzej Blasik indentifiziert haben. Die Experten-Kommentare die zusammen mit dem Transkript von der polnischen Staatsanwaltschaft veröffentlicht wurden, konzentrieren sich in ihrer Analyse auf diesen Teilaspekt.

Die Beurteilung des polnischen Staatsanwaltes Andrzej Artymowicz fällt auf Grundlage dieser Analysen noch bemerkenswerter aus und bezieht sich auf eine Stimme die direkt zu Blasik gesprochen hat:

"Eine unautorisierte Person befand sich im Cockpit."
In einigen Aussagen, die an Blasik gerichtet waren wurde Sekunden vor dem Absturz Druck auf die Piloten ausgeübt, die umstrittene Landung durchzuführen. Sätze wie: "Du wirst das sicher hinbekommen" (“You’ll fit safely”) und "Tatsache ist, wir müssen das tun" (“the fact is, we have to do it.” ) fielen. Die Version des Transkriptes der polnischen Staatsanwaltschaft bestätigt auch die Theorie, dass sich General Blasik bis zu dem Moment des Aufpralls auf dem Boden im Cockpit aufhielt.

Der polnische Staatsanwalt Artymowicz merkte an, dass die 107-seitige Transkription der Voicebox der polnischen Präsidentenmaschine von einer Gruppe von sieben Luftfahrt-Experten erarbeitet wurde, darunter Untersuchungsbeamte, Piloten und Flugpsychologen. Ein weiterer Experte, Grazyna Demenko, kommt zu dem Schluss, dass die Stimme, die auf den Aufzeichnungen zu hören ist nicht den Piloten zugeordnet werden kann, Demenko nimmt von einer konkreten Identifizierung des Sprechers jedoch Abstand.

Quelle: Soerfm

Die Stimmaufzeichnungen decken außerdem auf, dass die Besatzung des Flugzeuges in der Tat sehr besorgt über die Wetterverhältnisse kurz vor der Landung des Flugzeuges waren und darüber gesprochen hat, die Landung nicht durchführen zu wollen. Außerdem wurde die Crew offenbar von der Luftfahrtkontrolle in Smolensk gewarnt sich für einen alternierenden Landeversuch bereit machen zu sollen.

Bei dem Flugzeugabsturz vor fünf Jahren starben insgesamt 96 Menschen. Die nun veröffentlichten offiziellen Aufzeichnungen des Unglückes bringen ein wenig Licht ins Dunkel dieser Tragödie. Die genaue Analyse des Unfallhergangs beginnt damit erst.