Der Islamische Staat als eigentlicher Nutznießer der saudi-arabischen Intervention im Jemen?

Quelle: Ruptly
Quelle: Ruptly
Die Lage im Jemen spitzt sich immer weiter zu. Neben anhaltenden Hungersnöten und einem US-amerikanisch geführten Drohnen-Krieg, der seit 2002 bisher mehr als 100 Zivilisten das Leben kostete, führt nun auch Saudi-Arabien in einer Koalition mit neun anderen Ländern einen Krieg gegen das ärmste Land der Region. Eine Invasion, mit Bodentruppen, könnte kurz bevorstehen. RT Deutsch erörtert die Hintergründe sowie die möglichen regionalen und innenpolitischen Auswirkungen der pan-arabischen Intervention.

Die Houthi-Rebellen, die Anfang der 1990er entstanden waren und seit dem Jahr 2004 immer wieder in Konflikt mit der Regierung im Jemen gerieten, liegen dabei im Fokus der sunnitischen Kriegskoalition.

Ursprünglich stammen die Houthis aus dem Nord-Westen des Staates und bezeichnen sich als Zaydi, eine religiöse Splittergruppe des Shia-Islams. Die Zaydis konzentrieren sich im Norden des Landes, während der Süden größtenteils dem Sunni-Islam angehört. Der Konflikt ist keinesfalls religiös, doch spielen die religiösen Unterschiede eine wichtige Rolle in diesem Konflikt, die es zu verstehen gilt.

Die Gemeinschaft der jemenitischen Zaydis ist der Auffassung, von der bisherigen Regierung unterdrückt und von politischen Entscheidungen ausgeschlossen zu werden. Bis jetzt war Regionalismus und nicht konfessionelles Sektierertum die Ursache des Konflikts im Jemen, dies könnte sich aber bald ändern.

Quelle: Ruptly

Der Arabische Frühling

Mit dem Arabischen Frühling im Jahr 2011 und dem Sturz des jemenitischen Präsidenten, Ali Abdullah Saleh, der durch die Houthi-Rebellen unterstützt wurde, im darauf folgenden Jahr spitzte sich die Situation im Jemen immer weiter zu, zumal die Rebellen mit dem Verfall der Regierungsgewalt regional immer mehr Macht beanspruchen konnten.

Nachdem Abgang von Saleh half die die Internationale Gemeinschaft, eine Übergangsregierung aufzubauen; mit der Absicht eine stabile Regierung herzustellen. Abd Rabbu Mansour Hadi sollte die neue Rolle des Übergangsstaats-Chefs übernehmen. Die Houthis waren in der Übergangsregierung nicht vertreten.

Houthi-Rebellen übernehmen die Macht

Über die vergangenen Jahre versuchte man im Jemen, einen nationalen Konsens über die Zukunft des Staates zu finden. Jedoch wiederum größtenteils unter Ausschluss der Houthis. Durch die schleppende Veränderung der schwierigen Situation im Jemen kam es schließlich zu organisierten Demonstrationen der Houthis, die sich letztendlich in einen militärischen Konflikt umwandelte.

Die Houthi-Rebellen marschierten am 18. September, 2014 in die Hauptstadt Sanaa, wo sich daraufhin Gefechte ausbreiteten. Innerhalb kürzester Zeit war es den Rebellen gelungen, die ohnehin geschwächten Regierungstruppen zu besiegen und den Präsidenten-Palast im Januar unter ihre Kontrolle zu bringen. Einen Monat später kam es zur Absetzung des Übergangspräsidenten Hadi.

 

Der Marsch Richtung Süden

 Die Überbleibsel der Hadi-Regierung sitzen seit mehreren Wochen in der südlichen-Küstenstadt Aden fest. Nach der Übernahme der drittgrößten Stadt, Taiz, und dem Voranschreiten der Houthi-Rebellen droht die Übergangsregierung nun vollkommen aus dem Land gedrängt zu werden.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Houthi-Rebellen über die militärische Stärke verfügen, das ganze Land zu übernehmen, doch das militärische Einschreiten Saudi-Arabiens droht die Situation nur weiter zu eskalieren und das Land in einen Bürgerkrieg zu stürzen.

Jemen, ein regionaler Kriegsherd

Aus Angst, Saudi-Arabiens Erzfeind Iran könnte durch die Machtübernahme der Houthis an Einfluss gewinnen, begann Saudi-Arabien in einer Koalition aus Ägypten und anderen Golfstaaten mit der direkten Luft-Bombardierung von Stellungen der Houthi-Rebellen. Natürlich auch in Koordination mit den USA und Großbritannien.

Damit aber nicht genug: Die Koalition droht jetzt mit einem Einmarsch von Bodentruppen aus Saudi-Arabien und Ägypten.

Während Saudi-Arabien mit der Unterstützung syrischer Rebellen beschäftigt war, näherte sich die schiitische Regierung des Irans den zaydi-schiitischen Houthi-Rebellen an. Eine Situation, die Saudi-Arabien nervös macht. Da es selbst eine schiitische Minderheit im eigenen Land gibt, ist die Gefahr, dass es zu einem Aufstand kommen könnte, plötzlich sehr real geworden.

Zwar dementieren die Houthis ihre Verbindungen zum Iran, dennoch wird angenommen, dass die Rebellen enge Verbindungen zur militanten Hisbollah im Libanon führen, einen weiteren Proxy des Iran.

Hisbollah-Generalsekretär Hasan Nasrallah bezog in seiner Rede im libanesischen Fernsehsender „Al-Manar“ Stellung und rief Saudi-Arabien dazu auf, die Angriffe auf Houthi-Rebellen in Jemen einzustellen:

„Es gibt nur eine politische Lösung, ansonsten werden die Angreifer zerschlagen“.
„Jemens IS“ (AQAP)

Der Angriff auf die Houthis und eine mögliche Invasion durch Bodentruppen könnte den Jemen zum nächsten Brutbecken von radikalen Islamisten machen. Al-Qaidas größter Zweig (AQAP) befindet sich im südlichen Jemen. AQAP übernahm zudem Verantwortung für die Anschläge auf „Charlie Hebdo“ in Paris. Die Attentäter der Organisation drückten zuvor in einer Videonachricht ihre Nähe zum „Islamischen Staat“ aus.

Zwar beziehen die Houthi-Rebellen, wie auch die Übergangsregierung des Jemens, klar Stellung gegen AQAP, konzentrieren sich aber derzeit nicht auf den Al-Qaida-Ableger.

Ein Konflikt, der beide Seiten schwächt - Houthis wie Anhänger Hadis - könnte dazu führen, dass AQAP wie der IS in Syrien die eigene Macht ausbaut und das hinterlassene politische Vakuum ausfüllt. Die Katastrophe in der Region ist vorgezeichnet.