Aus dem Gefängnis: Whistleblowerin Chelsea Manning künftig auf Twitter

Quelle: Twitter
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Die inhaftierte US-amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning, vormals Bradley Manning, wird sich künftig aus dem Gefängnis per Twitter zu Wort melden. Unter dem Nutzernamen @xychelsea können die Nachrichten der politischen Gefangenen verfolgt werden, dies gab die Leakingplattform Wikileaks gestern bekannt. Der direkte Zugang zum Internet wird Manning allerdings verwehrt. Ihre Botschaften sendet sie per SMS an einen Kreis aus engen Unterstützern, die diese dann twittern.

35 Jahre Gefängnis, so lautete das Urteil gegen Chelsea Manning, damals noch vor dem Beginn einer Geschlechtsanpassung unter dem Namen Bradley Manning bekannt. Manning begann im Jahre 2007 eine Karriere bei den US-Streitkräften und wurde im zweiten Irakkrieg als Nachrichtenanalystin eingesetzt. Über ein Rechnernetz des Außen- und Verteidigungsministeriums hatte Manning Zugang zu geheimen Informationen der US-Regierung. Einige davon gab sie wegen schwerer Kriegsverbrechen seitens der USA im Irakkrieg an die Leakingplattform Wikileaks um den Australier Julian Assange weiter. Als Begründung für diesen Schritt gab Manning unter anderem an:

„Ich halte diese Dokumente nach wie vor für einige der wichtigsten Dokumente unserer Zeit. Ich glaubte, die Depeschen würden uns nicht schaden, aber sie würden peinlich sein. Ich glaubte, dass die Öffentlichkeit, insbesondere die amerikanische Öffentlichkeit eine allgemeine Debatte über das Militär und unsere Außenpolitik im Irak und in Afghanistan führen wird, wenn sie denn einmal diese Dokumente lesen könnte. Es wäre damit eine Chance für unsere Gesellschaft gegeben, sich Rechenschaft über diese Form des Gegen-Terrorismus abzulegen, in dem wir die menschliche Seite der Bewohner in diesen Ländern Tag für Tag missachten.“
Neben 250.000 diplomatischen Telegrammen und 500.000 Armee-Reporten, den so genannten "Iraq war logs" sowie den "Afghan war logs", sorgten vor allem von Manning geleakte Videoaufnahmen weltweit für Aufsehen. In den Dokumenten finden sich allein 303 Fälle von Folter durch ausländische Einheiten im Irak im Jahre 2010.

Unter dem Titel Collateral Murderveröffentliche Wikileaks schließlich die von Manning zugespielten Video-Aufzeichnungen, welche die Erschießung von irakischen Zivilisten und Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters durch die US-Armee zeigen. In den Aufnahmen ist zu hören wie die Besatzung des angreifenden Kampfhubschraubers feixend die Morde kommentiert, ähnlich wie in einem Computerspiel:

Während Unterstützer von Manning immer wieder skandieren: "Exposing War Crimes Is Not A Crime!" ("Das Aufdecken von Kriegsverbrechen ist kein Verbrechen!"), sehen US-Justiz und US-Administration dies offenbar anders. Ende Juli 2013 wurde Manning in 19 Anklagepunkten, unter anderem "Spionage" und "Dokumentendiebstahl", zu besagten 35 Jahren Gefängnis verurteilt.

Ein weltweites Unterstützernetzwerk fordert seit dem die Freilassung der politischen Gefangenen. Bis es dazu kommt ist es nun zu mindest möglich mit Manning per Twitter in Kontakt zu bleiben.