Jemen-Krise: Arabische Liga will eigene Interventionsarmee bilden

Quelle: Ruptly
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Bislang hatte es gemeinsame militärische Strukturen der arabischen Länder vor allem dann gegeben, wenn es gegen Israel ging. Die misslungenen Feldzüge des letzten Jahrhunderts hatten jedoch schnell wieder die Konflikte untereinander aufbrechen lassen. Nun soll angesichts des Jemen-Konflikts das Unterfangen einer gemeinsamen panarabischen Streitkraft wieder in Angriff genommen werden.

Wie der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi im Rahmen des arabischen Gipfels in Sharm el-Sheikh bekannt gab, hätten sich die arabische Führer darauf geeinigt, eine gemeinsame militärische Streitmacht auf die Beine zu stellen. Das Treffen stand ganz im Zeichen der Situation im Jemen, wo Saudi Arabien derzeit Luftangriffe gegen die schiitischen Huthi-Rebellen führt.

„Die arabischen Führer haben sich auf das grundlegende Ziel einer gemeinsamen arabischen Militäreinheit geeinigt“, fasste Sisi die Ergebnisse des Treffens am Sonntag zusammen. Im Schlusskommuniqué des Gipfels rief man zu „Koordination, Anstrengungen und Schritten hin zur Errichtung einer vereinten arabischen Streitmacht“ auf, um in Ländern wie dem Jemen intervenieren zu können.

Ein auf höchster Ebene installierter Rat soll innerhalb von vier Monaten die Strukturen und Mechanismen der künftigen Einheit ausarbeiten.

Früheren Berichten zufolge soll die Truppe etwa 40.000 Elitesoldaten umfassen und von Kampfflugzeugen, Kriegsschiffen und leichten Waffen unterstützt werden. Es gibt aber Zweifel dahingehend, ob tatsächlich alle 22 Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga signifikant dazu beitragen werden. Die Bildung einer Streitmacht könnte Monate in Anspruch nehmen.

In einem Kommuniqué hieß es zudem, die arabischen Länder forderten auch den Westen dazu auf, eine umfassendere Antwort auf radikale Tendenzen zu finden, was wiederum als Andeutung dahingehend gedeutet werden könnte, dass einige arabische Länder sich eine neuerliche Intervention in Libyen wünschen würden.

Die NATO-Bombardements und der Bürgerkrieg, die 2011 zum Sturz des langjährigen Herrschers Muammar al-Gaddafi beigetragen hatten, erwiesen sich als Wegbereiter für einen Staatszerfall, in der dschihadistische Gruppen das Vakuum füllen – darunter der „Islamische Staat“ (IS). Zuvor hatte der Ex-General Khalifa Haftar entschieden von Tobruk aus einen bewaffneten Aufstand gegen die religiös-konservative Muslimbruderschaft, die einen Großteil der Regierung in Tripoli stellte, zu führen. Hafter wird seitdem von Ägypten und Saudi Arabien politisch und militärisch unterstützt.

Im Vordergrund stand auf dem Gipfel jedoch der Aufruhr im Jemen, wo die schiitischen Huthi-Rebellen den sunnitischen Präsidenten Abd-Rabbu Mansour Hadi gestürzt und ihn zur Flucht nach Saudi Arabien veranlasst haben. Daraufhin haben Nachbarstaaten eine aus zehn arabischen Nationen gebildete Koalition gebildet, die seit Donnerstag Luftangriffe auf die Houthi-Stellungen fliegt. Arabische Führer kündigten an, die Angriffe würden fortgesetzt, bis sich die Huthis zurückziehen und ihre Waffen abgeben.

Im Jemen war der langjährige Präsident Ali Abdullah Saleh im Jahre 2012 nach zwei Jahrzehnten im Amt infolge von Massenprotesten zurückgetreten. Allerdings hat er seinen Einfluss nicht komplett aufgegeben, er verfügt immer noch über Verbündete in Schlüsselpositionen der Regierung und des Militärs.

Die Huthi-Rebellen stellen bereits seit Jahrzehnten eine regierungsfeindliche, militante Organisation dar, das Versagen der Regierung in den letzten Jahren bei der Bekämpfung von Stammesfehden, des wirtschaftlichen Niedergangs und des Drucks seitens Al-Qaida und anderer "Terrororganisationen" haben ihnen jedoch erst jetzt entscheidenden Rückenwind verliehen.